sg
01.04.15 / 00:02
Heft 07/2015 Politik
Zweitmeinung

Zeitgemäß und sinnvoll


Beratung durch Case Manager

Die HMO-AG tritt, unter anderem für die BKK PwC, als Case Manager bei Zweitmeinungsverfahren auf. Erhält ein BKK- Versicherter eine Krebsdiagnose, kann er sich über ein Portal des Dienstleisters einloggen und Kontakt aufnehmen. „Über eine Online-Akte wird dann die Anfrage inklusive der Unterlagen des Patienten vom Case- Manager zum geeigneten Tumorboard übermittelt“, erklärt Dr. Udo Beckenbauer vom Vorstand der HMO-AG. Nach der Besprechung der Daten folgt die Einschätzung mit einer Behandlungsempfehlung als Zweitmeinung in der Online-Akte. Der Case Manager informiert den Patienten über das Vorliegen der Akte. Die Abrechnung der Leistung erfolgt zwischen HMO und Tumorboard sowie zwischen HMO und der Krankenkasse. „Es entspricht unserer Zeit, ein solches Verfahren anzubieten“, findet Beckenbauer. Schließlich werde in jeder Industrie eine zweite Meinung eingeholt.

Um die Sinnhaftigkeit von Zweitmeinungen zu untermauern, arbeitet die Felix-Burda-Stiftung gemeinsam mit der HMO an einer Studie zum Thema. Ersten Ergebnissen zufolge weicht die zweite Meinung in 50 Prozent der Fälle erheblich von der ersten ab. Bei kleineren Kliniken fernab der Metropolen wurden sogar bei 70 Prozent Abweichungen festgestellt. Die überwiegende Mehrheit der Patienten wechselte nach der Zweitmeinung die Therapie.

Massive Kostenersparnisse für Kassen

HMO-Vorstand Beckenbauer glaubt, dass sich auf längere Sicht für die Kassen massive Einsparungen durch Zweitmeinungsverfahren erreichen lassen. Denn Aufwendungen würden auf jene Bereiche beschränkt, die im Interesse einer optimalen Behandlung wirklich erforderlich sind. Eine erste Auswertung bei 50 Fällen habe zudem ergeben, dass bei höherwertiger Therapiequalität im Durchschnitt 3 000 Euro pro Teilnehmer eingespart werden konnten. Kostendämpfung durch die Vermeidung von Operationen darf es allerdings nach Ansicht von Dr. Ilona Köster-Steinebach, Referentin für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, nicht geben.

Die Bundesärztekammer begrüßt zwar grundsätzlich die Einholung von zweiten Meinungen. Allerdings liege den Plänen der Regierung die Intention zugrunde, die Patienten durch die Einholung einer Zweitmeinung vor möglichen Indikationsausweitungen zu schützen. „Zweitmeinungen als Korrektiv für finanzielle Fehlanreize können aber lediglich zur Dämpfung derartiger Auswirkungen führen, nicht jedoch die eigentlichen Probleme lösen“, heißt es in einer Stellungnahme der Kammer zum GKV-VSG. Wichtig sei letztlich, sich um die fachliche Qualifikation der Ärzte, die zweitmeinungsberechtigt sind, zu kümmern, um die Patienten zu schützen. Nach derzeitiger Vorgabe muss der Gemeinsame Bundesausschuss in einer Richtlinie Anforderungen an die Leistungserbringer festlegen, die diese erfüllen müssen, wenn sie eine Zweitmeinung abgeben. Die BÄK hält es hierbei für wichtig, dass sich der G-BA mit den Ärztekammern und der BÄK abstimmt.

Martina Merten
Fachjournalistin für Gesundheitspolitik
info@martina-merten.de



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