Dr. Jörg Augenstein M.A.
14.02.17 / 00:00
Leserbriefe

Die Kollegen sind zu bedauern



Sergey Nivens - Fotolia

Zum Titel „ERGO Direkt/2te-ZahnarztMeinung – Ein Geschäftsmodell spaltet“, zm 3/2017, S. 18–22

Wenn ich die Gründe für das „GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz“ richtig verstanden habe, dann war es das Fehlverhalten eines Einzelnen und ein Mangel an demokratischer Kontrolle. So ist es auch hier: Einzelne schaden der Profession, während die Mehrheit hart und fair mit und für ihre Patienten arbeitet.
Prof. Maio hat es ja gerade erst geschrieben, dass diejenigen, die sich ernsthaft und ethisch mit dem Patienten befassen und dies nicht nur unter monetären Aspekten tun, letztlich als Verlierer im System dastehen.

Wer seine Patienten im Sinne des BEMA vollumfänglich versorgt, wird über kurz oder lang von Budget und Degression enteignet und bestraft, er wird als Ausbeuter des Sozialsystems gebrandmarkt und hat keine Lobby in der eigenen Standesvertretung. Abdingungen, auch wenn die vorgeschlagenen Behandlungen keinen Mehrwert für den Patienten erkennen lassen, stehen in einem anderen Lichte da.

Lage und Ort einer Praxis haben sicher etwas mit dem Anteil an Privatpatienten und der Inanspruchnahme von hochpreisigen Leistungen außerhalb des BEMA zu tun. Aber auch die anderen Patienten müssen gut versorgt werden. Die Privatliquidation, das 2. Pferd unserer Einnahmenseite, sollte nicht zu Tode geritten werden. Notwendigkeit der Behandlung, Preis und Benefit für den Patienten sind unser Renommee, das Vertrauen der Patienten auf unseren Rat ist eines unserer höchsten Güter!

Prof. Staehle hat schon vor Jahren von einer auseinanderklaffenden Über- und Unterversorgung gewarnt. Nicht jede von der Industrie oktroyierte Neuerung führt, außer zu höheren Kosten, auch zu einem medizinischen Mehrwert für den Patienten. Hinzu kommt, dass durch die unwissenschaftlich begründete Ausweitung von Regeln und politisch populistischen Vorschriften der eigentlichen Behandlung des Patienten immer mehr Zeit und Geld entzogen wird.

Hier kommen jetzt die Retter wie Herr Lehmann und andere Dienstleistungsanbieter ins Spiel: Sie bieten sich an – helfend, klärend – und vermitteln uns, auch unsere Patienten zu unterstützen. Natürlich gegen weiteres Bares. Dass dies alles nicht mehr aus eigener Kraft händelbar sein soll, dafür sorgt schon eine mediale Vorarbeit und Begleitung, leider auch in den Fachmedien.

Was ist eigentlich mit dem Antikorruptionsgesetz, dass angeblich normales wirtschaftliches Verhalten in den Praxen persifliert? Lässt es zu, dass man sich gegen Bezahlung Patienten zuweisen lässt? Wurde das geprüft?

Ich bedaure die Kollegen und Kolleginnen, denen es so schlecht geht, dass sie bei solchen Auktionen mitmachen müssen. Vielleicht sollten sie mal die anderen Parameter ihrer zahnärztlichen Tätigkeit genauer unter die Lupe nehmen und hinterfragen, warum ihre Situation sie dazu zwingt.

Dr. Jörg Augenstein M.A.,
Pforzheim


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