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16.02.06 / 00:15
Heft 04/2006 Titel
Zähne und Psyche

Wenn die Seele knirscht

Stress im Job, Frust wegen der Figur oder Trouble in der Partnerschaft – „Zähne zusammenbeißen und durch“, lautet heute wortwörtlich die Devise. Vielen von uns geht der Ärger auf die Psyche: Einige kauen das Problem auch nachts noch durch und schädigen damit Zähne und Kiefer. Andere klagen über unerklärbare Schmerzen oder finden sich unattraktiv. Eine rein zahnmedizinische Therapie ist keine Lösung – erst die ganzheitliche Behandlung bringt Körper und Seele wieder ins Lot.




Zähne und Seelenkummer – ist das überhaupt ein Thema, das Zahnärzte in der Praxis interessiert? Die Antwort ist eindeutig: Ja. Grob geschätzt leidet etwa ein Viertel von uns an psychischen Störungen, genauso viele Menschen knirschen mit den Zähnen. Gut zehn Prozent der Bevölkerung sind depressiv, der Anteil an Angststörungen ist ebenso hoch.

Dass sich seelische Störungen oftmals auch mittels körperlicher Symptome äußern, ist bekannt. Warum aber nehmen Mund, Zähne und Kiefer dabei eine so zentrale Rolle ein?

Sensibles Nervennetz

Ohne gesunde Kauwerkzeuge ist natürlich jedes Lebewesen stark beeinträchtigt. Neben der rein physiologischen besitzt der Mund noch eine wichtige psychologische Funktion: Er beschreibt die Mitte des Kopfes und damit das menschliche Zentrum schlechthin. Eine Vielzahl von Nerven durchzieht Lippen, Mundschleimhaut, Kaumuskeln, Zunge, Rachen und Schlund und macht diese extrem empfindlich gegenüber allem, was stört und nicht funktioniert – egal, ob durch organische Verletzungen oder seelische.

Nicht nur die inneren Strukturen weisen Mund und Gebiss einen prominenten Platz zu. Wie unser Gegenüber gelaunt ist, erkennen wir am Gesichtsausdruck, speziell an der Mimik rund um den Mund. Lacht uns jemand an, ist er uns wohl gesonnen. Zeigt er uns die Zähne, wissen wir: Gefahr ist in Verzug.

Der Mund ist außerdem die erste Körperzone, über die wir zwischenmenschliche Beziehungen knüpfen. Schon das Baby saugt an der mütterlichen Brust, nimmt alles in den Mund und später mittels Sprache Kontakt zu seiner Umwelt auf. Wir essen, kauen, beißen, schmecken, lachen, drohen, schmollen, küssen, spucken. Jede dieser Ausdrucksformen ist direkt gekoppelt an endokrine, vegetative Prozesse. Und, was im Zusammenspiel von Zahnschmerz und Seelenpein viel wichtiger erscheint: an die Gemütslage, also an unsere Stimmung.

Zähne, Mund und Kiefer sind deshalb extrem häufig in Mitleidenschaft gezogen, wenn Betroffene über Ärger klagen oder in einer Krise stecken. Einleuchtend, aber trotzdem kompliziert. Den meisten Patienten ist nämlich gar nicht klar, dass ihrer Qual kein körperliches Leiden zugrunde liegt, sondern ein unverarbeiteter seelischer Konflikt.

Blick hinter die Fassade

Natürlich verbirgt sich nicht hinter jedem Kieferschmerz automatisch ein psychisches Dilemma – in den meisten Fällen führt erfahrungsgemäß die rein zahnmedizinische Therapie zum Erfolg. Dennoch lassen bestimmte Krankheitsbilder einen psychosozialen Hintergrund vermuten. Allein Dauerstress beeinflusst die Mundgesundheit negativ: Parodontitis heilt unter Druck erwiesenermaßen schlechter. Umgekehrt können Patienten in tiefe Depressionen stürzen, weil sie glauben, sie seien nach der OP entstellt oder weil eine schwere Zahnkrankheit an ihnen nagt.

