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16.05.12 / 12:09
Heft 10/2012 Titel
Fortbildungsteil 1/2012

Xerostomie und Speicheldrüsendysfunktion



Der Speichel stellt ein wichtiges Schutzsystem für die Erhaltung der oralen und der pharyngalen Gesundheit dar. Bei gesunden älteren Menschen, die nicht wegen Allgemeinerkrankungen in ärztlicher Behandlung sind und keine Medikamente einnehmen, bleibt die Speichelfunktion bemerkenswert gut intakt. Bei über 65-Jährigen liegt die Prävalenz der Xerostomie etwa bei 30 Prozent und wird am häufigsten durch die Einnahme xerogener Medikamente verursacht. Gerade im höheren Lebensalter kann eine Verminderung des Speichelflusses zu zahlreichen Problemen führen und die Lebensqualität wesentlich beeinträchtigen. Die Therapiemaßnahmen umfassen den Austausch von Medikamenten, die Stimulation des Speichelflusses und symptomatische Maßnahmen zur Befeuchtung der Mund- und Rachenschleimhaut.




Joachim Klimek

Der Speichel stellt in seiner Gesamtheit ein wichtiges Schutzsystem für die Erhaltung der oralen und der pharyngalen Gesundheit dar und dient der Aufrechterhaltung eines ökologischen Gleichgewichts im Biotop Mundhöhle. Störungen der Speichelphysiologie sind besonders bei älteren Menschen mit zahlreichen oralen und pharyngalen Problemen verbunden [Ship et al., 2002]. Die Beschwerden eines trockenen Mundes (Xerostomie) und der objektive Befund einer Dysfunktion der Speicheldrüsen mit vermindertem Speichelfluss (Oligosialie) sind ein sehr häufiger Befund bei älteren Menschen, wodurch vorübergehend oder dauerhaft orale und systemische Probleme entstehen. Beeinträchtigungen des Geschmacksempfindens und der Kaufähigkeit verändern die Essgewohnheiten und vermindern die Esslust. Patienten mit Xerostomie berichten daher oft, dass sie bestimmte Nahrungsmittel nicht mehr essen können, weil sie zu trocken oder zu klebrig sind. Die trockene Mundschleimhaut beeinträchtigt die Haftung von Prothesen. Das Tragen einer Prothese kann dann als sehr unangenehm empfunden werden, was wiederum die Kaufähigkeit zusätzlich verschlechtert [Cassolato et al., 2003]. Weil Patienten mit trockenem Mund oft Probleme bei der Nahrungs- und Getränkeaufnahme haben, hat die Xerostomie Anteil an der hohen Prävalenz von Mangelernährung bei älteren Personen. Kau- und Schluckprobleme können auch das Risiko einer Aspirationspneumonie erhöhen, und die Körperabwehr kann insgesamt geschwächt sein [Loesche et al., 1995]. Schwierigkeiten beim Sprechen können die sozialen Kontakte erschweren oder sogar zu Vereinsamung führen. Gerade im höheren Lebensalter kann also eine durch Krankheit oder Medikamenteneinnahme verursachte Verminderung des Speichelflusses die Lebensqualität wesentlich beeinträchtigen. Die Therapiemaßnahmen umfassen den Austausch von Medikamenten, die gustatorische, mastikatorische und pharmakologische Stimulation des Speichelflusses und symptomatische Maßnahmen zur Befeuchtung der Mund- und Rachenschleimhaut.



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