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16.08.06 / 00:14
Heft 16/2006 Medizin
Der Behandlungszwischenfall

Verhalten bei Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Stillstand

Die Bewusstlosigkeit stellt ein relativ häufiges Ereignis dar, wenn man die kurzzeitigen, selbstlimitierenden Ereignisse Kollaps, Synkopen und einfache Krampfanfälle hinzuzählt. Leider ist zu Beginn einer Bewusstseinsstörung nicht abzusehen, welchen zeitlichen Verlauf das Ereignis nimmt. Deshalb müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um weitreichendere Gesundheitsschäden zu vermeiden.




Tritt eine Bewusstseinsstörung auf, wird der Patient zunächst in die horizontale Lage gebracht. Bei schwachem, langsamem oder schnellem Puls und fahler Blässe kann die Taschenmesserposition zur Autotransfusion angewandt werden (Abbildung 1). In dieser Phase können Blutdruck und Blutzucker gemessen werden, insofern es zu keinerlei Zeitverzug kommt. Tritt nicht innerhalb kürzester Zeit die Wiedererlangung des Bewusstseins ein, ist von einer vitalen Bedrohung auszugehen. Ein besonders gut sichtbares Zeichen für eine vitale Bedrohung ist die Zyanose (Abbildung 2), eine grau-blaue Färbung der Finger, Lippen und Schleimhäute, die durch einen Sauerstoffmangel hervorgerufen wird.

Zeichnet sich eine vital bedrohliche Störung ab, ist ein Notruf (deutschlandweite Notrufnummer 112) nach einem geschulten Rettungsteam abzusetzen. Wenn nicht schon bereits erfolgt, wird der Patient auf den Boden verbracht. Zur Umlagerung kann der Rautek-Rettungsgriff (Abbildung 3) verwandt werden: Der Helfer greift durch die Achseln des Patienten zu dessen Unterarm; Finger und Daumen liegen dabei über dem Unterarm und zeigen nach außen. Gegebenenfalls kann ein zweiter Helfer an den Knien überheben. Mit diesem Handgriff erfolgt eine schonende Ablage auf dem Boden.

Zunächst müssen nun Lebenszeichen durch Fühlen, Sehen und Hören geprüft werden. Wenn die Atmung ausreichend ist und die Bewusstlosigkeit weiter bestehen bleibt, wird der Patient in die stabile Seitenlage gebracht. Bei Eintritt einer Bewusstlosigkeit besteht die Gefahr einer Erstickung durch Zurückfallen der Zunge oder Aspiration. In diesen Fällen hat sich die stabile Seitenlagerung als die effizienteste Lagerung erwiesen, weil sie bei überstrecktem Kopf ein Zurückfallen der Zunge verhindert und den Mund als tiefste Stelle zum Ablaufen von Sekret fixiert. Sie ist jedoch nur dann indiziert, wenn der Patient über ausreichende Spontanatmung verfügt und nicht reanimationspflichtig ist.

