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01.01.05 / 00:12
Heft 01/2005 Politik
7. Thüringer Zahnärztetag in Erfurt

Zwischen Composite und Keramik

Mehr und mehr ersetzen Composite und Keramiken die Metalllegierungen. Ihr Vorteil liegt, so der wissenschaftliche Leiter des 7. Thüringer Zahnärztetages Prof. Dr. Bernd Klaiber, nicht vorrangig im Ersatz „schwarzer“ durch „weiße“ Füllungsmaterialien. Entscheidend sei vielmehr die Möglichkeit, „dass bei der Restauration mit Composite weit weniger gesunde Zahnsubstanz geopfert werden muss“. 24 Plenarvorträge, elf Seminare und ein Workshop rund um das Generalthema „ZahnMedizin zwischen Composite und Keramik“ zogen am 26. und 27. November 2004 über 1 400 Teilnehmer zum Thüringer Zahnärztetag nach Erfurt.




„Gute Fortbildung kostet gutes Geld“, betonte Thüringens Zahnärztekammerpräsident Dr. Lothar Bergholz in seiner Eröffnungsrede zum 7. Zahnärztetag und fügte ausdrücklich hinzu, „dass diese gute Fortbildung auch von uns Zahnärzten selbst getragen wird“. Die Teilnehmerzahlen seien Beleg, „dass freiberufliche Zahnärztinnen und Zahnärzte sich ohne Zwangsfortbildung lebenslang weiter qualifizieren“. Das funktioniere auch „ohne extra Gesetz bestens“. Kritisch wertete Bergholz die gesundheitspolitische Gesamtlage. Die gegenwärtige Honorarsituation mache deutlich, „dass im Vordergrund der GKV nur noch der kollektive Anspruch an der Verteilung der Gesamtvergütung steht“. Die Ablösung des Honorars von der Leistung sei inzwischen per Gesetz vollzogen. Es sei paradox, dass wegen Bindung der Finanzierung der Gesundheits- und Sozialsysteme an die Arbeitskosten künftig jeder medizinische Fortschritt zur weiteren Belastung des Arbeitsmarktes führen werde. Als funktionsfähige Alternative dagegen stellte Thüringens Kammerpräsident das zahnärztliche Modell einer präventionsorientierten Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde mit Kostenerstattung und Festzuschüssen.

Die Diskussion um den Zahnersatz sei für die Politik Mahnung genug, dass „wankelmütige Entscheidungen zur Verunsicherung der Bevölkerung führen“. Die beabsichtigten Neuregelungen sollten „den demografischen Prozess berücksichtigen, soziale Aspekte beachten, fairen Wettbewerb .... zulassen, das Beitragsaufkommen vom Faktor Arbeit abkoppeln und dem medizinischen Fortschritt Raum geben“.

Technische Chancen nutzen

Ein Standpunkt, dem Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus weitgehend folgte: Im Sozialsystem sei in den letzten Jahrzehnten eine dauerhafte Schieflage entstanden, die Korrekturen erfordere: „Wir leben über unsere Verhältnisse, und das schon seit Jahren, wir ruinieren uns.“ Erforderlich sei, die grundsätzlichen Gesundheitsleistungen zu definieren und den Wettbewerb zwischen den Kassen zu schaffen. Althaus warnte: „Der Sozialstaat darf nicht zum Stein am Hals des Wachstums werden.“ Die Politik brauche einen Neuansatz für die Rahmenbedingungen, forderte der Ministerpräsident vor den Teilnehmern des Zahnärztetages.

Dass der Gesetzgeber diesen Rahmen mit dem GKV-Modernisierungsgesetz in der Fortbildung unnötig eng gesetzt hat, zeigten Thüringens Zahnärzte und ihre Praxismitarbeiter durch ihre auch in diesem Jahr hohe Bereitschaft, das Fortbildungsangebot wahrzunehmen. Ausgewiesene Kapazitäten aus Deutschland und der Schweiz stellten weitgehend praxisnah den aktuellen Stand in der Entwicklung von Adhäsivsystemen, Dentalkeramiken, aber auch Laser- und Ozontherapie und deren Verwendungsmöglichkeiten „in praxi“ zur Diskussion.

Der wissenschaftliche Leiter Prof. Klaiber zum Generalthema: „Die Anwendung von Compositen im Seitenzahnbereich anstelle von Amalgam ist heute wesentlich sicherer geworden.“ Allerdings, so der Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie in Würzburg, „werden diese Chancen der Adhäsivtechnik nicht immer in vollem Umfang wahrgenommen und genutzt“. Dabei markiere die minimalinvasive Restaurationstherapie „den eigentlichen Fortschritt in der restaurativen Zahnheilkunde“ und lasse die „Blackschen Präparationsregeln an Bedeutung verlieren“. Klaiber warnte aber angesichts immer wieder neuer Materialien und Techniken „zunächst zu kritischer Zurückhaltung“. Ein „gesundes Unsicherheitsgefühl biete Schutz vor unnötigem Misserfolg“. Viele der angesichts dieser Hintergründe offenen Fragen wurden im Rahmen angeregter Diskussion beantwortet.



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