dg
14.03.17 / 11:57
Interview

"Der einfache Grundsatz lautet: Chancengleichheit!"

Vernachlässigt, krank, ungebildet - das ist das Schicksal vieler Kinder, besonders der Mädchen, in Indien. Die gelernte Krankenschwester Marianne Frank-Mast gibt ihnen mit ihrem Verein Mädchenschule Khadigram ihr Leben zurück. Für das "Zahncamp" sucht sie jetzt engagierte Zahnärzte.




Frau Frank-Mast, Sie suchen einen Zahnarzt für Hilfseinsätze in Indien. Was muss er an Eigenschaften, Zeit und Arbeitsgeräten mitbringen? 

Marianne Frank-Mast: Da wir uns in einem anderen Kulturkreis aufhalten, sind besonders Empathie und Geduld gegenüber dem Patienten bezüglich der Beschwerdeschilderung notwendig. Interessierte Zahnärzte sollten ab Anfang Oktober 2017 etwa zehn Tage Zeit mitbringen. Während des Einsatzes arbeiten wir für gewöhnlich etwa zehn Stunden. Selbstverständlich mit Pausen. Eine Hepatitis-Prophylaxe sowie Tetanus- und Polio-Impfung im Vorfeld sind dringend erforderlich.

Arbeitsgeräte, wie zahnärztliche Instrumente und Bohrer, sind vorhanden. Allerdings fehlen Handstücke. Unser befreundeter Zahnarzt brachte immer seine eigenen Handstücke und Lokalanästhetika sowie eine zugehörige Spritze für Ampullen mit, da in Indien häufig Fake-Produkte verkauft werden. Wir verfügen leider nicht über eine solche Spritze.

Marianne Frank-Mast aus Althütte in Baden-Württemberg reiste in den 1970er-Jahren zum ersten Mal nach Indien. Die ehemalige OP-Schwester sich im sozial-medizinischen Bereich und stellte fest, "dass es zu keiner Veränderung in den Köpfen der Menschen führt, wenn allein medizinische Hilfe angeboten wird. Es bedarf mehr." privat

Mit welchen medizinischen/zahnmedizinischen Befunden werden Helfer häufig konfrontiert?

Zu den allgemeinmedizinischen Befunden zählen Hauterkrankungen, bedingt durch mangelnde Hygiene und Kontakt mit Reiz und Giftstoffen, da die Menschen Müll sammeln beziehungsweise auf Müllbergen leben. Selten kommen HIV, AIDS, Tuberkulose, Lepra. Andere übliche Infektionskrankheiten, wie wir sie aus Deutschland kennen, kommen ebenso häufig vor wie bei uns. Auch Hepatitis ist weit verbreitet, da die Wasserhygiene mangelhaft ist. Außerdem sieht man behandlungsbedürftige Verletzungen aller Art.

Aus zahnmedizinischer Sicht kann man unvorstellbar desolate, kariöse und lückenhafte Gebisse sehen, da Mundhygiene - auch aus Armutsgründen und Unwissenheit - in aller Regel mangelhaft durchgeführt wird und die Abwehrlage der Menschen durch Mangel- und Fehlernährung schlecht ist. Oft werden Stöckchen für die Zahnreinigung benutzt. Die Fasern verletzen das empfindliche Zahnfleisch. Häufig  Entzündungen sind die Folge.

Durch Vereiterungen sieht man immer wieder Fistelbildungen. Oft bleibt nur die Extraktion des betreffenden Zahns. Zudem muss die Fistel behandelt werden. Da die Mundhygiene im Allgemeinen schlecht ist, stellt die Zahnsteinbildung ein Problem dar. Auch Parodontitis ist keine Seltenheit, sondern die Regel.

Für die Menschen vor Ort ist ein Zahnarzt finanziell unerreichbar. Sie gehen zu den am Straßenrand „operierenden“ Barbieren, die weder über irgendeine medizinische Kompetenz verfügen, noch über adäquates Instrumentarium. Von Sterilität wollen wir erst gar nicht reden.

Welche Kosten kommen auf freiwillige Helfer zu?

Helfer übernehmen die Kosten für den Flug und das Visum. Der Verein stellt hierfür Spendenbescheinigungen aus. Unterkunft und Verpflegung vor Ort werden vom Verein gestellt.
 


Kommentare

Leserkommentare (0)

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können
Werblicher Inhalt