Die Durchführung der stabilen Seitenlagerung (Abbildung 4) ist weitläufig etabliert und wird standardisiert durchgeführt: Der Helfer kniet neben dem Patienten. Der helfernahe Arm des Patienten wird unter das Gesäß geschoben. Dann wird das helfernahe Bein aufgestellt. Der helferferne Arm wird zur helfernahen Schulter gelegt. Der Patient wird an Schulter- und Beckengürtel zum Helfer hingedreht. Danach wird der Kopf überstreckt und mit der Patientenhand so fixiert, dass der Mundwinkel den tiefsten Punkt bildet. Der Arm hinter dem Patienten wird noch abgewinkelt und die Beinlage korrigiert. Anschließend muss der Patient ständig auf Atmung und Kreislauf kontrolliert werden, damit jederzeit entsprechende Maßnahmen (gegebenenfalls Drehen in Rückenlage und Beatmung/Herzdruckmassage) eingeleitet werden können. Bei Störungen der Atmung wird eine Beatmung erforderlich. Schnappatmung oder Atemstillstand stellen eine vitale Bedrohung dar. Ein gurgelndes Geräusch spricht für eine Verlegung der Atemwege oder eine Aspiration. Der Mund muss in diesem Fall auf Erbrochenes oder Fremdkörper (Prothesen und mehr) inspiziert und gegebenenfalls gereinigt werden (Abbildung 5). Nach der Inspektion der Atemwege wird der Kopf überstreckt, damit die Zunge die Luftwege nicht verlegen kann. Zusätzlich kann der Unterkiefer nach vorne gezogen und okkludiert werden, was ebenfalls einer Atemwegsverlegung durch die Zunge vorbeugt. Finden sich keine Lebenszeichnen, wird die cardio-pulmonale Reanimation (CPR) eingeleitet. Die Wiederbelebungsmaßnahmen werden nach internationalen Richtlinien durchgeführt. Es werden Basismaßnahmen (BLS – Basic Life Support) von den erweiterten Maßnahmen (ACLS – Advanced Cardiac Life Support ) unterschieden. Die Basismaßnahmen bestehen aus dem Freimachen und -halten der Atemwege, der Herzdruckmassage und der Beatmung. Die erweiterten Maßnahmen enthalten zusätzlich die Defibrillation, Medikamentengabe sowie die Intubation. Erfolgt die CPR als Ein- Helfer-Methode, kniet der Helfer neben dem Patienten. Bei der Zweit-Helfer- Methode kniet ein Helfer neben dem Kopf (Atemspende), der zweite Helfer kniet neben dem Brustkorb des Patienten (Herzdruckmassage). Zur Herzdruckmassage wird die Mitte des Thorax aufgesucht und mit durchgestreckten Armen vier bis fünf Zentimeter komprimiert (Abbildung 6). Die Herzdruckmassage wird mit einer Frequenz von 100/Min. durchgeführt. Nach 30 Kompressionen erfolgen zwei Atemspenden. Sie können mit einem Beatmungsbeutel (in der Regel nicht verfügbar) oder als Mund-zu-Nase-Beatmung vorgenommen werden. Dabei wird der Unterkiefer mit einer Hand gegen den Oberkiefer gedrückt, damit sich der Mund abdichten lässt, während die andere Hand den Kopf fixiert (Abbildung 7). Der Mund umschließt dann die Nase, und es wird die Atemluft des Helfers eingeblasen. Der Brustkorb sollte sich bei der Beatmung heben und senken.

Die weitere CPR findet im Verhältnis zwei Beatmungen zu 30 Kompressionen statt. Nach zwei Minuten wird der Erfolg der Maßnahmen überprüft. Danach schließt sich ein weiterer Zyklus an. Die Maßnahmen werden solange fortgeführt, bis der Patient Lebenszeichen zeigt, ein geschultes Rettungsteam übernimmt oder im Konsens eine Einstellung der Maßnahmen beschlossen wird.

Als Sonderfall kann im Rahmen einer CPR auf die Beatmung verzichtet werden, wenn keine technischen Hilfsmittel (Beatmungsbeutel, Notfallmasken oder -tücher zum Infektonsschutz) zur Verfügung stehen und hygienische Bedenken bestehen. In diesem Fall wird nur die Herzdruckmassage mit 100/Min. ohne Unterbrechung durchgeführt.

Aufgrund der körperlich anstrengenden CPR sollte, falls möglich, alle zwei Minuten der Komprimierende ausgetauscht werden.
Aktuelle Wiederbelebungsguidelines unter www.erc.edu

Gernot Rücker
Leitender Notarzt
Leiter der Rostocker Simulationsanlage für
Notfallausbildung (RoSaNa)
Intensivstation der Klinik und Poliklinik für
Anästhesiologie und Intensivmedizin der
Universität Rostock
(Direktorin: Prof. Dr. med.
G. Nöldge-Schomburg)
Schillingallee 35, 18055 Rostock

Dr. med. Dr. med. dent. Bassam Saka,
Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische
Gesichtschirurgie der Universität Rostock
Strempelstraße 13, 18055 Rostock

Ablaufschema der Basismaßnahmen einer cardiopulmonalen Reanimation (CPR) in der Zahnarztpraxis

Feststellung der Bewusstlosigkeit
2. Helfer herbeirufen, ggf. Umlagerung auf Boden Überprüfung auf Lebenszeichen durch Sehen, Hören, Fühlen Überstrecken des Kopfes, ggf. Vorziehen des Unterkiefers Notruf 112

Beginn 30 Herzdruckmassagen mit 100/Min., 4-5 cm Tiefe 2x Beatmung
Nach 30 Kompressionen erfolgen 2 Beatmungen Nächster Zyklus 30:2 und so weiter Nach 2 Minuten Kontrolle auf Lebenszeichen



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