sg
16.01.17 / 00:01
Heft 02/2017 Praxis
Geldanlage

Wenn man sein Portfolio selbst gestalten will

Ein Reflex auf die seit Jahren wenig akzeptablen Renditen an den Geld- und Kapitalmärkten könnte eine größere Eigeninitiative sein. Wer sich zukünftig also selbst durch den Anlage-Dschungel schlagen will, sollte allerdings ein paar grundsätzliche Hinweise beachten.



Ohne die richtige Strategie geht es nicht. Das gilt für den grünen Rasen wie fürs Börsenparkett. © Fotolia-Coloures-pic

• Die individuelle Spekulationsbereitschaft sollte festgelegt und als Quote zum gesamten Anlagevermögen formuliert werden. Als Grundsatz gilt eine Spekulationsquote von etwa 20 Prozent. Stehen also langfristig (!)  beispielsweise 100.000 Euro bereit, bietet sich für 20.000 Euro ein europa- oder weltweit investierender Investmentfonds an. Bei der Auswahl konkreter, in der Vergangenheit erfolgreicher Fonds helfen die Hausbanken.

• Ebenso wichtig ist die Etablierung einer Laufzeitenstruktur. Je nach Anlageprodukt sollte in kurzfristige Anlagen (vor allem Tages- oder Termingelder als Liquiditätsreserve), in mittelfristige Anlagen (insbesondere Zinsanlagen wie Wertpapiere) und in langfristige Anlagen (im Wesentlichen Aktien oder Investmentfonds) „gestreut“ werden. Zum besseren Verständnis: Kurz-, mittel- und langfristig bedeuten bis zu einem Jahr, bis zu drei Jahren und bis zu sechs Jahren.

Investmentfonds investieren das Geld der Käufer meist in einer Vielzahl von Aktien, Anleihen und anderen Fonds zur Risikostreuung. Auch können Sie Aktienindizes Deutschlands, Europas, anderer Kontinente oder auch weltweit abbilden. Während sogenannte Mischfonds sowohl insbesondere Anleihen und Aktien „mischen“, investieren Aktien- respektive Rentenfonds schwerpunktmäßig in Aktien, also in spekulativere Anlageformen beziehungsweise vor allem in festverzinsliche Wertpapiere.

• Grundsätzlich gilt: je höher der Zinssatz, umso höher das Risiko durch den jeweiligen Schuldner (Emittent). Ein „Mehr“ an Zinsen wird fast immer mit einem Ertrags- und Rückzahlungsrisiko erkauft. Das gilt sinngemäß auch für Anlagen in fremden Währungen, bei denen das damit verbundene Wechselkursrisiko nicht unterschätzt werden sollte.

• Man kann es nicht oft genug sagen: Finanzprodukte, die nur schwer durchschaubar sind, sollten kritisch gesehen und bei Zweifeln gemieden werden.

• Ebenfalls kritisch zu sehen sind Anlageformen, die vor allem auf steuerliche Gesichtspunkte abstellen. Wichtig ist vielmehr die gleichbleibende Qualität des Schuldners, die vor allem die Rückzahlung und die Verzinsung des investierten Kapitals weitgehend sicherstellt. Eventuelle Steuervorteile sollten daher nur als erfreulicher Nebeneffekt gesehen werden.

• Edelmetalle wie Gold und Silber gelten nach wie vor als spekulativ und sollten nur mit entsprechender Sorgfalt in Anlageüberlegungen einbezogen werden. Auch hier wie bei anderen Investments in Rohstoffen sollte der Anlagehorizont von langfristiger Natur sein.

• Nicht nur Einmalbeträge, auch regelmäßige Sparraten, bei denen grundsätzlich die gleichen Regeln gelten, sind zur Vermögensbildung geeignet. Insbesondere Investmentfonds („Fondssparpläne“) eignen sich zum kontinuierlichen Vermögensaufbau mit regelmäßigen Beträgen von zum Teil schon unter 100 Euro.

• Da Kosten bei Geldanlagen die jeweiligen Erträge erheblich verringern können, sollten stets mehrere Banken um Angebote gebeten werden. Hilfreich können hier Direktbanken mit einer häufig relativ niedrigen Gebührenstruktur sein.

• Die Qualität von Unternehmen oder Fondsgesellschaften, die Anlagemöglichkeiten bieten, kann vor allem von den Banken eingeschätzt werden. Darüber hinaus können Anleger bei der Banken- und Finanzaufsicht (bafin.de) entsprechende Informationen erhalten.

• Jede Anlagestrategie sollte regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Vor allem bei Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus respektive der persönlichen Situation des Zahnarztes als Anleger kann dies von Bedeutung sein. Dient die Anlagestrategie vor allem der späteren Ergänzung zu den Zahlungen der Versorgungskasse, sollte spätestens fünf Jahre vor dem geplanten Ausstieg aus dem Berufsleben eine zusätzliche, sehr ausführliche Analyse der aktuellen Vermögensanlage erfolgen, um gegebenenfalls noch rechtzeitig reagieren und Änderungen in der bisherigen Strategie vornehmen zu können.

Michael Vetter, Fachjournalist für Finanzen



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