Jochen Plate
01.06.17 / 00:00
Leserbriefe

Kritik an Looman: "Für die PKV spricht mehr!"

Eigentlich ist Jochen Plate ein großer Fan der Kolumne von Volker Looman. Dessen Vergleich von GKV und PKV im Heft 8/2017 hält er jedoch für unlauter, unzulässig und unvollständig".



Leser Jochen Plate sorgt sich, dass die GKV-Bewertung unseres Kolumnisten Volker Looman ihm den Ruf eines unbelehrbaren Sozialromantikers einbringt. privat

Zur Kolumne: „Volker Looman über die Qual der Wahl der ‚richtigen Krankenkasse‘: Auch Zahnärzte werden Väter“, zm 8/2017, S. 86

Ich bin ein großer Fan Ihrer Kolumne in den zm und konnte bisher alles genauso „unterschreiben“. In der zm 8/2017 allerdings vergleichen Sie die GKV und die PKV allein unter monetären Aspekten. Das ist meines Erachtens nach unlauter, unzulässig, unvollständig und führt dadurch zu falschen Rückschlüssen.
Ich freue mich mit Ihnen, dass Sie Ihre Entscheidung für die GKV (zumindest bisher) nicht bereut haben und wünsche Ihnen von Herzen, dass dies so bleibt. Vermutlich liegt es an Ihrer unverwüstlichen Gesundheit. Selbstverständlich oder allgemeingültig ist dies aber nicht.

Sie übersehen, dass Sie hier Äpfel mit Birnen vergleichen. Es handelt sich nämlich keineswegs um das gleiche Leistungsspektrum. Wenn Sie fair rechneten, müssten Sie die PKV-Zusatzversicherung fürs Krankenhaus etc. dazukalkulieren. Aber selbst damit erreichen Sie im ambulanten Bereich nicht mal annähernd privaten Versicherungsschutz, Ihre Kostenrechnung wäre aber hier schon negativ! Auch beteiligt sich die GKV gerne und großzügig an den Mieteinnahmen Ihrer mühsam zusammengebohrten Immobilie – die PKV nicht! Eine kleine Auswahl der „GKV-Errungenschaften“ der letzten Jahrzehnte gefällig?

Danke, GKV:

  • Generika anstatt Originale (Dauerhusten bei Blutdrucksenkern anstatt kein Husten);
  • fehlende, dringend benötigte Wirkstoffe in Krankenhäusern;
  • oftmals keine Antiemetika bei Chemotherapie bei ohnehin anstrengendster Therapie;
  • täglich Spritzen nach Operationen zur Thromboseprophylaxe anstatt einer kleinen (aber teuren) Tablette;
  • Ärzte mit vielen Kranken werden über das Arzneimittelbudget finanziell bestraft;
  • die Budgetierung lässt gegen Quartalsende die Leistungsbereitschaft der Beteiligten massiv sinken;
  • billige CTs mit großer Schnittbreite, bei der kleine Tumore leicht übersehen werden können, anstatt enger Schnittbreite und besserer Diagnostik;
  • Amputationen anstatt Phagentherapie;
  • Sterbefälle durch unzureichende und verspätete Diagnostik und Behandlung („sozialverträgliches Frühableben“ – nach Prof. Hoppe, ehemaliger Präsident der BÄK)

Natürlich sind die PKV-Unternehmen keine Engel, sondern Konzerne mit (Achtung!) „gesundem“ Gewinnstreben. Hier wird aber (ehrlich) der Preis erhöht, wenn die Ausgaben steigen, ohne das versicherte Volumen einzuschränken. Defizite in der PKV müssen innerhalb der Versichertengemeinschaft aufgefangen und ausgeglichen werden. Beitragsstabilität in der GKV wird erkauft durch Leistungseinschränkungen. Gewinne führt die GKV in ihre Pensionskassen ab, Verluste gleicht der Steuerzahler aus, hier natürlich auch (und wahrscheinlich überrepräsentiert) der Privatversicherte! Das zu negieren, bringt Sie in den Ruf eines unbelehrbaren Sozialromantikers.

Übrigens, schon im 19. Jahrhundert wusste der britische Sozialreformer John Ruskin, der dauerhaft gültig – auch für den Vergleich GKV-PKV – anmerkte: „The bitterness of poor quality remains longer than the sweetness of a low price!“

Ich habe mich sehr bewusst für die PKV entschieden, den höheren Preis mit höherem Risiko in Kauf genommen und dies ebenfalls bis heute nicht bereut – trotz Familie mit 4 (in Worten: vier!) Kindern. Meine Praxisstruktur habe ich durch Kündigung meiner Kassenverträge vor über 25 Jahren dahingehend ausgerichtet – und auch dies nicht bereut. Wenn die Qualität eine Variable in meinem Wertesystem darstellte, hätte ich im GKV-System meine „Leistung“ durch Weglassen von kostenintensiven Arbeitsschritten und Materialien betriebswirtschaftlich optimieren können. Ich bin aber kein Unterlasser, sondern Unternehmer.

Vielleicht finden Sie ja noch zu einer differenzierteren und weniger unreflektierten Betrachtung der Systemunterschiede. Ich jedenfalls würde mich freuen und grüße Sie noch immer freundlich.

Jochen Plate,
Wuppertal


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