HANNA HERGT / SONJA SCHULTZ
01.01.16 / 00:05
Heft 01/2016 Titel
Tobias Henze - zahnarzt-preisvergleich.com

"Wir sehen uns als Transparenzplattform"



privat

Was unterscheidet zahnarzt-preisvergleich.com von anderen Auktionsportalen?
Tobias Henze:
Wir sehen uns in erster Linie als Transparenzplattform und nicht als Auktionsportal. Die Patienten haben einen Anspruch auf Transparenz. Und die geben wir ihnen. Meines Wissens beherbergen wir die erste öffentliche Datenbank, die das Behandlungsspektrum, die Ausstattung und besondere Services einer Zahnarztpraxis auflistet und filterbar macht. Das eventuell auftretende Vorurteil, auf zahnarzt-preisvergleich.com geht es nur um „billiger“, trifft gerade eben nicht zu. Denn unsere Nutzer vergleichen und filtern bewusst Qualitätsindikatoren, sehen sich Fotos und Videos von Behandlern und den Praxen an und treffen im Anschluss eine bewusste und mündige Entscheidung. Patienten, deren Therapieplanung die Insertion von Zahnimplantaten beinhaltet, wählen dabei selten das günstigste Angebot, sondern eher einen Zahnarzt, der mehr als zwei Jahre Garantie gibt.

Ein Auktionsportal bei dem es nicht um das wirtschaftlich bessere Angebot geht?
Natürlich müssen wir – wie jeder Inhaber einer Zahnarztpraxis – auch wirtschaftlich denken. Aber uns ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient wichtiger als die Maximierung des wirtschaftlichen Erfolgs. Ein Beispiel dafür ist die Möglichkeit, dass Ärzte einen Kostenvoranschlag als „angemessen“ kennzeichnen können. Dieses Feature bestärkt den Patienten dahingehend, dass er die Behandlung beim ursprünglichen Zahnarzt durchführen lässt.
Beim Vergleich der Eingabemasken zur Übermittlung eines Heil- und Kostenplans beziehungsweise privatzahnärztlichen Kostenvoranschlags ist festzustellen, dass Zahnärzte und Dentallabore ein Maximum an Information über den Behandlungsfall erhalten, also Anamnese, Wünsche rund um die Behandlung sowie Röntgen- und Situationsaufnahmen. Und das bei gleichzeitig minimaler Identitätspreisgabe durch den Patienten.
Zahnarzt-Preisvergleiche laufen standardmäßig sieben Tage. Patienten können diese mit dem ersten Feedback eines Zahnarztes vorzeitig beenden und mit wenigen Klicks einen Termin vereinbaren. Dieses „Windhundverfahren“ verhindert ungesunde Preiskämpfe in letzter Minute. Auch ist es auf zahnarzt-preisvergleich.com nicht möglich, sich – wie auf einem Auktions‧portal – wechselseitig zu unterbieten. Ein Zahnarzt kann bei jedem Preisvergleich nur einmal einen Preis abgeben.

Einer der Kritikpunkte an zahn‧medizinischen Auktionen lautet, dass der Arzt den Patienten in Person sehen muss, um die Behandlung richtig ein‧schätzen zu können. Wie sehen Sie das?
Bei komplexen Behandlungsfällen stimme ich vollkommen zu. Wenn Patienten unseren Service des Zahnarzt-Preisvergleichs nicht nur für Standardbehandlungen nutzen möchten, müssen sie sich im Vorfeld bei einem Zahnarzt vorgestellt haben und einen Heil- und Kostenplan oder privatzahnärztlichen Kostenvoranschlag ausgestellt bekommen haben. Daher ist unser Service auch unverbindlich für Arzt und Patient. Die Preise dienen lediglich als Richtwert. Um einen verbindlichen Kostenvoranschlag zu erhalten, muss sich der Patient in der Zahnarztpraxis in den Mund schauen lassen. Denn es kann vorkommen, dass der den Heil- und Kostenplan ausstellende Behandler nicht fehlerfrei gearbeitet hat.
Die Kritik impliziert jedoch einen Generalverdacht an alle approbierten Zahnärzte, und die ist ungerechtfertigt. Ob aber eine persönliche Vorstellung zum Zwecke der Durchführung einer professionellen Zahnreinigung notwendig ist, kann bezweifelt werden.

Haben Sie Reaktionen von den zahnärztlichen Standesvertretungen auf Ihr Angebot bekommen?

Wir sind unter anderem auf den Dentalmessen aktiv auf die Standesvertretungen zugegangen und haben Gesprächsbereitschaft signalisiert und um eine Meinung sowie Verbesserungsvorschläge gebeten. Aber mir wurde mitgeteilt, dass an eine Zusammenarbeit nicht zu denken sei. Wir haben eine Abmahnung und eine Androhung einer Abmahnung von zwei Landeszahnärztekammerpräsidenten erhalten.

Sie haben Ihr Angebot auch erweitert auf Zahnärzte/Labore, die mit nicht in Deutschland gefertigtem Zahnersatz arbeiten. Warum?
Die Wünsche der Patienten, Zahnärzte und Dentallabore sind uns ein hohes Gut. Wir fragen Patienten, ob sie Zahnersatz ausschließlich aus Deutschland möchten. Ist das der Fall, werden nur Angebote zugelassen, bei denen Zahnersatz in Deutschland hergestellt wird.
Ist es den Patienten egal, wo der Zahnersatz herkommt, möchten wir den Zahnärzten und Dentallaboren die Freiheit lassen, die sie ohnehin gewohnt sind. Der Patient sieht keine Angebote von Dentallaboren. Diese Angebote sehen nur die Zahnärzte. Ihnen obliegt die Entscheidungshoheit, wo der Zahnersatz hergestellt wird und ob sie eine erweiterte Garantie geben möchten. Dies kommunizieren wir den Patienten und überlassen ihnen die freie Wahl bei dieser höchst persönlichen Entscheidung.

Was ist Ihre größte Kritik an der deutschen Dentalbranche?
Ich möchte niemanden kritisieren, sondern einen Meinungsaustausch suchen und um Akzeptanz und eine aktive Teilnahme auf unserer Transparenzplattform werben.



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