zm-online
01.04.02 / 00:15
Heft 07/2002 Zahnmedizin
Transplantation von Backenzähnen

Wenn Weisheitszähne zum Sechser werden

Die Transplantation der Weisheitszähne auf Position Sechs stellt ein wunderbares Verfahren dar, um nicht erhaltungswürdige oder apikal auffällige Sechs-Jahr-Molaren durch eigene gesunde Zahnsubstanz zu ersetzen. Nach Einheilung und Stabilisierung können Patienten den transplantierten Zahn voll belasten. Das Verfahren stellt somit eine Alternative zur Implantat- oder Brückenversorgung dar.




Alter des Patienten

Die Patienten sollten zwischen 18 und 22 Jahre alt sein. Die für eine Reanastomosierung der Pulpa notwendige Bedingung stellt ein weites Foramen apikale dar. Ein Eingriff zu einem früheren Zeitpunkt (Keimtransplantation) ist wegen der Entnahme des Keimes, die oftmals nicht atraumatisch gelingt, problematisch. Außerdem kommt es eher zu Complianceproblemen.

Die Extraktion

Die Vorgehensweise erfolgt einzeitig, das heißt, die Entfernung des Sechs-Jahr-Molaren und die Transplantation finden in einer Sitzung statt. Bei der Entfernung des Sechs-Jahr-Molaren ist unbedingt auf die Erhaltung der lingualen und vestibulären Kompakta zu achten, um ein sicheres Zahnfach zu erhalten.

Anschließend erfolgt die Entfernung des interradikulären Septums mit Hilfe der Knochenfräse. Die Osteotomie des Weisheitszahnes sollte unbedingt unter vorsichtigem Abtragen der umgebenden Knochenstruktur ohne Verletzung des Wurzelzementes durchgeführt werden.

Die oftmals gestellte Frage, wozu das Zahnsäckchen dienlich ist, findet hier die lange ersehnte Antwort:

In der primären Phase beschleunigt das vorhandene Zahnsäckchen die Einheilung und somit auch die Bildung eines dento-alveolären Verschlusses. Als Konsequenz bedeutet dieses, stets das Zahnsäckchen mittransplantieren! Ein intakter dento-alveolärer Verschluss ist wichtig für eine störungsfreie knöcherne Konsolidierung als zweite Einheilungsphase.

Die Transplantation

Die eigentliche Transplantation erfolgt unter Kontrolle der Okklusionsebene. Ein Nichterreichen der Okklusionsebene kann hervorgerufen sein durch:

1. ein zu enges oder zu kurzes Zahnfach

Erweiterungen desselben erfolgen nach Zurücksetzen des Weisheitszahnes in seine Heimatalveole, damit keine Austrocknungen der apikalen Region oder des Faserapparates auftreten können.

2. ein zu starker Approximalkontakt

In Ausnahmefällen besitzt der Weisheitszahn eine Übergröße im Bereich der anatomischen Zahnkrone. Bei großer Diskrepanz des unteren Weisheitszahnes gegenüber der vorhandenen Lücke kann ein oberer Weisheitszahn als „Lückenfüller” dienen. Die Fixation erfolgt durch eine vorher angefertigte Tiefziehschiene, welche im koronalen Bereich etwas ausgeblockt wurde. Die Schiene soll einerseits den Zahn gegen Kaukräfte absichern und andererseits eine reibungslose Bildung des dento-alveolären Verschlusses gewährleisten.

Besonderheiten im Oberkiefer

Durch die dünnere vestibuläre Kompakta im Oberkiefer besteht hier eher die Gefahr der Fraktur bei der Luxation des Sechs-Jahr-Molaren. Sequestrierung mit anschließender Rezessionsbildung ist durch eine gefühlvolle Extraktion vermeidbar.

Nachsorge ist äußerst wichtig

Nach durchgeführter Operation hängt der Behandlungserfolg von einer konsequenten Nachsorge ab. Bis zum Entfernen der Fäden sollte eine tägliche Kontrolle erfolgen. Gegebenenfalls vorsichtiges Reinigen mit dem Luft-Wasser-Spray sowie Reinigung der Schiene. Nach Fädenentfernung und Hygieneinstruktion (Chlorhexidin-Spülungen, Einsatz der elektrischen Zahnbürste im betroffenen Quadranten ausschließlich auf den Kauflächen) erfolgen wöchentliche Kontrollen, bis es zu einer knöchernen Konsolidierung und hiermit zu einer deutlichen Festigung des Zahnes gekommen ist. Dieser Zustand stellt sich etwa sechs Wochen post operationem ein. Allmählich kann mit einer normalen Kaubelastung begonnen werden. Der einwandfreie Verlauf wird nach etwa drei Monaten mit einem positiven Vitalitätstest (!) belohnt.

Dr. Hans-Werner Bertelsen
Parkstrasse 4
28209 Bremen



Mehr zum Thema


Anzeige