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16.12.03 / 00:09
Heft 24/2003 Politik
Ausbildungszahlen Zahnmedizinische Fachangestellte 2003

Zahnärzte schaffen Arbeitsund Ausbildungsplätze

Nach den offiziellen Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit aus dem Monat November zeichnet sich ab, dass in diesem Jahr mit einer geschätzten Lehrstellenlücke von 14 500 nicht genug Lehrstellen für die jugendlichen Bewerber zur Verfügung stehen werden. Dass sich die Zahnärzte auch in volkswirtschaftlich schwierigen Zeiten ihrer Ausbildungsverantwortung bewusst sind, belegen seit Jahren die hohen Ausbildungszahlen. Die von der Regierungskoalition angestrebte gesetzliche Lösung, um die Lehrstellensituation zu verbessern, wird von der Zahnärzteschaft vehement abgelehnt. Die aktuellen Ausbildungszahlen für Zahnmedizinische Fachangestellte führen diese Ausbildungsabgabepläne ad absurdum.




Von den 4,1 Millionen Beschäftigten im deutschen Gesundheitswesen haben im Jahr 2001 rund 315 000 Personen in Zahnarztpraxen gearbeitet. Mit einer leichten Zunahme gegenüber dem Vorjahr sind die niedergelassenen Zahnärzte damit wiederum der viertgrößte Arbeitgeber im Gesundheitswesen und einer der wichtigsten für Frauen in Deutschland (80,3 Prozent Frauenanteil). Dies geht aus den im April 2003 vorgestellten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Diese Zahlen veranschaulichen eindrucksvoll, dass die Zahnärzte nach wie vor ein wichtiger Arbeitsplatzgarant und Motor der beruflichen Ausbildung in Deutschland sind. Letzteres belegen auch die aktuellen Ausbildungszahlen zur Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) aus 2003.

Leichter Aufwärtstrend

Die Gesamtzahl der neuen Ausbildungsverhältnisse befindet sich im leichten Aufwärtstrend. Das in den Jahren 2000 bis 2002 erreichte Niveau von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) stabilisierte sich erfreulicherweise auch in 2003. Bundesweit wurden in diesem Jahr zum 30. September insgesamt 14 216 Ausbildungsverträge für ZFA neu abgeschlossen (ABL: 12 504; NBL: 1 712). Gegenüber dem Vorjahr haben die neuen Ausbildungsverhältnisse damit im Durchschnitt leicht um 0,42 Prozentpunkte zugenommen (ABL: +1,12 Prozent; NBL: -4,41Prozent).

Diese Werte markieren eine Stabilisierung der Vorjahreszahlen. Die Zahlen aus den einzelnen Kammerbereichen sind uneinheitlich. Stabile Werte bei den neuen Ausbildungsverhältnissen finden sich in Berlin, Nordrhein- Westfalen, Saarland und Sachsen.

Deutlich zugelegt haben Bayern und Baden- Württemberg. Verluste verzeichneten hingegen Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Deutlicher Anstieg

Trotz verfehlter Gesundheits- und Wirtschaftspolitik findet Ausbildung statt. Nach dem Einbruch der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse im Jahre 1999 war im Jahr 2001 wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen (14 779). Der diesjährige leichte bundesweite Aufwärtstrend belegt, dass sich trotz verfehlter Gesundheits- und Wirtschaftspolitik der Bundesregierung die deutschen Zahnärzte seit Jahren selbstverantwortlich und erfolgreich für eine Ausbildung auf hohem quantitativen und qualitativen Niveau engagieren. „Trotz der angespannten volkswirtschaftlichen Lage hat die deutsche Zahnärzteschaft mit den jüngsten Ausbildungszahlen bewiesen, dass sie nicht am falschen Ende, also zu Lasten unserer Jugend, spart. Und das, obwohl Nullrunde und andere Vorgaben der Gesundheitspolitik alles andere alles investitionsfördernd wirken und viele Zahnarztpraxen in ökonomische Schwierigkeiten bringen“, unterstreicht der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp.

Besonders in den neuen Bundesländern sei die wirtschaftliche Lage angespannt, wie die BZÄK betont. Mit der Bereitschaft der zahnärztlichen Kollegen, sich auf breiter Basis für die Ausbildung einzusetzen, sei in hohem Maße die gesellschaftliche Teilhabe der Jugend in Deutschland gewährleistet und werde mit politischer und unternehmerischer Verantwortung die von der Regierung geplante Lehrstellen-Umlage ad absurdum geführt.

