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15.04.17 / 00:04
Heft 08/2017 Titel
Aufsuchende Alterszahnheilkunde

Wie viel mobile Prothetik ist möglich?

Aufsuchend tätige Zahnmediziner sind ein Glück für alle Patienten, die nicht in die Praxis kommen können. Gerade die Prothetik scheint mit Blick auf das mögliche Behandlungsspektrum unter provisorischen Bedingungen allerdings zunächst schwer umsetzbar. Der Beitrag befasst sich mit der Frage, welche prothetischen Maßnahmen sich außerhalb der Praxis durchführen lassen.




Der zahnmedizinische Behandlungsbedarf nimmt im Alter scheinbar ab. Zumindest ist die Inanspruchnahme von BEMA-Leistungen ab dem 70. Lebensjahr stark rückläufig – und das bei allen Senioren, mit oder ohne Pflegegrad [Rothgang, 2014]. Zahlreiche Studien zeigen jedoch unbestritten einen großen Handlungsbedarf [Nitschke, 1996; Benz, 2010; Stark, 1992]. Wie ist das zu erklären?

Im Alter ist die Mobilität zunehmend eingeschränkt, die Zahngesundheit steht weniger im Fokus und ein Besuch in der Praxis ist nur schwer oder gar nicht mehr möglich. Hieraus ergibt sich die große Diskrepanz zwischen dem hohen Bedarf und der nur geringen Inanspruchnahme einer zahnärztlichen Behandlung. Beim Zahnersatz sieht es nicht anders aus. Senioren mit 77 Jahren haben den höchsten Zahnersatzbedarf [Schäfer, 2013].

Gleichzeitig sind in der stationären Pflege 65 Prozent der prothetischen Versorgungen mängelbehaftet [Nitschke, 2000]. Damit ergeben in deutschen Heimen mindestens eine halbe Millionen Prothesen mit Therapiebedarf: schlechter Halt, ein abgesenkter Biss und Reparaturbedürftigkeit vom Sprung oder Bruch bis zur Klammerreparatur [Manojlovic, 2010].

Bevor die Behandlung außerhalb der Praxis startet, sollte gründlich geplant und gepackt werden. Nichts ist nerviger, als wenn zum Beispiel Fräsen vergessen wurden und eine Druckstelle nicht beseitigt werden kann. Praktisch ist, für jeden geplanten Behandlungsfall eine Inventarliste zu erstellen und alles Benötigte in eine Tasche – in Form einer Labortüte, besser noch einer verschweißten Sterilguttüte – zu packen. Der Vorteil: Instrumentarium und Material sind jeweils für einen Patientenfall verpackt und die RKI-Richtlinien werden berücksichtigt.

Als Transportmittel haben sich stapelbare Plastik-Container-Systeme durchgesetzt (zum Beispiel Systainer der Firma Tanos), die gut flächendesinfizierbar und in „rein“ und „unrein“ oder Abwurfcontainer getrennt werden können. Man sollte sich immer darüber im Klaren sein, dass bei der mobilen Therapie „keine mildernden Umstände“ und hinsichtlich der Hygiene dieselben Anforderungen wie in der Praxis gelten.

Kritiker der mobilen Therapie bezweifeln regelmäßig die „Hygienefähigkeit“. Zweifellos gibt es vergleichbare Einsätze in der Notfallmedizin: hygienisch machbar und alternativlos. Teamwerk in München hat mobile zahnmedizinische Behandlungspfade vom Referat Gesundheit und Umwelt (RGO), Abteilung Krankenhaushygiene, begleiten lassen. Dabei erschien mit klaren, machbaren Vorgaben – ähnlich wie in der Praxis – die aufsuchende Betreuung hygienisch darstellbar [Gleich, 2009].



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