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09.01.17 / 10:54
Studie

270.000 weniger Kariesfälle durch Zuckersteuer?

Die Zuckersteuer, die nächstes Jahr in Großbritannien eingeführt werden soll, könnte die Zahl der Kariesfälle jährlich um 270.000 verringern, prognostiziert eine Studie.



Eine Studie hat ergeben, dass die in Großbritannien geplante Zuckersteuer die Anzahl der Kariesfälle drastisch senken wird - um 270.000 Kariesfälle weniger pro Jahr. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) pocht schon seit längerer Zeit auf eine Durchsetzung der Steuer. Zuckerhaltige Getränke sollen nach Ansicht der WHO mit einer Sondersteuer von 20 Prozent belegt werden. freshidea - Fotolia.com

Der Studie liegt eine vergleichende Risikobewertung zugrunde: Die Autoren entwarfen drei mögliche Reaktionen der Soft-Drink-Industrie auf die geplante Einführung der Zuckersteuer in Großbritannien:

  1. Verringerung der Zuckerkonzentration in ihren Getränken,
  2. Erhöhung des Produktpreises und
  3. Änderung des Marktanteils von sehr süßen, weniger süßen und ungesüßten Produkten.

Für jede Reaktion wurde ein Gesundheitsszenario definiert. Anschließend wurde eine vergleichendes Risikobewertungsmodell entwickelt, um die gesundheitlichen Auswirkungen jedes Szenarios auf die Prävalenz und Inzidenz von Karies, Typ-2-Diabetes und Adipositas abzuschätzen.

Das Ergebnis: Die geplante Sondersteuer auf zuckerhaltige Getränke wird laut Studie dazu führen, dass die Soft-Drink-Industrie den Zuckeranteil in ihren Getränken reduziert. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind laut Risikobewertung in diesem Szenario am größten - die Zahl der Kariesfälle würde sich um 270.000 pro Jahr verringern.

"Die Industrie hat jetzt die Möglichkeit, verantwortungsvoll zu handeln"

"Die Industrie könnte sich selbst und ihren Kunden einen Gefallen tun, indem sie die unannehmbar hohe Zahl der Kinder, die unsere Krankenhausbetten für Extraktionen füllen, endlich bremst", äußerte sich Mick Armstrong, Vorsitzender der British Dental Association zu den Untersuchungsergebnissen. "Die Industrie hat jetzt die Möglichkeit, verantwortungsvoll zu handeln und einen wirklichen Grund, den Zuckeranteil in ihren Getränken zu reduzieren."

Knapp 62.500 Menschen kommen in Großbritannien jedes Jahr wegen Karies ins Krankenhaus. Drei Viertel von ihnen - 46.400 - sind Kinder. In einem offenen Brief an die Zeitung "The Telegraph" haben  britische Koryphäen der Zahnheilkunde jetzt sogar die Regierung angeprangert: Die NHS-Zahnmedizin habe "katastrophal versagt!" (siehe zm-online: "Die Zahnmedizin ist das Aschenputtel des NHS!")

Die Zuckersteuer wird auch bei uns diskutiert

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) pocht schon seit längerer Zeit auf eine Durchsetzung einer Zuckersteuer. Sie appelliert an die Regierungen, zuckerhaltige Getränke mit einer Sondersteuer von mindestens 20 Prozent des Verkaufspreises zu belegen.

Im März 2016 schlug die britische Regierung eine gestaffelte Abgabe für zuckerhaltige Getränke vor. Demnach sollen Getränke mit mehr als 8g Zucker pro 100 ml höher besteuert werden als Getränke mit einem Zuckeranteil von 5 bis 8g auf 100 ml.

Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko haben bereits Sondersteuern auf süße Produkte eingeführt.
Laut WHO haben 32 Prozent der Ungarn ein Jahr nach Einführung der Abgabe den Konsum der besteuerten Getränke reduziert. Die Mexikaner kauften im ersten Jahr der Softdrink-Besteuerung sechs Prozent weniger zuckrige Getränke. Man wisse jedoch nicht, was die Menschen anstelle der Sodas trinken, räumten die Autoren ein. Zudem gibt es bislang keinen Beweis dafür, dass das Ziel der Steuer - Übergewicht und Diabetes zu reduzieren - erreicht wurde.

35 kg Zucker isst der Deutsche jedes Jahr

Auch für Deutschland wird eine Zuckersteuer immer wieder diskutiert. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat sich bislang jedoch immer dagegen ausgesprochen. Er erklärte, Deutschland habe bis 1993 eine Zuckersteuer gehabt - "und es hat sich nichts geändert". Der Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen ist seit etwa 40 Jahren relativ konstant. Er liegt bei rund 35 kg pro Jahr. Das ist etwa doppelt so viel, wie es der WHO-Empfehlung zufolge maximal sein sollte.

Die vollständige Studie "Health impact assessment of the UK soft drinks industry levy: a comparative risk assessment modelling study" finden Sie hier.


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