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01.04.17 / 00:06
Heft 07/2017 Zahnmedizin
DMS V im Fokus: Entwicklung der häuslichen Mundhygiene

Was bei Patienten funktioniert

Bald wird es sowohl aus der Zahnerhaltung als auch aus der Parodontologie je eine Leitlinie zur Prävention der Haupterkrankungen der Zahnmedizin im häuslichen Setting geben. Die DMS V zeigt schon jetzt, welche Maßnahmen bei Patienten wirklich funktionieren.



Abbildung 1: Positive Entwicklungen bei der häuslichen Mundhygiene bei jüngeren Erwachsenen (35- bis 44-Jährige) und jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige) von 1997 bis 2014: Die Benutzung von Zahnseide, Zahnzwischenraumbürsten, Mundspüllösungen und elektrischen Zahnbürsten ist gestiegen. Quelle: IDZ

Im Juni 2016 veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) die erste Leitlinie zur Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen. Als Basisprophylaxe soll Zahnpflege mindestens zweimal täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta erfolgen, sodass eine möglichst vollständige Entfernung des Biofilms resultiert. Lassen sich Speisereste und Biofilm mit alleinigem Zähneputzen nicht ausreichend beseitigen, sollen zusätzlich Hilfsmittel zur Approximalraumhygiene verwendet werden. Insbesondere Patienten mit erhöhtem Kariesrisiko wird die Teilnahme an strukturierten Prophylaxeprogrammen empfohlen [Geurtsen et al., 2016].

Desgleichen hat die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) für dieses Jahr zwei Leitlinien zum chemischen Biofilmmanagement respektive zur mechanischen Biofilmkontrolle in der Prävention und Therapie parodontaler Erkrankungen angekündigt. Die Ergebnisse sind noch nicht bekannt. Daher darf man hilfsweise in den Leitfaden der Europäischen Föderation für Parodontologie (EFP) für die wirksame Prävention von Parodontalerkrankungen schauen [EFP, 2015].

Die beiden Empfehlungen sind nur bedingt deckungsgleich, was aus Sicht einer strikten Fächertrennung nicht überrascht. Angewendet werden sollen Leitlinien jedoch in der Praxis und hier auch von Patienten. In diesem Anwendungssetting erscheinen unterschiedliche Empfehlungen zur häuslichen Mundhygiene wenig hilfreich, gleichgerichtete Botschaften wären wünschenswert.

Interdentalraumbürsten versus Kaugummis

So wird in der Parodontologie die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume als entscheidende Maßnahme der Zahnpflege angesehen – in der Kariologie nicht. Dort kommen stattdessen Kaugummis zur Stimulation des Speichelflusses auf die Agenda – in der Parodontologie wiederum nicht. Dies dürften nicht die einzigen Unterschiede sein. Man darf gespannt sein, wie der niedergelassene Zahnarzt und die Patienten mit den konkurrierenden Leitlinien umgehen werden.

Leitlinienempfehlungen werden in der Regel aus hochwertigen (klinischen) Studien abgeleitet. Die Versorgungsforschung zeigt, dass sich diese Ergebnisse nicht unbedingt auf den (Versorgungs-)Alltag übertragen lassen.

Daher lohnt der Blick in die DMS V, die zeigt, welche Mundhygienemaßnahmen auf Bevölkerungsebene, also jenseits eines klinischen Studiensettings, funktionieren.



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