Durchweg ist es besser, der Zahnarzt forscht nach und berücksichtigt die Lebenslage des Patienten. Wer eine optimale Diagnose wie Therapie anstrebt, wirft einen Blick hinter die Fassade. Dazu gehört auch, dass der Behandler sich mit Psychologen, und Psychotherapeuten kurzschließt.

Als erstes gilt freilich, diejenigen mit psychosomatischen Beschwerden auszumachen. Wann erzählen Zähne Geschichten von der Seele? Drei Beispiele.

Sie steht damit nicht allein. Viele verarbeiten den Druck auch nachts, indem sie ihre Probleme nochmals durchkauen und mit den Zähnen knirschen. Der Zahnarzt sieht es auf den ersten Blick: abgeriebene Kauflächen, die aussehen wie poliert, das Dentin scheint durch oder liegt frei. Beißt man richtig fest zu, liegt auf dem Seitenzahnbereich ein Druck von bis zu 400 Kilogramm pro Quadratzentimeter – normal sind 40 Kilogramm. Diese Last bleibt nicht ohne Folgen: Die Zahnwurzeln im Kiefer werden extrem belastet und drücken auf den Knochen, die ganze Kaumuskulatur verspannt und verhärtet sich. Extrem schädlich wirkt sich die Schiebebewegung auf die Frontzähne aus: Der Schmelz wird abradiert, in Extremfällen bis zur Pulpa. In dem Zusammenhang erhalten Kiefergelenks- und Muskelfehlfunktionen (CMD, Cranio Mandibular Disorder) einen hohen Stellenwert. Sie führt man ebenso oft auf psychische Probleme zurück.

Zweigleisig fahren

Egal, was der Zahnarzt auf den ersten Blick vermutet – er fährt erstmal zweigleisig. Das heißt, im ersten Schritt werden Mundraum, Zähne und Kiefer untersucht. Schließt die Kontrolle zahnmedizinisch bedingte Schädigungen aus, sind die Zahnprobleme Folge, nicht Ursache der seelischen Verspannung. Hilfe bringt jetzt die Psychotherapie, weil sie der Sache auf den Grund geht statt an den Symptomen herumzudoktern.

Bis zu einem gewissen Grad ist die Angst vorm Zahnarzt durchaus normal. Fast zwei Drittel aller Patienten geben an, sie fühlen sich beim Zahnarzt verschüchtert und verschreckt. Problematisch wird die Angst jedoch, wenn sie sich zu einer regelrechten Phobie entwickelt und der Patient den Gang zum Zahnarzt aufschiebt oder gar umgeht. Die amerikanische psychiatrische Gesellschaft erklärt, Angst wird zu einer Krankheit, wenn

• sie unangemessen stark ist
• sie zu häufig und zu lange auftritt
• man die Kontrolle verliert
• man Angstsituationen vermeiden muss
• der Patient stark unter der Angst leidet

Nicht wenige Menschen kommen nur im Notfall oder gar nicht in die Praxis. Der Zahnarzt wird gescheut, obwohl die Betroffenen wissen, dass sie sich mit dem Vermeidungsverhalten nur noch größere Schmerzen einhandeln. Die, die sich überwinden, weil ihnen der Befund große Sorge macht, gehen schon verkrampft dorthin – in der Erwartung, dass die Behandlung weh tun wird. Die Folgen sind dramatisch: tief zerstörte Zähne, infiziertes Zahnbett, Zahnausfall.

Das Hasenherz an die Hand nehmen

Wovor der Patient sich fürchtet, ist unterschiedlich und reicht von der Spritze über Schmerzen bis hin zum Behandler. Die Angst des einen ist also nicht unbedingt mit der des anderen vergleichbar. Möglicherweise steckt ein Trauma dahinter, also ein schlimmes Erlebnis bei einem Zahnarztbesuch in der Vergangenheit. Möglicherweise führten Horrorstories seitens Dritter zu der Ängstlichkeit. Was also tun gegen das Hasenherz? Viele Behandler setzen immer noch auf die Vollnarkose – scheint sie doch der einfachste Weg, um überhaupt zu therapieren. Ebenso werden Medikamente verordnet, um Schmerz und Angst zu reduzieren. Mit diesen Methoden wird die Behandlung zwar ermöglicht – das Grauen vor dem Zahnarzt aber bleibt.

