sf/sp
01.12.16 / 10:00
Interview

Der neue DGZMK-Präsident im Interview

Prof. Dr. Michael Walter (Dresden) leitet ab sofort vier Jahre lang die Geschicke der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Über seine Vorhaben, Quoten und den zahnmedizinischen Nachwuchs spricht er im Interview.



Prof. Michael Walter ist Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Uniklinik Dresden/ G. Bellmann

zm-online: Herr Prof. Walter, welche Themen haben Sie auf der Agenda für Ihre Amtszeit platziert?

Michael Walter: Die DGZMK soll die deutlich vernehmbare Stimme der Wissenschaft in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde als Ganzes sein. Diese Klammerfunktion möchte ich so erfolgreich wie bisher wahrnehmen, denn sie macht unser Fach auch nach außen stark. Natürlich werde ich alle laufenden Aktivitäten und Projekte in Kontinuität weiterführen.

Dabei sehe ich die Forschungsförderung als eine zentrale Aufgabe. Die wissenschaftliche Basis für die Zahnmedizin der Zukunft muss durch experimentelle Forschung, klinische Forschung und Versorgungsforschung weiter ausgebaut werden.

Genauso gehört aber auch der Transfer des aktuellen Wissens in die Praxis zu unseren Kernkompetenzen. Wir tragen dem mit Leitlinien und Wissenschaftlichen Mitteilungen Rechnung, aber natürlich auch durch qualitativ hochwertige Fortbildung, die wir über die Akademie Praxis und Wissenschaft anbieten. Ich möchte natürlich auf die neue Wissensplattform owidi der DGZMK hinweisen, mit der wir ein umfassendes Wissens- und Fortbildungsangebot machen wollen.

Die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde als medizinische Disziplin unter Berücksichtigung unserer Eigenständigkeit und Spezifika fort zu entwickeln, ist eine weitere Herausforderung.

"Die wissenschaftliche Basis muss weiter ausgebaut werden"

Last but not least möchte ich betonen, dass ich die gemeinsame und erfolgreiche Arbeit mit der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung fortsetzen werde. Das bezieht sich auf den Deutschen Zahnärztetag als zentrale Gemeinschaftsveranstaltung der Zahnärzteschaft, aber auch auf die vielen anderen gemeinschaftlichen Aktivitäten und Projekte. Epidemiologische Situation, Bedarfe und Medizin verändern sich ebenso wie Gesellschaft und nationale und internationale Rahmenbedingungen. Jede der großen zahnärztlichen Organisationen hat dabei ihre spezifische Sicht.

Die Vertretung der Wissenschaft durch die DGZMK erweist sich hier als besonders wertvoll. Wir können den stetigen Wandel umfänglich wissenschaftlich begleiten und beeinflussen. Nur wenn BZÄK, KZBV und DGZMK konstruktiv zusammenarbeiten, können wir langfristig optimale Ergebnisse für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die Zahnärzteschaft und natürlich Bürger und Patienten erreichen.

Wie beurteilen Sie denn den Entwurf zur Novellierung für die 60 Jahre alte Approbationsordnung?

Die DGZMK begrüßt ausdrücklich, dass das Verfahren zur Einführung einer neuen Approbationsordnung nun so zügig vorangetrieben wird. In der Grundstruktur und der geforderten Anpassung der Betreuungsrelation im klinischen Unterricht wurde weitgehend den Vorschlägen der Zahnärzte gefolgt.

Wenn man sich näher mit dem Entwurf beschäftigt, zeigt sich noch eine Reihe von Problemen, die es im weiteren Verfahren zu beheben gilt. Dabei muss ganz klar gesagt werden, dass eine kostenneutrale Umsetzung der neuen Approbationsordnung sowohl in der Übergangsphase als auch danach kaum realisierbar erscheint. Hier müssen zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. Diesbezüglich sind wir uns mit der Vereinigung der Hochschullehrer (VHZMK) und der Bundeszahnärztekammer einig.

Sicher ist die nunmehr angestrebte Angleichung der Curricula von Medizin und Zahnmedizin in der Vorklinik grundsätzlich wünschenswert. Sie führt allerdings auch zu einer reduzierten praktischen Ausbildung in dieser Phase des Studiums. Das war bekannt. Das zentrale Problem liegt doch auf der Hand. Ein Medizinstudium dauert sechs Jahre, das Zahnmedizinstudium fünf. Wir haben also ein Jahr weniger zur Verfügung und müssen zusätzlich eine sozusagen fachärztliche Grundausbildung mit operativen Anteilen leisten.

Eine postgraduale Facharztweiterbildung gibt es bei uns nur in sehr eingeschränkter Form. Wenn man das Gesamtpaket von Aus- und Weiterbildung betrachtet, ist eigentlich klar, dass man an Grenzen stoßen und Kompromisse eingehen muss. Manchmal erinnert mich das Ganze an die Quadratur des Kreises.


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