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16.02.06 / 00:11
Heft 04/2006 Politik
53. Winterfortbildung in Braunlage

Wenn die Fortbildung im Schnee versinkt

Schon weit über ein halbes Jahrhundert reisen Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie ihr Personal aus Niedersachsen und den angrenzenden Bundesländern in das Schneeparadies Braunlage im Harz, um dort Neues aus der Wissenschaft zu erlernen, Bekanntes zu trainieren und den Kollegenkontakt zu pflegen.




„Denn nichts ist derzeit wichtiger, als Innovationen in den Praxisalltag zu tragen, um dem Patienten noch mehr noch bessere Leistungen anbieten zu können“, hob der neu amtierende Kammerpräsident Dr. Michael Sereny in seinen Begrüßungsworten hervor. Wie derzeit bundesweit bereits vielerorts diskutiert, so zeigten auch die Niedersachsen deutlich ihren Unmut an den neuen Regierungsbeschlüssen und erwarten mit „Kampfesgeist“ angekündigte Reformmaßnahmen im Gesundheitswesen. Sereny sieht als Nahziel, dass sich der Berufsstand wappnet für alle fachlichen Begebenheiten, so dass flächendeckend ein gehobenes Fachwissen „an den Patienten gebracht“ werden kann. Denn nur von zufriedenen Patienten kommt, so der Kammerpräsident, das, was den Kassenzahnarzt noch „aufrecht gehen“ lässt. So formulierte er deutlich: ...„ohne die tägliche Anerkennung unserer Patienten wäre unser Beruf heute unerträglich!“

Professor Dr. Bernd Raffelhüschen, Freiburg und Bergen, diskutierte in seinem Festvortrag die „Generationengerechtigkeit in der Medizin“. Er erläuterte das für naturwissenschaftlich- medizinisch ausgebildete Zahnärzte äußerst komplexe Thema aus der Sicht des Ökonomiewissenschaftlers in gut verständlicher Weise. Er erläuterte, warum die Gesundheit dringend rationalisiert werden muss, und zwar entweder durch den Markt oder durch den Staat, wie er sich ausdrückte.

Raffelhüschen forderte als einzigen Ausweg aus dem jahrzehntelang übersehenen Generationenmissverhältnis den freien Wettkampf der Krankenhäuser mit Spezialisierungstendenzen. Ebenso sei die Kostenerstattung der einzige langfristige Weg aus der verfahrenen Misere.

Sein dritter Punkt und Appell an die Teilnehmer der Fortbildungsveranstaltung: „Treten Sie aus der GKV aus!“. Nur die vollständige Ausgliederung aller zahnärztlichen Leistungen – in Stufenprozessen – wäre eine Lösung, die Generationengerechtigkeit im kleinen Bereich – nämlich dem zahnärztlichen – wieder herzustellen.

Dr. Sereny nahm diesen Appell dankend auf und sicherte allen Kollegen, die sich entschließen, diesen Weg zu gehen, die Unterstützung der Kammer Niedersachsen zu.

Das wissenschaftliche Programm, das Prof. Dr. Thomas Attin, Göttingen / ab 03/06 Zürich, rund um das Thema „Neues und Bewährtes in Prothetik und Zahnerhaltung“ zusammengestellt hatte, war so praxisnah ausgewählt und mit interessanten Referenten bestückt (mehr darüber unter Nachrichten Seite 20), dass kaum ein Teilnehmer seinen Hörsaalstuhl mit den Brettern vertauscht hat – trotz optimaler Schnee- aber suboptimaler Sichtbedingungen versteht sich.

Kein „Gesundheit“ beim Niesen

Das Programm für das Praxispersonal, das in großem Umfang angereist war, war speziell auf den Umgang mit den Patienten abgestellt. So steckte Prof. Dr. Andrej Kielbassa, Berlin noch einmal die Grenzen ab, in denen sich die Prophylaxeassistentin beim Thema „Rund ums Bleaching“ am Patienten bewegt.

Helfe ich der jungen Patientin in den Mantel?, sagt man einem niesenden Patienten „Gesundheit“?, steht die Dame noch auf, reicht man noch die Hand und vieles mehr im Seminar von Jürgen Hallwass, gaben den Mitarbeiterinnen den „letzten Schliff“, um aus der Praxis ein ansprechendes, gerne kontaktiertes und letztendlich erfolgreiches Marketingunternehmen zu machen.



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