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12.01.16 / 13:36
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Der Zoff um den Zucker

Gesunde Ernährung für alle! Das ist das erklärte Ziel der Politik. Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten sollen reduziert werden. Die Grünen bezweifeln jedoch, dass die Pläne konsequent umgesetzt werden.



Die von der Bundesregierung beschlossene Reduktionsstrategie soll Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten reduzieren. Die Opposition wirft dem federführenden Landwirtschaftsminister Planlosigkeit vor. gena96 - Fotolia

Am 11. Juni vergangenen Jahres beschloss der Bundestag, gegen ungesunde Lebensmittel vorzugehen. Zwei Millionen Euro stehen für die Nationale Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett im Essen  2016 bereit. Ende des Jahres soll die Reduktionsstrategie anlaufen.

Lediglich freiwillig teilweise...

Die Grünen sind aber der Meinung, dass die Pläne nicht konsequent verfolgt werden, da konkrete Gespräche mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Handel laut Regierungsinformationen bislang nicht stattgefunden haben. Zudem soll die Nahrungsmittelindustrie vorerst lediglich freiwillig teilweise auf die Risikofaktoren in ihren Produkten verzichten.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) habe keinen Plan, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Nicole Maisch. "Wir erwarten, dass noch in dieser Legislatur erste Reduktionsschritte umgesetzt werden. Schmidts übliche Taktik, sich mit Aussitzen und endlosem Einholen von immer neuen Studien um politisches Handeln herumzudrücken werden wir ihm bei diesem Thema nicht durchgehen lassen", sagte sie der Ärzte Zeitung.

Auf eine Kleine Anfrage der Grünen räumte die Bundesregierung ein, dass Fett, Zucker und Salz  nachweislich an der Entstehung von Herz-Kreislaufkrankheiten und Diabetes beteiligt seien. Eine Reduktionsstrategie werde sich jedoch nicht unmittelbar auf den Krankenstand in der Bevölkerung auswirken. Schließlich müssten sich auch das Konsumverhalten und das Ernährungsbewusstsein ändern

Zu süß, zu fett, zu salzig

Wie Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zeigen, ernähren sich die Deutschen zu süß zu fett und zu salzig. So liege die Natriumaufnahme über Salz bei Männern um das Siebenfache und bei Frauen um das Fünffache über dem Tagesbedarf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, nur fünf Prozent - also täglich nicht mehr als 25 Gramm Zucker für Erwachsene - des Energiebedarfs mit freiem Zucker* zu decken. In Deutschland nimmt der Durchschnittsbürger knapp 100 Gramm pro Tag weit mehr zu sich.

Große Handelsgruppen auch außerhalb Deutschlands wollen ihre Produkte prüfen. Laut Regierung hat ein Drittel der Unternehmen bereits vor zehn Jahren etwa die Hälfte seiner Produkte mit neuen Rezepturen versehen. Die Zuckerlobby sieht die politische Aktivitäten in Europa und Deutschland weiterhin kritisch - und versucht Abgeordnete davon zu überzeugen, dass Zucker nicht dick macht.

Freier Zucker ist Traubenzucker (Glucose, Dextrose), Fruchtzucker (Fructose), Haushaltszucker (Saccharose) sowie Malzzucker (Maltose) oder auch Zucker der in Honig, Sirups, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten vorkommt. Freie Zucker werden von Verbrauchern selbst den Nahrungsmitteln und Getränken zugefügt (zum Beispiel Honig im Müsli), sie kommen aber auch in vielen verarbeiteten Lebensmitteln (wie Fertiggerichten) vor.


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