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16.05.17 / 13:13
Interview

Vielleicht klappt's mit Hypnose!

Dr. Gerhard Schütz ist mit einer Zahnärztin verheiratet. Bei den "schwierigen Fällen" kommt er ins Spiel. Der psychologische Psychotherapeut weiß, wie man Patienten behandlungsfähig macht und erklärt im Interview die Chancen und Risiken der Hypnose in der Zahnarztpraxis.




zm-online: Leichte, mittlere oder tiefe Trance: Was bietet sich für die zahnärztliche Behandlung an?

Dr. Gerhard Schütz: Der entscheidende Punkt ist die Behandlungsfähigkeit. Ist diese durch eine leichte Trance gegeben, dann reicht das. Häufig ist das der Fall. Mittlerweile gibt es aber auch Induktionsformen, mit denen man relativ schnell eine mittlere oder tiefe Trance einleiten kann, wenn das nötig ist, um den Patienten behandlungsfähig zu machen.

In der Zahnarztpraxis dominiert die indirekte Methode. Beiläufig, fast unmerklich, wird dabei innerhalb eines Gesprächs ein veränderter Bewusstseinszustand eingeleitet. Was passiert hier genau?

Letztendlich dreht sich alles um die Aufmerksamkeit des Patienten. Die Aufmerksamkeit ist das A und O von jedem kommunikativen Prozess. Wenn der Patient seine Aufmerksamkeit auf mögliche Schmerzen richtet, fühlt er sich im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung schlecht. Und dann sieht er noch den Zahnarzt mit seinen Instrumenten. Folglich sollte die Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes gelenkt und das Aufmerksamkeitsscharnier hypnotisch eingeölt werden.  Das macht man mit hypnotischen Kommunikationsfertigkeiten. Gelingt das, kann man den Patienten behandeln. Ziel ist immer, eine Behandlungsfähigkeit herzustellen.

Über positive Dinge sprechen kann doch jeder. Ab wann ist das Hypnose?

Das verlangt, dass man weiß, wie man genau spricht und welche Worte man benutzt. Die Tonalität ist wichtig. Der Patient muss auf eine bestimmte Weise vorbereitet werden und man muss wissen, wie man den hypnotischen Zustand, den man eingeleitet hat, auch wieder korrekt ausleitet. Das alles muss man lernen. Mittlerweile gibt es tausende Zahnmediziner in Deutschland, die in Hypnose fortgebildet sind.

Welche Rolle spielt die Persönlichkeit des Patienten für den Erfolg der Hypnose?

Es gibt einen Suggestivitätsscore – also ein Maß für die subjektive Empfänglichkeit für Suggestionen. Das ist etwa bei 90 bis 95 Prozent der Patienten gegeben. Die kann man mit unterschiedlichsten Suggestionsformen in einen hypnotischen Zustand überführen. Bei den anderen fünf bis zehn Prozent ist es schwieriger. Diese Menschen können schwer in eine imaginative Welt tauchen, sie können nur schwer innere Bilder sehen. Ihr Hirn arbeitet anders. Die Menschen sind zwar in einen anderen Zustand überführbar, aber dafür braucht man länger. Das ist in der Zahnarztpraxis schwer zu machen.

Betrifft das auch Autisten?

Autisten sind schwer zu behandeln. Sie verstehen diese „als-ob-Welt“ schwerer, weil sie Schwierigkeiten haben, sich in Lebenssituationen einzufühlen. Hier muss man aber aufpassen. Es gibt sehr viele Schattierungen von Autismus. Das Krankheitsbild ist fließend.


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