spk
16.11.11 / 00:02
Heft 22/2011 Zahnmedizin
Endodontie

Verschlussfähigkeit von provisorischen Füllungsmaterialien in der Endodontie

In dieser Studie sollte sowohl die temporäre Verschlussfähigkeit einer Materialkombination von Ketac und Cavit als auch diejenige der Materialien DuoTemp, Ketac und Cavit untersucht werden.




Um eine Wurzelkanalbehandlung erfolgreich abzuschließen, ist es zwingend notwendig, die Zugangskavität des trepanierten Zahnes zwischen den einzelnen Sitzungen oder bis zur Fertigstellung der Wurzelkanalfüllung dicht zu verschließen. Damit soll eine Rekontamination des Wurzelkanalsystems durch Mikroorganismen vermieden werden. Einige hierfür klinisch häufig verwendete Materialien sind Cavit (3M Espe, Kalziumsulfat-Zinkoxid-Basis), Ketac (3M Espe, Glasionomerzement) und IRM (Dentsply, Zinkoxid-Eugenol-Basis, Polymethylmethacrylatverstärkt). Neu und erst seit Kurzem erhältlich sind sogenannte DuoTemp-Materialien (Coltène/ Whaledent). DuoTemp-Materialien sind dualhärtende Zinkoxid/ Zinksulfat-basierte Materialien. Diese sind eugenolfrei und mit Methacrylaten modifiziert. Zusätzlich enthält DuoTemp Natriumfluorid.

Neben der Fähigkeit, den optimalen Verschluss zu gewährleisten, sollten provisorische Füllungsmaterialien, die im Rahmen der Endodontie eingesetzt werden, folgende Eigenschaften besitzen:

•  Stabilität gegen thermische und mechanische Einflüsse

•  nicht toxisch

•  Die Haftung der später eingesetzten restaurativen Materialien sollte nicht negativ beeinflusst werden.

Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass Ketac im Vergleich zu Cavit mechanisch sehr stabil ist. Cavit weist allerdings deutlich bessere Verschlusseigenschaften auf als Ketac. Weitere Studien untersuchten eine Kombinationstechnik aus Cavit und IRM. Günstige Eigenschaften aus dieser Kombination konnten zwar beobachtet werden. Allerdings enthält IRM Eugenol, dies wirkt sich negativ auf die Haftung später verwendeter Restaurationsmaterialien aus und ist somit nicht empfehlenswert.

Für die hier vorgestellte Studie wurden 100 kariesfreie Molaren aus dem Unterkiefer verwendet. Diese Zähne wurden in vier Versuchsgruppen (n = 20) aufgeteilt. Darüber hinaus wurden zwei Kontrollgruppen (n = 10) gebildet. Die Kronenmindesthöhe der Studienzähne sollte zehn Millimeter betragen. In vestibulo-oraler Richtung sollte die Krone eine Breite von mindestens acht Millimetern haben. In jeden Versuchszahn wurde eine Zugangskavität mit einer Dimension von acht mal fünf Millimetern² präpariert. Bei den Zähnen der ersten Kontrollgruppe wurden Zugangskavitäten präpariert, die nicht provisorisch versorgt wurden. Die Zähne der zweiten Kontrollgruppe blieben unversehrt. Die präparierten Versuchszähne wurden apikalwärts mit Wattepellets ausgelegt. Anschließend wurden die Zähne mit den verwendeten provisorischen Materialien nach Herstellerangaben versorgt. Dabei wurde darauf geachtet, dass eine Mindestschichtstärke von vier Millimetern eingehalten wurde. Nachdem die Zähne gefüllt waren, wurden sie von der Wurzel getrennt. Ein Studienmodel (bestehend aus einem Reagenzglasröhrchen und dem dazugehörigen sterilen Reagenzglaskäppchen) wurde hergestellt. Dabei wurde auf dem sterilen Käppchen die abgesägte Probe mit Methylmethacrylat angebracht. Zusätzlich wurde die Probe mit Cyanoacrylat versiegelt. In das Reagenzglasröhrchen wurde ein Nährboden mit sterilen Pipetten eingefüllt. So präpariert wurde das Model mithilfe von Ethylenoxidgas sterilisiert. Im Versuchsablauf wurden die Proben zweimal täglich dem Bakterium Streptococcus mutans ausgesetzt. Die Proben wurden über die Dauer der Studie bei 37 °C und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert. Ob der Versuchszahn bakteriendurchlässig ist, wurde über die Eintrübung der Nährflüssigkeit im Reagenzglasröhrchen bestimmt. Als positiv durchlässig, somit bakterienundicht, wurden jene Proben bezeichnet, deren Nährböden sich über die Zeit der Studie trüb einfärbten. Dabei wurden nach sieben, 14, 21 und 28 Tagen die Proben auf Trübheit überprüft. Nach sieben Tagen zeigten 14 von 20 Ketac-Proben (70 Prozent) Undichtigkeiten; im Vergleich dazu kam es nur bei sechs von 20 Cavit-Proben zu Undichtigkeiten (30 Prozent). Gleiches konnte für die Verwendung der Kombination aus Ketac und Cavit verzeichnet werden. Duo-Temp schnitt nach sieben Tagen mit nur zwei von 20 undichten Proben am besten ab (10 Prozent). Nach 14 Tagen waren alle Ketac-Proben undicht (100 Prozent). Die Ketac-Cavit-Proben waren nach 14 Tagen zu 80 Prozent undicht. Dies galt ebenfalls für die Cavit- und für die Duo- Temp-Proben (70 Prozent). Nach dem 14. Versuchstag konnte keine weitere Veränderung der Ergebnisse beobachtet werden.

Aus dieser In-vitro-Studie geht hervor, dass keines der getesteten Materialien nach 14 Tagen undurchlässig ist. Über 60 Prozent der Proben zeigten Undichtheiten nach 14, 21 und 28 Tagen. Cavit und DuoTemp schnitten dabei deutlich besser ab als alle anderen verwendeten Materialien.

Zusammenfassend sollte darauf geachtet werden, dass nach beendeter endodontischer Behandlung der Zahn innerhalb kurzer Zeit definitiv versorgt wird; Recall-Intervalle innerhalb der endontischen Behandlung sollten kurz gehalten werden, wenn Materialien zum provisorischen Verschluss keine ausreichende Qualität haben.

Quelle: Hartwell GR, Loucks CA, Reavley BA: Bacterial leakage of provisional restorative materials used in endodontics. Quintessence



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