zm-online
01.04.03 / 00:05
Heft 07/2003 Politik
50 Jahre Bundeszahnärztekammer

Vereinte Kraft ist wirksamer als geteilte

Es war ein für die deutsche Zahnärzteschaft in mehrfacher Hinsicht historischer Akt, der am 27. März 1953 im beschaulichen Rothenburg ob der Tauber vollzogen wurde. Die Gründung des „Bundesverbandes der Deutschen Zahnärzte“ (BDZ), 1990 umbenannt in Bundeszahnärztekammer (BZÄK), führte zusammen, was zuvor über acht Jahrzehnte nicht zusammengehörte: die Berufsstände der Zahnärzte und Dentisten.




Der Fusion der beiden Gruppen waren jahrelange Vorbereitungen vorausgegangen. Der Zusammenschluß des Verbandes der Deutschen Zahnärztlichen Berufsvertretungen (VDZB) und des Verbandes der Deutschen Dentisten (VDD) diente nicht zuletzt der Erfüllung des im Jahr zuvor beschlossenen Zahnheilkundegesetzes (ZHG), wonach die Approbation auf Basis des Studiums der Zahnmedizin Voraussetzung zur Ausübung der Zahnheilkunde sein sollte. Hier wurden die bislang getrennten Berufsstände erstmals vereinigt. Gleichzeitig endete so die seit 1869 geltende Kurierfreiheit auf Basis der Gewerbeordnung.

„Vereinte Kraft ist zur Herbeiführung des Erfolges wirksamer als zersplitterte oder geteilte.“ Diese Erkenntnis des mittelalterlichen Kirchenlehrers Thomas von Aquin trieb wohl auch die Protagonisten der Verbandsgründung an. Gleichzeitig galt es, über einen neuen Berufsstand auch das eher negative Image der bis dahin zersplitterten Berufsgruppen zu verbessern. Als Wegbereiter dieser Verbandsgründung dürfen der bereits 1949 verstorbene Dr. h.c. Friedrich Linnert, der VDZB-Vorsitzende und erste BDZ-Präsident Dr. Erich Müller, Altona, sowie der Wortführer der Dentisten, August Siebecke, gelten. Das Verbandsgebiet beschränkte sich auf die westdeutschen Bundesländer. Ost- und Mitteldeutschland sowie zunächst auch das Saarland blieben wegen der politischen Gegebenheiten außen vor. Die Verbandsgründung hinterließ übrigens nicht nur berufspolitisch Spuren: Ein Gedenkstein in Rothenburg erinnert daran, dass die Zahnärzte damals nach der Gründung des neuen Verbandes die Restauration einiger Meter der alten Stadtmauer stifteten.

Eine zentrale Gestalt

Die alles beherrschende, zentrale Figur der deutschen Zahnärzteschaft in der damaligen Zeit war Dr. Erich Müller. Der erste BDZ-Präsident wurde auch 1. Vorsitzender der 1954 als Arbeitsgemeinschaft gegründeten Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Ehe er Ende 1966 beide Ämter niederlegte, hatte er die Voraussetzun gen für die standes- und berufspolitische Vertretung der Zahnärzteschaft in der heutigen Form geschaffen. So gelang 1955 die Verabschiedung des Kassenarztgesetzes und in den folgenden Jahren die Schaffung der Bundesgebührenordnung sowie der beiden Bewertungsmaßstäbe BEMA I und II.

In Abstimmung mit August Siebecke verlegte er die Verbandsgeschäftsstelle von Nürnberg nach Köln, wo 1952/53 das Zahnärztehaus errichtet wurde. Es sollte die Nähe zur politischen Zentrale Deutschlands, dem Regierungssitz in Bonn, gesucht werden. Müller führte die deutsche Zahnärzteschaft auch zurück in die internationale Gemeinschaft der Fédération Dentaire Internationale (FDI), die 1962 ihren Weltkongress in Köln abhielt.

Impulsgeber für den BDZ

Wichtige Akzente für den BDZ setzte Präsident Dr. Horst Sebastian (1981-86), der nicht nur der Prophylaxe ihren heutigen Stellenwert ermöglichte, sondern auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Zahnärzteschaft modernisierte und dabei die politische Arbeit in den Vordergrund rückte. Mit dem so genannten „Zweiten Programm“ schuf er auch die Voraussetzungen für die denkmalpflegerischen und karitativen Leistungen der Zahnärzteschaft, wie sie unter anderem im dem internationalen Hilfswerk Deutscher Zahnärzte erfolgt. Nach den Amtszeiten seiner Vorgänger Dr. Walter Knott, Dr. Herbert Johannes Veigel und Dr. Werner Eggers setzte Sebastian klare Akzente. Ihm folgte Dr. Erich Pillwein, der sich selbst eher in einer Übergangsfunktion für seinen Nachfolger Adolf Schneider sah. Schneider, dem angesichts des veralteten Praxisstandards im Osten (Stichwort: Ambulatorien) eine schwierige Aufgabe zufiel, war es vorbehalten, die Weichen für die Wiedervereinigung auch im Sinne eines angemessenen Behandlungsniveaus zu stellen.

Vom Schisma zur Einigkeit

Die Umbenennung des BDZ in die Bundeszahnärztekammer 1990 geschah in einer Zeit des berufspolitischen Schismas. Die drei Zahnärztekammern Nordrhein, Niedersachsen und Bayern hatten sich aus dem Bundesverband gelöst und eine Arbeitsgemeinschaft gegründet (ARGE ZÄK). Dieser Schritt erfolgte auf der Bundesversammlung in Timmendorf am 27. September 1990. Er geschah zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, erschwerte er doch auch die Wiedervereinigung mit den neuen Bundesländern. Erst der so genannte „Friede von Münster“ führte die Parteien unter Federführung des Präsidenten Fritz-Josef Willmes am 23. Januar 1993 wieder zusammen. Unter seiner Präsidentschaft wurde auch die Rückkehr zu den Wurzeln der BZÄK nach Berlin beschlossen, wo die Kammer seit Anfang 2001 ihren Sitz hat. Hier hatten die deutschen Zahnärzte schon ab 1914 (damals in der Bülowstraße) ihre erste berufspolitische Adresse gehabt.

Verfechter einer aktiven Politik

Die heutige Arbeit der BZÄK in Berlin ist geprägt von den anstehenden Reformen im Gesundheitswesen und der Vertretung der zahnärztlichen Interessen im Sinne der präventionsorientierten Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Dazu zählt auch das Modell der befundorientierten Festzuschüsse, das der aktuelle BZÄK-Präsident Dr. Dr. Jürgen Weitkamp energisch vertritt. „Was wir nicht selber regeln, werden andere uns aus der Hand nehmen“, heißt eine der Warnungen Weitkamps, der eine aktive Kammerpolitik angesichts weiterer staatlicher Regularien wie der geplanten Zwangsfortbildung oder den Maßnahmen zur staatlichen Qualitätssicherung für wichtiger denn je erachtet. Sichtbarer Ausdruck dessen ist die Gründung des Consiliums als hochkarätig besetztem wissenschaftlichen Beirat der BZÄK.

Der zunehmenden Bedeutung europäischer Entscheidungen für eine Harmonisierung des Gesundheitswesens trägt die BZÄK mit personeller und räumlicher Aufwertung ihres Brüsseler Büros Rechnung.

Markus Brakel
Hildener Straße 85
40597 Düsseldorf



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