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02.01.17 / 10:59
Interview

"Dentalfotografie bietet unendliche Möglichkeiten"

Die digitale Fototechnik hat sich in der Zahnmedizin längst etabliert - erfordert aber viel Know-how. Wie ästhetisch anspruchsvolle Dentalaufnahmen gelingen, erklärt Dr. Steffen Rieger.



Einen vollständigen Fotostatus für die Routinedokumentation zu erheben, ist mit Hilfe der Dentalfotografie und dem nötigen Know-how sehr gut möglich. Rieger

Herr Dr. Rieger, die Dentalfotografie mit einer Spiegelreflexkamera gilt als „Goldstandard“. Warum sind Kamerasysteme, wie Kompaktkameras, Smartphonekameras und Bridgekameras, nicht unbedingt geeignet?

Dr. Steffen Rieger: In der Dentalfotografie gilt die digitale Spiegelreflexkamera (SLR) mit einem passenden Makroobjektiv und einem dazugehörigen Blitzsystem zu Recht als Goldstandard, wenn es um die Herstellung reproduzierbarer und in ihrer Qualität vorhersagbarer Fotos geht. SLR-Kameras bieten die vollständige Kontrolle über den fotografischen Prozess, sie bieten die beste Bildqualität und ein vielfältiges Ausrüstungsangebot speziell für die Fotografie im Nahbereich. Mit Kompakt- und Bridgekameras können allenfalls Teilbereiche der dentalen Fotografie abgedeckt werden, sie stellen immer einen Kompromiss dar. Es fehlen spezielle Makroobjektive oder Blitzsysteme.

Welche Parameter spielen bei der Dentalfotografie außerdem eine Rolle?

Neben der erforderlichen Ausrüstung (digitale SLR, Makroobjektiv, Blitzsystem) sind bei der intraoralen Fotografie bestimmte Standardeinstellungen am Kameragehäuse zu wählen, um zu guten Aufnahmen zu gelangen. Der Aufnahmemodus wird auf „M“ (wie manuell) eingestellt; damit werden alle Programmautomatiken der Kamera abgeschaltet. Man stellt die Belichtungszeit auf eine Synchronzeit von ca. 1/200 s und die Blende auf 22 (bis 32) ein.

Bei gegebenem Abbildungsmaßstab bestimmt die Blende das Ausmaß der Schärfentiefe. Je kleiner die Blendenöffnung ist (das heißt je größer die Blendenzahl ist), desto größer ist die Schärfentiefe. Eine hohe Blendenzahl wie 22 ergibt somit scharfe Detailaufnahmen. Weiterhin stellt man die Lichtempfindlichkeit auf ISO 100 und den Weißabgleich auf „Blitz“ beziehungsweise bei manchen Kameras auf „Tageslicht“ ein.

Außerdem kann eine Belichtungskorrektur von +1/3 Blendenstufen sinnvoll sein, falls die Bilder zu dunkel erscheinen. Diese Einstellungen kann man je nach Kameratyp als persönliche Voreinstellung abspeichern. So eingestellt ist das Kamerasystem jederzeit startklar für intraorale Aufnahmen.

Auch die richtige Beleuchtung ist bedeutsam. Können Sie die Beleuchtungssysteme kurz erläutern?

Lichtquelle der Wahl für die Dentalfotografie ist das Blitzgerät. LED-Dauerlichtquellen haben den Vorteil, dass sie die Mundhöhle beim Einstellen der Kamera gut ausleuchten, sie können jedoch Probleme bezüglich der Farbwiedergabe machen und bieten häufig eine nicht ausreichende Lichtmenge, so dass die Blende sehr weit geöffnet (=geringere Schärfentiefe) werden muss. Für die Dentalfotografie sind sowohl Ring- als auch Lateralblitze geeignet.

Der Ringblitz kann als „Allrounder“ gesehen werden; er ermöglicht eine schattenlose und direkte Ausleuchtung der Mundhöhle auch in schwierigen Situationen bei einfachem Handling und guter Farbwiedergabe. Durch die schattenlose Ausleuchtung resultiert allerdings ein kontrastarmes und „flaches“ Bild. Im Frontzahnbereich können störende Reflexionen auftreten.

Mit Lateral- oder Zangenblitzen erzeugt man eine seitliche Lichtführung und schafft somit die für die plastische, dreidimensionale Wirkung erforderlichen Schatten. Das Bild erscheint kontrastreicher und brillanter. Nachteilig ist das schwierigere Handling, da das Blitzsystem je nach Aufnahmesituation unterschiedlich ausgerichtet werden muss. Für den Routineeinsatz empfiehlt sich eher der Ringblitz.


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