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16.01.16 / 00:03
Heft 02/2016 Gesellschaft
Tagung „Zahnmedizin und Nationalsozialismus“

Von der Blockade zur fachlichen Aufarbeitung

Die Rolle der Zahnmedizin im Nationalsozialismus ist nur lückenhaft aufgearbeitet. Bis heute gibt es weder eine Überblicksdarstellung der Geschichte noch eine systematische Erfassung der zahnmedizinischen Funktionseliten dieser Zeit. Auf dem Deutschen Zahnärztetag 2015 in Frankfurt/Main beschäftigten sich der Arbeitskreis Ethik sowie der Arbeitskreis Geschichte der Zahnheilkunde der DGZMK mit dem Thema – und trugen die neuen Fakten zusammen.



„Reichszahnärzteführer“ Ernst Stuck 1938 vor deutschen Zahnärzten im Reichstagssitzungssaal in der Krolloper. zm-Archiv

In seinem Beitrag „Zahnmedizin im Dritten Reich. Zum Stand der Aufarbeitung“ zeichnete Dr. Matthis Krischel, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Göttingen, ein Bild der bisherigen Arbeiten zu diesen Themen und ordnete sie kritisch in den Forschungsstand zur Medizin im Nationalsozialismus ein. Er ließ die Literatur seit den 1970er-Jahren Revue passieren und stellte fest, dass die organisierte Zahnärzteschaft lange an einer kritischen Aufarbeitung der Geschichte ihres Berufsstands im „Dritten Reich“ nur bedingt interessiert war – ähnlich wie die Ärzteschaft.

Kritische Aufarbeitung war lange nicht erwünscht

Seit den 1980er-Jahren wurde dem Themenkomplex zuerst durch einzelne Zahnärzte und alternative Verbände mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Seit den 1990er-Jahren werden die Biografien einzelner Zahnmediziner, deren Karrieren im Nationalsozialismus begannen oder befördert wurden, auch kritisch bearbeitet. Ebenso rücken aus dem Beruf gedrängte, in die Emigration gezwungene und ermordete Kollegen mehr in den Blick. Heute finden sich etwa in den zm und in der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift (DZZ) am aktuellen medizinhistorischen Forschungsstand orientierte Beiträge (Beispiele siehe Kasten).

Die drei zahnärztlichen Spitzenorganisationen – Bundeszahnärztekammer, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde – haben im vergangenen Jahr ein Forschungsvorhaben gestartet, um die Geschichte der Zahnheilkunde im Nationalsozialismus wissenschaftlich zu untersuchen.



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