zm-online
01.12.16 / 00:02
Heft 23/2016 Praxis
Volker Looman zu Vermögensreduktion durch Gebühren

Weihnachtsgeschenke für die Bank



Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Er veröffentlicht jede Woche in der BILD und in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. www.looman.de

In wenigen Wochen ist wieder Weihnachten. Folglich wird es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wen Sie in Kürze womit beglücken werden. Darf ich Sie bitten, in diesem Jahr auch mal an Ihre liebe Hausbank zu denken? Mir schweben freilich keine gehäkelten Topflappen aus heimischer Produktion vor. Ich denke eher an Ihr gutes Geld und wenn ich mit meiner Vermutung richtig liege, dass Sie einen tüchtigen Verwalter brauchen, hätte ich da einen Vorschlag für Sie, der jedes Bankerherz in freudige Erregung versetzen wird.

Nehmen wir einfach mal an, dass bei dem einen oder anderen von Ihnen eine Million herumliegt. Warum eine Million? Ist einfacher zu rechnen und die Dimensionen, die die Gebühren für den Erfolg Ihres Investments ausmachen, werden deutlich. Sollten es lediglich 250.000 Euro sein brauchen Sie sich nicht verschämt in die Ecke zu stellen, dann vierteln Sie die folgenden Werte. (Ich empfehle Ihnen auf jeden Fall, das Geld in Aktien anzulegen – das rate ich Ihnen, weil Sie sich ja doch nicht trauen, Männer vom Fach mit der Verwaltung Ihres Vermögens zu beauftragen.)

Sie jedenfalls geben der Bank den Auftrag, für Sie ein individuelles Depot einzurichten. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob Sie maßgeschneiderte Ware erhalten werden, doch über diese Zweifel sollten wir erhaben sein. Viel wichtiger ist das Gefühl, dass Sie den Eindruck haben, erstklassig abgefertigt zu werden. Dafür bezahlen Sie jährlich 1 Prozent. Das sind 10.000 Euro pro Jahr, aber Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, das Geld in kleinen Scheinen bezahlen zu müssen. Die Gebühren werden in bequemen Raten abgebucht, so dass Sie weder Hautausschläge noch Kopfschmerzen befürchten müssen.

Darf ich Sie trotzdem bitten, zum Taschenrechner zu greifen und den Endwert dieses Vorschlages zu berechnen? Bitte tippen Sie: 1.000.000 Euro mal 1,05 – das ist die erhoffte Rendite von 6 Prozent minus der sicheren Verwaltungsgebühr von 1 Prozent – hoch 10. Bei sachgerechter Bedienung des Gerätes werden in der Anzeige exakt 1.628.895 Euro erscheinen. Bevor Sie ins Grübeln kommen, ob sich das lohnt, empfehle ich die stille Einkehr. Das ist erstens ein Gebot vorweihnachtlicher Nächstenliebe und zweitens sollten Sie darauf vertrauen, dass die Bank die Million besser anlegt als Sie. Die meisten Vermögensverwalter haben allerdings, soviel Aufklärung bin ich Ihnen schuldig, im letzten Jahrzehnt miserabel gewirtschaftet. In Nordamerika schafften lediglich 2 Prozent der Vermögensverwalter, den S&P-500-Index zu schlagen, und in Deutschland lagen 83 Prozent aller Verwalter unter dem Dax 30.

Die nächste Stufe der „Vermögensreduktion“ ist der Einstieg in Investmentfonds. Sie geben der Hausbank eine Million und die Hausbank leitet das Kapital an ihre Kapitalanlagegesellschaft weiter. Die Weiterreichung ist mit einer Dotation verbunden. Üblich sind 5 Prozent, doch als langjähriger Genosse und verdienter Kunde des Hauses werden Sie bestimmt einen Rabatt von 50 Prozent erhalten. Folglich werden Sie nicht um 50.000 Euro, sondern um lediglich 25.000 Euro erleichtert. Die laufende Verwaltung kostet 1,5 Prozent pro Jahr. Das sind Beträge von 15.000 Euro pro Jahr, und von diesem Geld bekommt die Hausbank in der Regel ein Drittel ab. Die Kick-Backs oder Retrozessionen sind zwar heftigst umstritten, doch die Bank wird Ihnen zu ewigem Dank verpflichtet sein, falls sie das Geld behalten darf. Wenn Sie wissen wollen, wie sich das für Sie auswirkt, müssen Sie wieder den Taschenrechner bemühen: 975.000 Euro mal 1,045 hoch 10 führen zu einem Endwert von 1.514.000 Euro. Würden Sie das kleine Minus von 114.895 Euro bitte am Ende dieses Artikels handschriftlich quittieren? Sie wissen doch, dass die Aktennotiz die Rache des kleinen Mannes ist und ich möchte mich in der Adventszeit nicht dem Vorwurf aussetzen, Sie nicht „umfassend“ informiert zu haben.
Wir sind gleich am Ende, liebe Leser. Das schönste Geschenk für den Banker Ihres Vertrauens ist der Dachfonds. Sie schicken der Bank das Geld und das Institut wählt Investmentfonds aus. So fallen jedes Jahr zwei Gebühren an, hier 1 Prozent für die Bank, dort 1,5 Prozent in den Investmentfonds. Darf ich Sie ein letztes Mal bitten, sich zum Taschenrechner bemühen zu wollen? Jetzt wird umgekehrt gerechnet: 1.628.895 Euro geteilt durch 1,085 hoch 10. Da kommen abgerundet 720.000 Euro heraus.

So viel Geld müssten Sie anlegen, um auf den Endwert des ersten Modells zu kommen. Weil aber eine Million angelegt wird, schenken Sie der Hausbank und ihren Verwandten einmalig 280.000 Euro. Ich weiß nicht, ob Sie an ein Weihnachtsgeschenk in dieser Größenordnung gedacht haben. Mir kommt das ein bisschen üppig vor, aber wenn Sie meinen, das sei in Ordnung, will ich das nicht weiter kommentieren. Sie dürfen Ihr gutes Geld nach freiem Ermessen vers(ch)enken. Halt! Eine Sache habe ich noch. Wenn Sie das in den nächsten Tagen machen, dann sollten Sie bei der Weihnachtsfeier Ihrer Hausbank wenigstens am „Ehrentisch der edlen Ritter und Spender“ sitzen, um den teuersten Whiskey Ihres Lebens genießen zu dürfen! Sie wissen ja: Wenn schon Untergang, dann aber mit Pauken und Trompeten!

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.



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