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01.12.15 / 00:04
Heft 23/2015 Politik
Interview mit BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel

Zahnmedizin groß denken!

Zahnarzt light, große MVZ, Deregulierung – drei Stichworte, drei Tendenzen, die den Zahnärzten Unbehagen bereiten, aber von der Politik massiv gefördert werden. Zahnärztepräsident Dr. Peter Engel macht klar, wie wichtig es jetzt ist, aus dem rein zahnärztlichen Denken herauszutreten und sich Verbündete zu suchen.




zm: Herr Dr. Engel, warum ist der Masterplan Medizinstudium 2020 für die Zahnärzteschaft ein Reizthema geworden?

Dr. Engel: Wir sind mit dem Masterplan vor einigen Wochen konfrontiert worden, als wir einen Termin mit Bundesgesundheitsminister Gröhe wahrgenommen hatten, bei dem es eigentlich um den Stand der Novellierung der zahnärztlichen Approbationsordnung gehen sollte. Der Minister eröffnete uns jedoch im Gespräch, dass das BMG erst den Masterplan 2020 für das Medizinstudium umsetzen wolle, bevor es an die Verabschiedung der Approbationsordnung für die Zahnärzte geht.

Es gibt aus Sicht der Politik gute Gründe, den Masterplan nach vorne zu bringen. Man will unter anderem den Zugang zum Studium nun nicht mehr nur nach den Abiturnoten ausrichten, sondern weitere Zugangsmöglichkeiten eröffnen. Weiterhin soll nun mit dem Masterplan das Medizinstudium strukturmäßig verändert werden. Das heißt, das Physikum greift nicht mehr nach fünf Semestern, sondern nach sechs. Da läuten bei uns Zahnärzten alle Alarmglocken – das entspricht einem dreijährigen Bachelorstudium.

Also Tür auf für die Heilberufler „light“ sowie für die Akademisierung der Heilhilfsberufe?

Ja, das spricht eindeutig für die Akademisierung der Heilhilfsberufe. Aber jetzt mal ehrlich: Was ist denn mit den Ausbildungsinhalten? Welche Fähigkeiten werden in den ersten sechs Semestern vermittelt, um dann mit einem Bachelorabschluss die Leute als Ärzte oder Zahnärzte light mit Patienten in Berührung zu bringen? Sie haben weder eine praktische noch eine klinische Ausbildung, sie haben lediglich etwas über Chemie, Biochemie, Physiologie, Anatomie und ein bisschen Propädeutik gelernt. Ich sehe auch eine mögliche Tendenz, dass viele, die das Studium beginnen, dies nicht mit der Absicht tun, es zu Ende zu bringen, sondern nach sechs Semestern abgehen, ihren Bachelor haben und zum Beispiel Zahnarzt ersetzende Maßnahmen ausüben. Wir bekämen auf diese Weise ein großes Problem hinsichtlich der Kapazitäten bei den Studienplätzen – was ohnehin schon heute ein großes Thema in den Universitäten ist.

Die neue Approbationsordnung für Zahnärzte ist fertig, ruht aber seit Jahren in der Schublade – und wird nun vom BMG erneut verschoben. Stattdessen will man im Zuge des E-Health-Gesetzes das Zahnheilkundegesetz ergänzen und dort in einem neuen Paragrafen die Möglichkeit von Modellstudiengängen für die Zahnheilkunde einräumen. Was hat das für Konsequenzen für die zahnmedizinische Ausbildung an den Universitäten?

Das ist eine Notlösung, die mehr Probleme aufwirft als sie löst. Mangels einer neuen Approbationsordnung und im Hinblick darauf, dass die Universitäten „state of the art“ ausbilden wollen, sind sie im Prinzip gezwungen, die dem derzeitigen Stand der Wissenschaft entsprechende Ausbildung selbst in die Hand zu nehmen. Das heißt, sie kreieren Modellstudiengänge, deren Ergebnisse im Ernstfall für den Studenten keinen rechtlichen Bestand haben. Wir brauchen dringend die Approbationsordnung als rechtliche Grundlage für alle Bundesländer. Von hier aus – das ist ja im Entwurf der neuen Approbationsordnung beschrieben – ist es möglich, in Form von Experimentierklauseln den Universitäten die Möglichkeit zu geben, eigenständige Entwicklungen vorzunehmen.



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