sg
01.12.15 / 00:01
Heft 23/2015 Praxis
Legionellen in der Zahnarztpraxis

Vermieter in die Pflicht nehmen!

Was tun, wenn die Trinkwasserversorgung in der Praxis durch Legionellen verunreinigt ist? Dies kann für die Patienten massive gesundheitliche und für Praxisinhaber erhebliche betriebswirtschaftliche Folgen haben. Doch Zahnärzte angemieteter Praxisräume sind nicht wehrlos, wenn der Befall zu Behinderungen des Betriebs geführt hat – wie diesbezügliche Urteile zeigen.



Legionellen in der Wasserversorgung bedeuten für Patienten eine große gesundheitliche Gefahr. F. X. Moreano

Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) legt dem Inhaber der Trinkwasseranlage, das ist in der Regel der Vermieter der Praxisräume, eindeutige Pflichten auf. Er muss dafür sorgen, dass das abgegebene Wasser immer genusstauglich, rein sowie frei von krankheitserregenden Keimen ist. Gemäß § 8 Abs. 1 TrinkwV müssen die festgelegten chemischen und mikrobiologischen Grenzwerte am Austritt derjenigen Zapfstellen eingehalten werden, die der Entnahme von Trinkwasser dienen.

Die S2k-Leitlinie „Zahnärztliche Behandlungseinheiten, hygienische Anforderungen an das Wasser“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) [DGKH, DGZMK, 2014] konkretisiert die Verantwortlichkeiten für die Qualität des Wassers. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass die Verantwortung des Inhabers der häuslichen Trinkwasseranlage bis zur Entnahmestelle, d.h. bis zur Einspeisung des Wassers in die Behandlungseinheit, gegeben ist. Ab Entnahmestelle übernimmt der Praxisinhaber die Verantwortung für die Erhaltung des Betriebswassers, das er bei der Behandlung, für den Betrieb und die Aufbereitung der Medizinprodukte einsetzt.

Eine jährliche Entnahme von Proben, eine Dokumentation zu den Betriebsparametern (Temperaturverhältnisse, tatsächliche Wasserverbräuche) sowie genaue Kenntnisse über den baulichen Zustand der Anlage (Speichervolumen, keine Totstränge) sind für den Vermieter zwingend vorgeschrieben, um ein haftungsbegründendes Fehlverhalten zu vermeiden. Er muss nachweisen, dass er selbst oder ein von ihm beauftragtes Fachunternehmen sich kontinuierlich mit dem Betriebszustand und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Anlagensicherheit befasst (hat). Bei schuldhaften Verstößen gegen die in der Trinkwasserverordnung festgelegten Pflichten drohen dem Vermieter ordnungsrechtliche Bußgelder oder Strafverfahren [Hardt, 2015].



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