pr
01.06.17 / 00:01
Heft 11/2017 Politik
Projekt zur hausärztlichen Versorgung auf dem Land

VERAH kommt

Digitale Technologien berühren viele Kernbereiche des ärztlichen Berufsbildes – und gehören längst zum Alltag von Praxen. Wie Telemedizin in die Versorgungsprozesse bei Hausärzten integriert werden kann und teilweise auch schon wird, zeigt das Beispiel des „TeleArzt“-Projekts, mit dem Hausärzte in ländlichen Regionen entlastet werden sollen.




Das Projekt „TeleArzt“ ist seit dem 1. Mai in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen am Start: Um den teilnehmenden Hausarzt zu entlasten, fährt die VERAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) bei Bedarf zu den Patienten nach Hause. Für diese vom Hausarzt an sie delegierte Tätigkeit wurde sie speziell geschult, eine ärztliche Expertise ist nicht notwendig.

Die VERAH ist ausgestattet mit einem Rucksack mit folgendem Inhalt:

• ein 3-Kanal-EKG

• ein Pulsoximeter

• ein Blutzuckermessgerät

• ein Spirometer

• ein Blutdruckmessgerät

• eine Waage

• ein Tablet-PC zur mobilen Datenübertragung und zur Videokommunikation mit dem Arzt, falls notwendig.

Mit diesem Equipment kann die Assistentin vor Ort die wichtigsten Vitaldaten eines Patienten – etwa EKG, Puls und Blutdruck – erheben, in die Praxis senden und über ein Videotelefon per Tablet eine Televisite des Hausarztes ermöglichen.

Kontrolle durch Hausarzt via Videotelefonie

Das TeleArzt-Projekt geht auch konform mit dem sogenannten Fernbehandlungsverbot in der ärztlichen Berufsordnung. Danach dürfen Ärzte individuelle Behandlungen und Beratungen nicht ausschließlich über Kommunikationsmedien durchführen. Seit dem E-Health-Gesetz können Ärzte unter bestimmten Voraussetzungen auch Online-Videosprechstunden anbieten. Arzt und Patient müssen sich allerdings zuvor in der Praxis persönlich kennengelernt haben. Die Kommunikation am Bildschirm dient dann eher der Kontrolle.

Die VERAH ist also nicht als Ersatz für den Arzt gedacht. Das betont jedenfalls der Geschäftsführer der TAG TeleArzt GmbH, Dr. Thomas Aßmann, der das Projekt entwickelt und eineinhalb Jahre im Oberbergischen Kreis getestet hat, bevor es in die Fläche ging. Für ihn geht darum, die für den Patienten bewährte hausärztliche Versorgung sinnvoll zu ergänzen: „In vielen Regionen, insbesondere in strukturschwächeren, kann schon heute der Bedarf nach hausärztlicher Versorgung nicht überall gedeckt werden.

Ein wesentlicher Grund ist der demografische Wandel“, erläutert er. „Hier bietet die Digitalisierung enorme Chancen, um die Hausärzte bei ihrer Arbeit zu entlasten und zugleich eine hohe Versorgungsqualität sicherzustellen. Wichtig ist dabei, dass gerade ältere Patienten mit den telemedizinischen Angeboten nicht alleine gelassen werden, sondern von ihrem vertrauten Hausarzt und dem Praxisteam eng betreut werden. Genau das geschieht beim TeleArzt-Projekt.“



Mehr zum Thema


Anzeige
Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können