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16.12.03 / 00:13
Heft 24/2003 Medizin
Sexualmedizin

Viagra & Co. – die Männer lenken den Markt

Patienten mit Erektiler Dysfunktion (ED) prägen nach ihren Erfahrungen mit den nunmehr drei erhältlichen PDE5-Inhibitoren durch ihr „Kaufverhalten“ den Markt. Nur jeder zweite, so er die Wahl hat, bleibt beim Erstling Viagra.



Erektionsstörungen können manch ein schönes Treffen platzen lassen. Immer mehr Männer greifen zur medikamentösen „Hilfe”. Foto: PhotoDisc

Fünf Jahre lang ist Sildenafil bereits als Viagra® erhältlich. Die mehr als 20 Millionen Patienten, die es inzwischen eingenommen haben, prägten erneut eine Weltmarke, ähnlich wie vor über 100 Jahren „Aspirin“. Doch die Herstellerfirma Pfizer, die mit ihren unverständlich überhöhten Preisen über Jahre unbedrängt den Markt beherrschen konnte, hat nach Einführung der Konkurrenten Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®) nicht mehr so viel Freude an ihrem Geburtstagskind.

Ende September führte der niedergelassene Urologe Axel-Jürg Potempa aus München auf dem diesjährigen Deutschen Urologenkongress in Hamburg zum Wechselverhalten der Patienten aus: „70 Prozent meiner Patienten, die Viagra einnehmen, wollen auch die anderen Präparate kennen lernen. Etwa knapp jeder zweite von ihnen bleibt bei der Alternative.“ – Ort dieser Aussage war die Geburtstagspressekonferenz für Viagra ...

Die Levitra-Herstellerfirma Bayer zog mit einer doppelblinden Vergleichsstudie an 86 Männern nach, die in für sie unbekanntem Wechsel die Präparate in der Höchstdosis einnahmen: Wie erste Ergebnisse aus der Urologischen Universitätsklinik zu Köln (Studienleiter Dr. Frank Sommer) ergeben, war Levitra in allen Fragepunkten (Leichtigkeit, eine Erektion zu bekommen sowie Härte und Standfestigkeit derselben) dem Viagra leicht überlegen, Cialis fiel ab. Lediglich bei der Dauer der Wirkung (Normalisierung der ED) hatte Cialis erwartungsgemäß die Nase vorne.

Kommentar

Solche Studien sind allerdings trotz ihrer Verblindung mit einiger Vorsicht zu genießen, da die Objektivität der erhobenen Parameter kaum kontrollierbar ist. So ist zu erwarten, dass alle drei Herstellerfirmen mit der Zeit Studien präsentieren, die ihr Medikament an die Spitze stellen.

Glaubhafter ist hier die oben zitierte Aussage des Urologen Potempa, der bereits mehr als 1 700 Patienten behandelt hat. Sehr aussagekräftig ist bei einem selbstbezahlten Medikament natürlich auch der Markt: Hier dominiert zwar noch Viagra. Es wird aber bedrängt von Cialis, dem mit einigem Abstand Levitra folgt.

Dr. Till U. Keil



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