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16.10.13 / 00:01
Heft 20/2013 Fachforum
Endodontologie

Wechselwirkungen zwischen den Wurzelkanalspüllösungen

Für eine bestmögliche chemo-mechanische Aufbereitung des Wurzelkanalsystems kommen während der Wurzelkanalbehandlung verschiedene Spüllösungen zum Einsatz. Bei deren zeitgleicher Anwendung können jedoch antagonistische Wechselwirkungen auftreten, die nicht selten zu störenden Präzipitat-bildungen oder Wirkungseinschränkungen der einzelnen Spüllösungen führen.




Was sollte beim Kombinieren der Wurzelkanalspülungen beachtet werden, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden? Zu dieser Thematik erschien vor kurzer Zeit eine Übersichtsarbeit im Journal of Endodontics. Die Arbeitsgruppe um Rossi-Fedele et al. [2012] präsentierte in dieser die Ergebnisse einer Literaturrecherche von Publikationen zu Wechselwirkungen zwischen Natriumhypochlorit (NaOCl), Chlorhexidin (CHX), Ethylen- diamintetraessigsäure (EDTA) und der Zitronensäure (CA), die bis Juni 2011 veröffentlicht wurden.

Bei der zeitgleichen Anwendung von NaOCl (0,5 bis 5,25 Prozent) und EDTA (17 Prozent) beziehungsweise CA (10 Prozent) verringern sich sowohl der Anteil des freien Chlors als auch der pH-Wert der NaOCl-Lösung, wodurch die Auflösung von organischem Gewebe enorm eingeschränkt wird. Umgekehrt ist aber keine Reduzierung der chelatierenden Wirkung des EDTA und der CA in der Behandlungszeit zu erwarten. Auch werden die antimikrobiellen Eigenschaften des Natriumhypochlorits nur dann negativ beeinflusst, wenn seine Konzentration sehr niedrig ist (0,005 Prozent) [Zehnder et al., 2005]. Zur Entfernung der Chelatoren aus den Wurzelkanälen wird in der Literatur ein ausgiebiges Spülen mit Natriumhypochlorit vorgeschlagen. Alternativ könnte auch die Trocknung der Kanäle vor dem Einbringen der nächsten Spüllösung Abhilfe schaffen.

Beim direkten Kontakt zwischen CHX und NaOCl kommt es zur Ausfällung eines orange-braunen Präzipitats (Abbildung 1), das das Wurzelkanalsystem verunreinigt und somit die Wurzelkanal- behandlung erschwert. Dieses kann auch zur Herabsetzung der Dentinpermeabilität im apikalen Wurzeldrittel führen. Darüber hinaus besteht ein Verfärbungsrisiko des behandelten Zahnes. Ob das Präzipitat Parachlor- anilin (PCA) enthält, das beim Menschen ein toxisches und kanzerogenes Potenzial besitzt, wird zurzeit kontrovers diskutiert [Basrani et al., 2007; Prado et al., 2013]. Vor diesem Hintergrund empfehlen die Autoren eine Zwischenspülung. Hier stellt vermutlich reiner Alkohol die einzige Möglichkeit dar, die Präzipitation vollständig zu vermeiden.

Kochsalzlösung und Wasser sind in der Literatur unter anderem auch vorgeschlagen worden, zeigen jedoch ein vergleichs- weise schlechteres Ergebnis. Alkohol (95 Prozent ) weist zwar keine ausreichende antimikrobielle Wirksamkeit auf, wird aber zur Trocknung des Wurzelkanals in der Endodontie bereits eingesetzt.

Die unmittelbare Anwendung von CHX vor oder nach der Spülung mit EDTA führt zur Bildung eines milchigen Präzipitats (Abbildung 2), das zu über 90 Prozent aus einem EDTA- oder CHX-Salz besteht [Prado et al., 2013]. Dieses entsteht vermutlich durch die Neutralisation des kationischen CHX durch das anionische EDTA. Zwischen der Zitronensäure und CHX kommt es hingegen zu keiner Wechselwirkung, so dass diese zeitgleich mit CHX angewendet werden kann.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass beim Kombinieren von Spüllösungen unerwünschte Wechselwirkungen zwischen den Spüllösungen mit jeweils unterschiedlichen Auswirkungen auf die endodontische Behandlung auftreten können. Durch die vorgestellte Maßnahmen sollten diese vermieden beziehungsweise reduziert werden.

Dr. med. dent. Wladimir Eirich
Charité-Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin
Wladimir.Eirich@charite.de



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