sg
16.02.17 / 00:01
Heft 04/2017 Praxis
Die Haftpflichtversicherung in der Zahnarztpraxis

Wann bin ich wirklich geschützt?

Viele Zahnärzte gehen regelmäßig davon aus, dass sie durch ihre Berufshaftpflichtversicherung bei Fehlbehandlungen vollständig und umfassend versichert sind. Tatsächlich jedoch besteht nicht immer eine (vollständige) Deckung. Dr. jur. Ernst-R. Rohde, Fachanwalt für Medizinrecht, nennt Beispiele aus dem Praxisalltag und gibt Hinweise zum Verhalten im Schadensfall.




Beispielfall 1

Im Zuge einer Wurzelbehandlung ist eine Komplikation mit der Folge eines Zahnverlusts eingetreten. Zwar kann nicht festgestellt werden, dass dem Zahnarzt bei der Wurzelbehandlung ein Behandlungsfehler unterlaufen ist. Gleichwohl haftet der Zahnarzt, weil der Nachweis einer ordnungsgemäßen Risikoaufklärung des Patienten nicht gelingt. Der Schaden des Patienten besteht im Ersatz des verloren gegangenen Zahnes durch eine Brücke oder durch ein Einzelimplantat. Außerdem steht ihm ein angemessenes Schmerzensgeld zu. In diesem Fall ist dem Patienten der Schaden vollständig einschließlich etwaiger Kosten eines wegen des Schadensfalls geführten Haftungsprozess von der Berufshaftpflichtversicherung des Zahnarztes zu ersetzen.

Beispielfall 2

Bei einer zahnärztlich-prothetischen Behandlung gelingt es dem Zahnarzt nicht, dem Patienten einen ordnungsgemäß funktionierenden Zahnersatz einzugliedern. Nach mehreren Korrekturversuchen sucht der Patient einen anderen Zahnarzt auf und lässt die zahnärztlich prothetische Behandlung vollständig wiederholen. Er verlangt vom ursprünglich behandelnden Zahnarzt das bezahlte zahnärztliche Honorar zurück. In diesem Fall muss der Zahnarzt das eingenommene Honorar selbst an den Patienten zurückzahlen. Eine Deckung aus der Haftpflichtversicherung ist wegen des Umfangs des Versicherungsschutzes nicht gegeben, denn es handelt sich um die „Vertragserfüllung“. Die Vertragserfüllung besteht in der Hauptleistungspflicht des Zahnarztes, eine vereinbarte Behandlung sorgfältig und ordnungsgemäß durchzuführen.

• Beispielfall 3

Bei einer zahnärztlich-implantologischen Behandlung ist dem Zahnarzt ein Behandlungsfehler unterlaufen. Ein Implantat muss entfernt und nach der erforderlichen Vorbereitung durch ein neues ersetzt werden. Der Patient hat das Vertrauen in die Behandlung des Zahnarztes verloren und verlangt als Schadensersatz die Kosten der erforderlichen Vorbehandlung, die Kosten der Wiederholung der zahnärztlich-implantologischen Behandlung sowie ein Schmerzensgeld. In diesem Fall ist zu differenzieren zwischen von der Haftpflichtversicherung gedeckten und ungedeckten Anteilen an der Schadensersatzforderung des Patienten. Bei der Entfernung des fehlplazierten Implantats und den Kosten der Nachimplantation handelt es sich um die Vertragserfüllung beziehungsweise um das Erfüllungssurrogat. Die Kosten dieses Anteils an der Schadensersatzforderung des Patienten sind von der Haftpflichtversicherung nicht gedeckt und müssen vom Zahnarzt getragen werden. Hat er für seine zahnärztlich-implantologische Behandlung noch kein Honorar eingenommen, so muss er dieses Honorar auch nicht zurückzahlen. Die Kosten der Entfernung des Implantats muss er selbst bezahlen. Die erforderliche Vorbehandlung sowie die Schmerzensgeldforderung des Patienten dagegen wären von der Haftpflichtversicherung gedeckt und müssten dem Zahnarzt ersetzt werden.



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