Eine Zahntherapie verläuft aber dann am besten, wenn der Patient sich in der Praxis gut aufgehoben fühlt und deshalb soweit wie möglich die Behandlung unterstützt. Optimaler, weil wirksamer sind darum Ansätze, mit denen man die Angst wirklich in den Griff kriegt.

Zuerst sollte der Zahnarzt den Patienten ruhig und genau darüber aufklären, was ihn erwartet und warum. Die Alternative zum Behandlungszimmer ist der Besprechungsraum: Hier sitzt der Patient nicht ausgeliefert auf dem Zahnarztstuhl, sondern auf Augenhöhe dem Behandler gegenüber, idealerweise ohne, dass ein Tisch die Gesprächspartner trennt.

Eine zahnärztliche Hypnose kann helfen, die Angst abzubauen, genauso sinnvoll sind Gespräche beim Psychologen oder Psychotherapeuten. Ängstliche oder verunsicherte Patienten lernen dort, wie man sich selbst beruhigt und den Körper in die Lage versetzt, die Behandlung mitzutragen. Ob autogenes Training, Yoga oder andere spezielle Atemübungen, Ablenkungs- und Entspannungstechniken – wichtig ist, dass der Kranke Methoden kennen lernt, die ihn bei kritischen Stress- und Angstattacken unterstützen. Umgekehrt hilft der Zahnarzt dem Patienten, wenn er seine Panik ernst nimmt. Rücksicht und Geduld führen eher zum Ziel als das Hauruck-Verfahren. Auch Versprechungen getreu dem Motto „das tut gar nicht weh, das haben wir gleich“, sind kontraproduktiv, entpuppen sie sich hinterher als Bluff. Enttäuschung, Ärger und noch größerer Schrecken vor dem Zahnarztstuhl sind das Ergebnis. Denn hinter dem Grausen vorm Zahnarztstuhl versteckt sich nicht selten eine längst überwunden geglaubte grässliche Erfahrung, die unser Gedächtnis einfach nicht gelöscht hat. Unser „Schmerzgedächtnis“ speichert nämlich manchmal längst vergangene Schmerzreize unnötig ab und lässt Betroffene weiter leiden, obwohl die organische Ursache längst behoben ist.

Gerade bei dieser Form der Chronifizierung spielen seelische Faktoren mitunter eine wichtige Rolle.

Auf Schmerz programmiert

Sind sämtliche ärztliche und zahnärztliche Diagnosen negativ, spricht vieles auch hier für eine Fehlprogrammierung in der Schmerzerinnerung. Klassisch ist, dass der Schmerz wandert und man ihn nicht lokalisieren kann. Darüber hinaus kommt es häufig vor, dass die Prothese aus seelischen Gründen einfach nicht passen will. Macht doch der herausnehmbare Zahnersatz bei der Zahnpflege täglich aufs Neue bewusst: Die körperliche Unversehrtheit ist verloren und geht nicht mehr rückgängig gemacht. Untersuchungen in den USA und hier zu Lande zeigen, dass im Durchschnitt ungefähr jeder zehnte Patient seine Prothese nicht verträgt. Typisch ist:

• Befund und Befinden klaffen auseinander: Der Patient klagt über große Schwierigkeiten, doch der zahnärztliche Befund gibt keinen Anlass zur Korrektur.
• Doctorshopping und Prothesen sammeln: Der Patient tingelt von Arzt zu Arzt und sammelt zum Teil bergeweise Prothesen. Jede erzählt eine eigene Leidensgeschichte – und zwar für Patient Angehörige und Zahnarzt gleichermaßen.
• Beschwerden fluktuieren: Die Zahl der Beschwerden ist sehr groß, und die Symptome wandern – ohne dass der Patient den Eindruck erweckt, zu simulieren.
• Beschwerden stehen im Mittelpunkt: Im Leben der Betroffenen kreist alles um den Schmerz. Während andere mit ähnlichen Diagnosen gut mit Therapie und Schmerzen zurechtkommen, verzweifeln diese daran.
• Beginn der Beschwerden geht einher mit einschneidendem Lebensereignis: Das Leiden setzt mit einem „life event“ ein, das das bisherige Leben grundlegend auf den Kopf stellt. Das Erlebnis muss gar nicht immer negativ, sondern kann auch positiv besetzt sein. Ob sich der Partner trennt oder stirbt – genauso gut können ein Umzug oder eine Beförderung Schuld am Leiden sein.

Bei neuen Patienten checkt man das Umfeld zuvor in der Regel ab – entscheidend ist aber auch, dass man treue Patienten regelmäßig fragt, wie es privat und beruflich um sie steht.

Ist eine umfangreiche Behandlung geplant, sollte man damit warten, bis der Patient die Krise überwunden hat. Ist die Maßnahme unaufschiebbar, wird sie selbstverständlich durchgeführt. Bei Kranken in der Krise besteht jedoch das Risiko, dass der Eingriff die deprimierte Verfassung noch verstärkt und zu weiteren psychosomatischen Beschwerden führt.

Eine Frage der Beziehung

Heute wissen wir, dass der Therapieerfolg nicht allein vom handwerklich-technischen Geschick abhängt – mindestens genauso bedeutend ist die Qualität der Beziehung zwischen Behandler und Patient. Drei Begriffe sind zentral: Empathie, Wertschätzung, Echtheit.

• empathisch: Der Zahnarzt fühlt sich in Welt und Wirklichkeit des Patienten ein und nimmt die Gefühle des Patienten in dem Moment so wahr als stünde er selbst an dessen Stelle;
• wertschätzend: Er ist aufgeschlossen, geht respektvoll mit dem Patienten um und akzeptiert ihn so, wie er ist – mit all seine Stärken und Schwächen, seinem sozioökonomischen Background und seinen Möglichkeiten, das Leben zu bewältigen;
• echt: Der Zahnarzt verhält sich authentisch. Das, was er macht und sagt, stimmt mit dem überein, was er wirklich denkt und fühlt.

Um mithilfe dieser Faktoren eine gute Zahnarzt-Patienten-Beziehung aufzubauen, ist vor allem eins gefragt: Zeit. Nur wenn beide Seiten sich die nötige Zeit nehmen, versteht der Zahnarzt die Nöte des Patienten und der wiederum macht die Erfahrung, dass der Behandler empathisch, wertschätzend und echt ist.

Typische Anlässe für Gespräche sind die Anamnese, die Aufklärung über die Diagnose und die Behandlungplanung.

Was aber tun, wenn der Patient Diagnose und Therapie nicht akzeptiert? Reagiert der Patient ungehalten, nimmt der Behandler den Ärger am besten erstmal an. Ruhig bleiben, tief durchatmen – selbst wenn der Kranke die Grenzen überschreitet. Merkt der Zahnarzt, dass ihn die Situation zu sehr belastet, kann es von Vorteil sein, den Ort zu wechseln oder zumindest eine andere Haltung einzunehmen. Psychologen raten auch, an positiv besetzte Erlebnisse zu denken, weil man dadurch leichter sein Gleichgewicht bewahrt. In „Balint-Gruppen“, benannt nach dem ungarischen Arzt und Psychoanalytiker Michael Balint (1896-1970), treffen sich viele Zahnärzte regelmäßig, um in Form von Supervision ihre Fälle vorzustellen und zu besprechen. Sie wollen dadurch die Arzt-Patienten-Beziehung verbessern und lernen, persönliche Aversionen außen vor zu lassen.

