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16.10.11 / 00:07
Heft 20/2011 Praxis
Medizintourismus in deutschen Kliniken

Zuverlässig bis schwächelnd

Handy- und Smartphonenutzer wollen in guter Qualität telefonieren und schnell im mobilen Internet surfen – egal, wo sie sich gerade befinden. Auf dem Land soll die Verbindung genauso optimal sein wie in der Stadt, daheim genauso wie im Zug. Die deutschen Mobilfunkanbieter erfüllen diese Erwartungen unterschiedlich zuverlässig, haben Tests ergeben.




Mehr als 60 Millionen Handybesitzer gibt es in Deutschland, meldete der Branchenverband BITKOM Mitte September 2011, womit eine neue Rekordmarke erreicht sei. Ganz klar: Soviel Andrang erfordert starke Mobilfunknetze. Besonders vor dem Hintergrund, dass es sich laut BITKOM bei jedem dritten verkauften Gerät um ein Smartphone handelt. Smartphones sind auf mobile Anwendungen und Internetnutzung zugeschnittene Handys, die dementsprechend höhere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Mobilfunknetze stellen. Auf welche Anbieter Verlass ist, haben Stiftung Warentest und das Magazin „CHIP Online“ in zwei voneinander unabhängigen Tests ermittelt. Gut für Verbraucher: Bei den Ergebnissen waren sich die Prüfer weitestgehend einig.

Test hat mehrere Sieger

Die Deutsche Telekom kann sich freuen. Sowohl Stiftung Warentest als auch „Chip Online“ sahen sie in der Gesamtwertung auf dem ersten Platz. Bei Stiftung Warentest teilt sie sich den Sieg allerdings mit Vodafone. „Chip Online“ sieht diesen Anbieter auf Platz zwei. O2 wurde Dritter, Schlusslicht war in beiden Tests E-Plus.

Die Mobilfunkanbieter wurden in den Kategorien „Telefonieren“ und „Mobiles Internet“ getestet. Im Mittelpunkt standen Aspekte wie Sprachqualität, Verbindungsaufbau, Geschwindigkeit der Datenübertragung oder das Abspielen von Videos.

Netz auf dem Land instabil

Die deutschen Mobilfunknetze liefern laut Test insgesamt eine ordentliche Sprachqualität. In dieser Disziplin lagen die Deutsche Telekom und Vodafone vorne. „Chip Online“ vergab auch eine gute Note an E-Plus, Stiftung Warentest bewertete diesen Anbieter nur mit „befriedigend“. Bei O2 sahen beide Mängel.

In der Kategorie Verbindungsaufbau stellte „Chip Online“ auf dem Land durch die Bank Probleme fest: „Über alle Netzbetreiber hinweg ging die Rate der nicht zustande gekommenen oder abgebrochenen Sprachverbindungen nach oben“, heißt es. Gute Werte erzielten die vier Betreiber laut dem Magazin dagegen bei Telefonaten aus den ICE-Handywaggons auf den Hauptstrecken der Bahn. Bester Anbieter in dieser Disziplin war Vodafone. Fazit der Prüfer: Wer mit seinem Handy hauptsächlich telefonieren möchte, befindet sich bei allen Anbietern in guten Händen.

Die Datenrate schwankt

Schlechte Nachrichten für Nutzer, die mit ihrem Handy oder Smartphone außerhalb der Ballungsgebiete ins Internet gehen wollen: „Die Datenverbindungen auf dem Land sind durchweg langsamer als in den Städten“, urteilte Stiftung Warentest.

Beim Leistungsvergleich der einzelnen Anbieter untereinander stellten sowohl „Chip Online“ als auch Stiftung Warentest ein starkes Gefälle fest. Am besten surfen ihnen zufolge die Kunden von Vodafone und Telekom im Netz, es folgen O2 und – weit abgeschlagen – E-Plus.

„Das Telekom-Netz zeigt im Test knapp die beste Netzverfügbarkeit und liefert bei großen Dateidownloads die höchsten Datenraten. Vodafone lockt dagegen Vielsurfer vor allem in ländlichen Gefilden mit etwas kürzeren Wartezeiten beim Laden von Webseiten“, resümierte Stiftung Warentest. Auch O2 lässt seine Kunden beim Surfen im Internet nicht im Stich, stellte „Chip Online“ fest. Die Erfolgsquoten seien mit durchgängig mehr als 95 Prozent „recht gut“. Die Nutzer brauchten allerdings etwas Geduld, denn das O2-Netz lasse sich „mit dem Ausliefern der Webseiten deutlich mehr Zeit als die Telekom oder Vodafone“.

Schlechte Note für E-Plus: Von einem guten Datennetz sei der Anbieter derzeit noch ein ganzes Stück entfernt, heißt es. Als Beispiel nannten die „Chip Online“-Redakteure die durchschnittlichen Datenraten bei der Smartphone-Nutzung. Der Anbieter habe das erklärte Ziel, Datenraten von mindestens einem Megabit pro Sekunde zu bieten. Laut der Download-Messungen der Tester gelingt das allerdings derzeit selbst in gut versorgten Innenstadtlagen nur in 48 Prozent der Fälle.

Zurzeit sind UMTS-Netze der Top-Standard für den Mobilfunk. Besonders schnell läuft die Datenübertragung, wenn der Anbieter sein UMTS-Netz mithilfe des so genannten High Speed Packet Access (HSPA+) aufrüstet. Noch leistungsfähiger arbeiten LTE-Netze (kurz für Long Term Evaluation). Ein Vergleich: Mit HSPA+ sind Datenübertragungsraten von bis zu 21 Megabits pro Sekunde (MBit/s) möglich. LTE bringt es unter optimalen Bedingungen auf bis zu 100 MBit/s. Theoretisch sind sogar 300 MBit/s möglich.

Die Mobilfunkanbieter treiben den Ausbau ihrer LTE-Netze zur Zeit stark voran, noch sind sie aber nur vereinzelt verfügbar. Wer in den nächsten Jahren einen neuen Handyvertrag abschließt, sollte deshalb darauf achten, wie stark der Anbieter auf den neuen Funkstandard setzt.

Susanne Theisen
Freie Journalistin in Köln und Berlin
info@susanne-theisen.de

INFO

Mobilfunk und Strahlenbelastung

Problem der Mobilfunktechnik: es wirken hochfrequente elektromagnetische Felder auf den Körper. Die entstehende Belastung wird durch die so genannte spezifische Absorptionsrate (SAR) bemessen. In Deutschland liegt der maximal zulässige SAR-Wert bei 2 Watt pro Kilogramm. Denn die langfristigen gesundheitlichen Folgen der Mobilfunkstrahlung sind nach Informationen des Fachinstituts für Elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt nicht befriedigend geklärt. Unklar sei auch, ob eher die Strahlung der Mobiltelefone oder der Basisstationen schädlich ist. „Hinweise gehen in die Richtung, dass durch die kurzzeitigen, aber hohen Belastungen durch das am Kopf gehaltene Handy eher Turmorerkrankungen und degenerative Gehirnerkrankungen gefördert werden und durch die niedrige Dauerbelastung durch Basisstationen eher neurologische Effekte wie Konzentrations- und Schlafstörungen“, heißt es. Die Höhe der Belastung durch das Handy richte sich nach den Strahlungseigenschaften des Handys und ganz entscheidend auch nach der Qualität der Verbindung zur nächsten Basisstation.“

Aktuelle Informationen über die Strahlung verschiedener Handymodelle finden Verbraucher unter www.handywerte.de




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