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16.08.11 / 00:09
Heft 16/2011 Zahnmedizin
Toxikologie

Zytotoxizität von Prothesenklebern

Die Literaturlage hinsichtlich der Biokompatibilität von Prothesenklebern ist nicht ausreichend. Die wenigen durchgeführten Studien lassen jedoch einige unerwünschte Reaktionen der oralen Strukturen gegenüber den Prothesenklebern vermuten.



Einsatz eines Prothesenklebers Foto: Dr. Wolgin

Den Berichten der Medizinprodukthersteller zufolge benutzen täglich 15 bis 33 Prozent der Prothesenträger Haftmittel. Die Biokompatibilität von Prothesenklebern ist jedoch nicht ausreichend untersucht. In einer In-vitro-Studie wurden zehn kommerziell erhältliche Prothesenkleber bezüglich ihrer Zytotoxizität getestet: Corega Creme (Stafford Miller, Dungarvan CO., Waterford, Irland), Protefix Creme (Queisser Pharma, Flensburg), Steradent Creme (Reckitt Benckiser, Mannheim), Novafix Creme (Vitafarma, Haarlem, Niederlande), Polident Creme (Stafford Miller), Kukident Creme (Procter & Gamble, Genf), Aderyn Pulver (Sociedade Farmacêutica Gestafarma), Corega Pulver (Stafford Miller), Protefix Pulver (Queisser Pharma), Corega Pad (Stafford Miller). Hierzu wurden im direkten Verfahren Fibroblasten (L929) auf den oben genannten Produkten kultiviert. Im indirekten Verfahren wurden die Zellen in den Medien kultiviert, die die gelösten Produkte enthielten (0,5 bis 2 Prozent Creme; 0,25 bis 1 Prozent Pulver und Pad). Die Zytotoxizität wurde mittels des MTT-Tests und durch Beobachtung des F-Aktin-Zytoskeletts im konfokalen Laser-Scanning-Mikroskop untersucht. Anschließend wurde mittels des Student’s-Tests statistisch ausgewertet. Der direkte Kontakt der Zellen mit den Prothesenklebern verursachte keine oder nur sehr geringe Veränderungen der Zellproliferationsrate und der Lebensfähigkeit der Zellen. Die Extrakte der Kleber, insbesondere solche, die unter dynamischen Konditionen hergestellt worden sind, verursachten dagegen eine signifikante Inhibition der Fibroblasten. Zusätzlich wurde die Zersetzung des F-Aktin-Zytoskeletts beobachtet. Angesichts des relativ einfachen Designs lässt sich die klinische Relevanz der Studie noch nicht gänzlich ermitteln. Bei der klinischen Anwendung scheint die Toxizität von dentalen Produkten zwar generell niedriger zu sein als in einer In-vitro-Untersuchung. Die Medizinprodukthersteller sind ständig bemüht, die Biokompatibilität zu optimieren.

Quelle: de Gomes PS, Figueiral
MH, Fernandes MH, Scully C.:
Cytotoxicity of denture adhesives.
Clin Oral Investig 2010; (in press)
published online: DOI
10.1007/s00784-010-0464-0.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20844908

Dr. Michael Wolgin
Charité-Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum 3 für ZMK
Abt. für ZE und Parodontologie
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin
michael.wolgin@charite.de



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