Lohnt für beide Seiten

Das klingt alles schwierig. Ist es auch. Lohnt sich der Weg überhaupt? Für den Patienten – sicherlich. Er wird besser verstanden und ganzheitlich geheilt. Aber auch der Zahnarzt profitiert. Er wird weniger zermürbt durch Überlastung und Burnout. Mit dem mehrschichtigen Konzept kann er auch die Wirklichkeit des Kranken mehrschichtig erfassen und dadurch seine ärztliche Hilfe erweitern. Sein Selbstverständnis als Mediziner ändert sich – hilft er doch denen, die bislang vergeblich darauf hofften. Genau das ist der Punkt: Die Wertschätzung seitens des Patienten steigt – jener revanchiert sich mit einem Plus an Vertrauen, Therapietreue, Hygiene und vielleicht auch mit einem verringerten Schmerzempfinden. Denn eine gute Zahnarzt-Patient-Beziehung

• verbessert die Diagnostik: Je größer das Vertrauen, umso mehr wird sich der Patient dem Zahnarzt öffnen und ihm wichtige Infos anvertrauen;
• verbessert die Compliance: Vertraut der Patient seinem Zahnarzt, befolgt er eher dessen Tipps zur Prophylaxe und Zahnbehandlung;
• zahlt sich aus: Zufriedene Patienten kommen wieder und empfehlen den Zahnarzt weiter.

INFO

Psyche und Soma

In der Medizin und auch in der Zahnmedizin dominiert noch immer die Zweiteilung in Körper und Seele. Im Unterschied dazu steht die Psychosomatik für eine ganzheitliche Betrachtungsweise in der Medizin. Sie geht davon aus, dass Körper (Soma) und Seele (Psyche) untrennbar miteinander verbunden sind und der Mediziner bei der Behandlung deshalb immer körperliche und seelische Faktoren berücksichtigen muss.

1. Fall: Bruxismus

Anna, 39, klagt über Druck im Kiefer. Er tut beim Kauen weh, sie spürt einen Druck und hat das Gefühl, „die Zähne passen nicht mehr aufeinander“. Ein Blick in den Mund zeigt starke Schliff-Facetten im Frontbereich und eine leichte Fehlstellung. Das erklärt das Schmerzbild. Auf den ersten Blick ein klarer Fall für Aufbiss-Schienen, Einschleiftherapie, Onlays oder Kronen. Auf Nachfrage, wie es privat und beruflich läuft, erzählt Anna allerdings: Die neue Stelle als Eventmanagerin schlaucht. Weil die alleinerziehende Mutter viele Überstunden schiebt, kommt ihr Sohn zu kurz. Anna beißt sich an ihrem Problem sozusagen die Zähne aus.

2. Fall: Zahnbehandlungsangst

Peter, 45, wirkt äußerst nervös und angespannt. Er ist unruhig, zittert. Sein Atem geht flach, seine Hände sind schweißnass. Jede Bewegung, jeder Handgriff von Zahnarzt und Personal werden von ihm mit Argusaugen registriert. Auf die Frage, ob es ihm gut geht, mutmaßt er, die Behandlung ginge schief.

3. Fall: Chronische Schmerzen

Ursula, 56, erhielt vor drei Jahren eine Teilprothese. Seitdem klagt sie über Schmerzen. Mal brennt das Zahnfleisch, mal drückt der Zahnersatz auf den Kiefer, sodass sie eine Kieferseite gar nicht belasten mag. Dabei scheint es keinesfalls so, als sei sie halsstarrig oder auf Ärger aus. Körperlich ist alles vollkommen in Ordnung: Die Prothese sitzt einwandfrei, keine Druckstellen, keine Abschürfungen, keine Entzündungen.