Ausbildungsabgabe ist widersinnig

Neben den schädlichen Folgen der Extrem- Budgetierung der Bundesregierung für 2003 und 2004 würde sich, so die BZÄK, auch die von der Regierungskoalition geplante gesetzlich vorgeschriebene Ausbildungsumlage negativ auf die zukünftige Zahl der Auszubildenden auswirken. Neue gesetzliche Zwangsabgaben würden – neben den bestehenden sinkenden Umsätzen, hohen Kosten, Steuern, Sozialabgaben sowie dem hohen bürokratischen Aufwand – die Betriebe aller Wirtschafts- und Berufsbereiche in Deutschland weiteren erheblichen Belastungen aussetzen und keine neuen zusätzlichen Lehrstellen schaffen.

Der für den Bereich Ausbildung zuständige Vize-Präsident der BZÄK, Dr. Dietmar Oesterreich, bekräftigt den Widerstand der Zahnärzte gegen die Regierungspläne für eine Ausbildungsabgabe, welche Mitte November von den Delegierten des SPD-Parteitages mehrheitlich beschlossen wurde, nachdem sich zuvor schon der SPD-Fraktionsvorstand für die Umlage ausgesprochen hatte: „Eine solche Abgabe ist kontraproduktiv und widersinnig und nur ein weiteres Beispiel für die verfehlte Politik des Dirigismus, wie sie die rotgrüne Bundesregierung auch auf anderen Feldern betreibt“, erklärt Oesterreich. Auch die Delegierten der Bundesversammlung der BZÄK forderten am 11. November 2003 in Berlin in einem Beschluss die Regierung und den Gesetzgeber auf, auf die geplante Ausbildungsabgabe zu verzichten. Denn eine Ausbildungsabgabe stelle mit der Infragestellung des dualen Systems eine tief greifende Systemveränderung dar, an deren Ende ein staatlich dominiertes Bildungssystem mit erheblichen Qualitätsproblemen stehen würde. Die Förderung der Berufsbildung und Ausbildungsbereitschaft der Betriebe müsse deshalb bei strukturellen Verbesserungen der Standortbedingungen für Unternehmen in Deutschland ansetzen. Dafür seien Kostenent- und nicht -belastungen erforderlich. Die Einführung einer Ausbildungsabgabe, eine offensichtliche Klientelpolitik der Bundesregierung, wäre eine weitere Steuer für die Wirtschaft, insbesondere für die freien Berufe und die mittelständischen Betriebe.

Diese Art von Sanktionierung träfe auf Basis der vorliegenden Ausbildungszahlen mit der Zahnärzteschaft jedenfalls die Falschen.

Dr. Sebastian Ziller,
Leiter der Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung
Bundeszahnärztekammer
Chausseestraße 13, 10115 Berlin


Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge für ZFA in den Jahren 2002 und 2003 (Stichtag: 30. September), Prozentuale Veränderungen zum Vorjahr Quelle: (Landesund Bezirks-)Zahnärztekammern, Berechnungen BZÄK
Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge für ZFA

Bundesländer
(Kammerbereiche)
2002
(N)
2003
(N)
Prozentuale
Veränderung
zum Vorjahr
Baden-Württemberg 2 123 2 229 4,99
Freiburg 459 476 3,70
Karlsruhe 512 557 8,79
Stuttgart 806 861 6,82
Tübingen 346 335 –3,18
Bayern 2 537 2 771 9,22
Berlin 551 562 2,00
Brandenburg 219 199 –9,13
Bremen 129 114 –11,63
Hamburg 343 328 –4,37
Hessen 1 159 1 009 –12,94
Mecklenburg-Vorp. 209 180 –13,88
Niedersachsen 1 424 1 384 –2,18
Nordrhein-Westfalen 3 224 3 270 1,43
Nordrhein 1 667 1 756 5,34
Westfalen-Lippe 1 557 1 514 –2,76
Rheinland-Pfalz 705 688 –2,41
Koblenz 262 244 –6,87
Pfalz 227 212 –6,61
Rheinhessen 138 145 5,07
Trier 78 87 11,54
Saarland 166 168 1,20
Sachsen 376 379 0,80
Sachsen-Anhalt 237 212 –10,55
Schleswig-Holstein 555 543 –2,16
Thüringen 199 180 –9,55
Gesamt 14 156 14 216 0,42 %



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