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16.11.10 / 00:15
Heft 22/2010 Titel
Fortbildungsteil 2/2010

Wenn der Atem übel riecht

Seit Jahrhunderten ist das Problem bekannt – etwa ein Viertel aller Europäer riechen unangenehm aus dem Mund. Sie und ihre Umwelt leiden darunter. Während im Mittelalter Zahnreißer dann den Eiterherd entfernt haben oder aromatisierende Tinkturen den Foetor ex ore übertünchen sollten, gibt es heute einen Arbeitskreis Halitosis in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der sich mit den wissenschaftlichen Fakten – wie Ursachen, Diagnostik und Therapie – dieses für den Patienten doch recht relevanten Problems beschäftigen. Fünf namhafte Wissenschaftler bringen hier interdisziplinär Wissenswertes zum Thema.



Foto: Mauritius Images

So führt PD Dr. Michael M. Bornstein, Bern, in das Thema ein und stellt die Ätiologie und Epidemiologie der Halitosis vor. Er unterscheidet bei der echten Halitosis zur weiteren Differenzierung zwischen physiologischer und pathologischer Halitosis und zwischen einer möglichen extrabeziehungsweise intraoralen Geruchsquelle. Daten aus Mundgeruchssprechstunden zeigen, so der Autor, dass die Ursache einer Halitosis bei bis zu 90 Prozent der Patienten intraoral zu finden ist, dagegen eher selten im HNO- oder Magen-Darm-Bereich.

Für die Entstehung der intraoralen Halitosis nehmen die sogenannten volatile sulphur compounds (VSC, flüchtige Schwefelverbindungen) eine Schlüsselrolle ein, die drei wichtigsten Vertreter dieser VSC sind Schwefelwasserstoff, Methylmerkaptan und Dimethylsulfid.

PD Dr. Rainer Seemann und Mitarbeiter stellen moderne Methoden der Diagnostik vor und diskutieren einige apparative Verfahren zum Teil kritisch. Sie zeigen dem Leser auf, wie auch in der Durchschnittspraxis ein Halitosispatient umfassend untersucht werden sollte und auf welche Parameter es besonders ankommt. Auch der Behandler spielt dabei eine wesentliche Rolle, sie gehen auch auf das zwischenmenschliche Verhältnis bei diesem Tabuthema ein.

Mit speziellen Methoden der Therapie von Mundgeruchspatienten beschäftigt sich ZA Paco Weiss, Basel, in seinem Beitrag. Der Zahnarzt ist dafür verantwortlich, kariöse, parodontale und prothetische Verhältnisse in ein Optimum zu überführen, der Patient muss mit zahn- und zungenpflegerischen Maßnahmen unterstützend tätig werden. Weiss empfiehlt seinen Halitosis-patienten, zwei bis drei Mal pro Tag die Zunge mit der Zungenbürste von Belag und damit Bakterien zu befreien, antimikrobielle Ingredienzien sollen dabei unterstützend eingesetzt werden.

Wenn eine Ursache für den schlechten Atem im Oralraum nicht auszumachen ist, dann ist das Konsil gefragt. Als nächstes sollte der Hals-Nasen-Ohren-Arzt um Rat gefragt werden. Prof. Dr. Oliver Kaschke, Berlin, stellt mögliche geruchsbildende Ursachen im Halsund Rachenraum sowie den der Mundhöhle angeschlossenen Höhlen vor und geht auf die Ursache als Begleitsymptomatik von Allgemeinerkrankungen ein. Er appelliert, immer auch die Vielfalt extraoraler Ursachen zu bedenken.

Nicht jeder, der meint, er leide an Mundgeruch, hat wirklich einen foetor ex ore. Prof. Dr. Andreas Filippi, Basel, stellt die Halitophobie vor, diskutiert ihre Merkmale wie Zwang und Wahn und gibt dem Praktiker Tipps an die Hand, den Patienten gezielt zu diagnostizieren. Er legt großen Wert auf die Wichtigkeit der Kommunikation mit diesen Patienten. Nicht selten ist bei Halitophobikern letztendlich doch die Überweisung an einen Psychotherapeuten erforderlich.  

Verantwortlich für den Fortbildungsleil:

Prof. Dr. Elmar Hellwig
Prof. Dr. Detlef Heidemann
Susanne Priehn-Küpper



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