INFO

Gelungene Kooperation – hier funktioniert’s

• Das Projekt „Seele&Zähne“ der Zahnärztekammer Berlin: Nach dem unglaublich erfolgreichen Zahnärztetag „Zahnheilkunde mit Kompetenz für Medizin und Seele“ im Februar 2005 und einem sehr gut besuchten Patientenseminar rief die Zahnärztekammer eine Kooperation mit der Psychotherapeutenkammer ins Leben, um betroffene Patienten leichter zu entdecken und ihnen adäquat zu helfen. Berliner Zahnärzte und Psychotherapeuten können sich schulen lassen, ganzheitliche Zusammenhänge leichter zu erkennen, um den Patienten die Zusammenhänge rund um die Mundgesundheit bewusst zu machen und damit ihre Compliance für eine mögliche Weiterbehandlung im Bereich Psychotherapie zu fördern. Zahnärzte können Betroffene an eine spezielle Patientenberatung überweisen, außerdem gibt es eine Info-Broschüre. Jetzt plant Dr. Wolfgang Schmiedel, Präsident der Zahnärztekammer Berlin, ein Curriculum für Zahnärzte und Psychotherapeuten. Kontakt: Birgit Dohlus, Gemeinsame Pressestelle der Berliner Zahnärzte, Tel.: 030 3012-7886, Mail: info@zahndienst.de

• An der Uni Münster hat Prof. Dr. Stephan Doering bundesweit die einzige Professur für Psychosomatik in der Zahnheilkunde inne. Er will mit seiner Forschung den Ursachen psychogener Schmerzen und Prothesenunverträglichkeiten auf die Spur kommen, aber auch erfahren, wie psychische Prozesse die körpereigene Abwehr beeinflussen können. Zugleich will er den Menschen die Angst vorm Zahnarzt nehmen und sie peu à peu an die Behandlung heranführen. An der Ambulanz für Psychosomatik in der Zahnheilkunde Münster gibt es Hilfe für Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen, die sich auf Mund, Zähne und Kiefer auswirken. In Gesprächen wird nach möglichen seelischen Ursachen gefahndet. Gruppentherapien, geleitet von Zahnärzten, Psychotherapeuten und Physiotherapeuten, werden genauso angeboten wie tiefenpsychologische Verfahren, Verhaltenstherapien und individuell ausgearbeitete Physiotherapien. Der Patient kann sich aber auch in Wohnortnähe psychotherapeutisch weiterbehandeln lassen. Doering plant den Aufbau eines Netzwerks niedergelassener Psychotherapeuten und setzt auf die Kooperation möglichst vieler Zahnärzte. Kontakt: Prof. Dr. Stephan Doering, Tel.: 0251 83-47079, Mail (Sekretariat): Elke.Zimmermann@ukmuenster.de, www.klinikum.uni-muenster.de/institute/zmk/einrichtungen/proth

• Der Arbeitskreis Psychologie und Psychosomatik in der ZMK-Heilkunde der DGZMK (AKPP) unter der Leitung von Prof. Anne Wolowski veranstaltet Fortbildungen, um die Kompetenz der Zahnärzte im Bereich Psychosomatik zu stärken. Der AKPP hält engen Kontakt zu angrenzenden Fachgesellschaften der Medizinischen Psychologie, Psychosomatik und Psychotherapie. Der AKPP thematisiert psychologische und psychosomatische Aspekte in Patientenversorgung, Lehre und Forschung und erarbeitet Empfehlungen und Stellungnahmen. Ein Curriculum zum Thema liegt vor. Siehe www.dgzmk.de/gruppen/ akpp/intro.htm.

• Das von den Arbeitskreisen getragene Netzwerk Psychologie und Zahnmedizin „Psydent“ will dem Thema einen festen Platz geben. Kontakt: PD Dr. Renate Deinzer, Tel.: 0211 81-13016, Mail: renate.deinzer@uni-duesseldorf.de, www.uni-duesseldorf.de/PsyDent

• Dr. Peter Jöhren, bisheriger AKPP-Vorsitzender, leitet die Zahnmedizinische Tagesklinik und das Therapiezentrum für Zahnbehandlungsangst in Bochum. Dort werden ängstliche und phobische Patienten behandelt, ambulant und stationär. Tel.: 0234 5839228, www.zahnbehandlungsangst.com.



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