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28.11.15 / 00:04
Heft 23/2015 Zahnmedizin
Millerpreis 2015

Wie wirken systemische Entzündungen auf eine Parodontitis?

Zum zweiten Mal, seit seiner Einführung 1961 erhielten in diesem Jahr auf dem Deutschen Zahnärztetag zwei Forscherinnen den Millerpreis: Christiane Pink und Dr. Birte Holtfreter von der Abteilung für Parodontologie an der Zahnklinik der Universität Greifswald. Im Interview beschreibt Pink ihre Arbeit auf dem Feld der Parodontitisforschung.



So sehen Sieger aus: Dr. Birte Holtfreter (links) und Christiane Pink, Greifswald, bekamen den Millerpreis für ihre Arbeit zur Parodontitisforschung. privat

zm: Frau Pink, Sie und Ihre Kollegin Dr. Birte Holtfreter sind beide Biomathematikerinnen – wie kann man sich Ihre Arbeit in der Zahnklinik in Greifswald vorstellen?

Christiane Pink: Der Hauptaspekt unserer Arbeit ist die statistische Auswertung epidemiologischer Daten, die vorwiegend durch die „Study of Health in Pomerania“ zur Verfügung gestellt werden. Hierbei betrachten wir speziell Fragestellungen zur Epidemiologie von Parodontalerkrankungen, wie beispielsweise die Entwicklung der Prävalenzen oder die Zusammenhänge mit systemischen Erkrankungen.

Was war das Ziel Ihrer ausgezeichneten Arbeit „Longitudinal effects of fibrinogen levels and white blood cell counts on periodontitis“?

Eine chronische systemische Entzündung gilt als klinische Manifestation verschiedenster Erkrankungen und hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung für die Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands gewonnen. Nicht zuletzt kam es auch zu Mutmaßungen, dass Erkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit, die nachweislich Risikofaktoren für Parodontitis darstellen, ihren Einfluss auf die lokale Entzündungsreaktion im Parodontium durch systemisch erhöhte Entzündungsmarker geltend machen.

Da allerdings zuvor nicht bekannt war, ob und wie sich erhöhte Entzündungsmarker langfristig auf die Entwicklung und das Voranschreiten von Parodontitis auswirken, war es das Ziel unserer Studie diesen Zusammenhang zu untersuchen.

Und über welche relevanten Ergebnisse können Sie berichten?

Basierend auf Daten von 1.784 Teilnehmern der „Study of Health in Pomerania“ waren sowohl die Fibrinogenkonzentration als auch die Leukozytenzahl über einen Zeitraum von elf Jahren signifikant mit allen parodontalen Messgrößen assoziiert. Der anhaltende Einfluss chronisch erhöhter Entzündungsparameter scheint daher die Entwicklung und das Voranschreiten von Parodontitis zu begünstigen.

Wie wollen Sie Ihre Forschungsarbeit jetzt inhaltlich fortsetzen?

Das Ziel zukünftiger Arbeiten wird sein, herauszufinden, in welchem Maß eine systemische Entzündung als Wirkmechanismus für den Einfluss anderer Erkrankungen auf Parodontitis agiert, da wir davon ausgehen, dass neben der systemischen Entzündung weitere Mechanismen bestehen. Darüber hinaus gilt es zu untersuchen, ob eine Therapie bestehender entzündungsfördernder Erkrankungen das Potenzial hat, die Anfälligkeit für Parodontitis zu reduzieren oder das Ergebnis parodontaler Behandlungen zu verbessern.

Und welche Patientenbotschaften sind für die Prävention von Parodontitis relevant, wenn man davon ausgeht, dass erhöhte systemische Entzündungsparameter auf die lokale Entzündungsreaktion im Parodontium einen Einfluss haben?

Die wirkungsvollste Prävention von Parodontitis im Hinblick auf den Einfluss einer systemischen Entzündung beginnt bei jenen Faktoren, die Erhöhungen der Entzündungsparameter hervorrufen. Durch die Änderung des Rauchverhaltens und die Reduktion von Übergewicht können die Patienten bereits viel erreichen.

Die Fragen stellte Sara Friedrich.



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