sg
01.01.17 / 00:03
Heft 01/2017 Praxis
Praxis ohne Zahnarzt

Wie geht‘s weiter, wenn SIE ausfallen?

Ein plötzlicher Herzinfarkt, eine lange Krankheit oder gar der Tod des Praxisinhabers. In vielen Praxen bricht dann Chaos aus. Der Zugriff auf Bankkonten ist gesperrt, Kennwörter fehlen und Geschäftsunterlagen sind nicht auffindbar. Hinterbliebene und Mitarbeiter bangen um ihre Existenz. Mit einem Notfallordner können Sie vorsorgen.



Wenn der Stuhl des Behandlers leer bleibt, herrscht zuerst oft Planlosigkeit. Als Praxisinhaber sollte man unbedingt Vorkehrungen für den Notfall treffen. © fotolia

Rund 90 Prozent aller niedergelassenen Zahnmediziner haben Studien zufolge keine Vorsorge für den Notfall getroffen. Erst mit 67 Jahren beginnt der Durchschnittsmediziner Vollmachten und Verfügungen zu sammeln. Also erst wenn die Nachfolge ins Haus steht. Nur: Krankheiten und Unfälle sind nicht vorhersehbar und treffen viel zu oft auch Jüngere.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass bundesweit in den kommenden Jahren mehr als 200.000 Arbeitsplätze vernichtet werden, allein weil Chefs für ihren plötzlichen Todesfall nicht rechtzeitig vorsorgen.

Markus Sobau kennt die Auswirkungen. Er ist Geschäftsführer von Confina Finanzplanung und seit 20 Jahren Finanz- und Anlageberater. Aufgrund des plötzlichen Todesfalls eines befreundeten Unternehmers und dem damit verbundenen Familien- und Betriebschaos, hat er sich zum IHK- Generationenberater weitergebildet. Seit etwa zehn Jahren berät Sobau Unternehmen und Arztpraxen zur Notfallplanung. Sobau: „Nicht nur das eigene Lebenswerk geht zugrunde. Hinter jedem Mitarbeiter stehen Familien, womöglich mit Krediten für Eigenheime, die bezahlt werden müssen.“ Die Verantwortung ist groß – auch nach dem Tod. Ein Schwerpunkt der auf Heilberufe ausgerichteten Beratung sind Informationen zur Praxisnachfolge. Im Rahmen dieser Beratung ist dann auch die ungeplante/ungewollte Nachfolgesituation ein Thema.

Ein Notfallordner gehört in jede Praxis

Um das eigene Lebenswerk, die Angehörigen und die Mitarbeiter zu schützen, sollten Praxisinhaber deshalb eine Notfallakte anlegen. Die regelt, kurz gesagt, wer als Vertreter oder Nachfolger, die zahnärztliche Tätigkeit weiterführt – und wie es mit der Praxis als Unternehmen weitergeht. Dabei kann es sich sowohl um eine lose „Blatt-Sammlung“ handeln als auch um eine Datei auf einem Speichermedium. Wichtig ist nur, dass Vertrauenspersonen von der Existenz und dem Aufbewahrungsort der Dokumente wissen.

„Egal, ob digital oder analog – zuallererst sollten eine Generalvollmacht, eine Patienten- und eine Betreuungsverfügung im Ordner liegen“, rät Sobau. Diese Dokumente regeln, wer Entscheidungen im Namen des Praxisinhabers treffen darf, wann lebensverlängernde Maßnahmen infrage kommen und wer im Fall einer kognitiven Einschränkung die Betreuung oder Pflege organisiert. Besondere Sorgfalt sollten Zahnmediziner in puncto Konto-Zugriff walten lassen. Denn viele Geldinstitute akzeptieren keine Generalvollmacht.

„Banken haften für zu Unrecht ausgezahlte Beträge“, erläutert Sobau den Grund. Deshalb muss ein eigenes Vollmacht-Dokument vor Ort unter Aufsicht eines Bankmitarbeiters ausgefüllt und unterschrieben werden. Ist dieses nicht vorhanden, bleiben die Konten bis zur Feststellung per Erbschein gesperrt.



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