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05.05.17 / 14:42
Studie

Kann Selbsthypnose Zahnschmerzen lindern?

Eine Arbeitsgruppe der Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hat die Selbsthypnose in einem experimentellen Setting zur Linderung akuter Zahnschmerzen evaluiert.



Die Probanden wurden zum Zweck der akuten, experimentellen Zahnschmerzausschaltung in Selbsthypnose angeleitet. Dazu wurden sie aufgefordert, drei Wörter zu nennen, die sie mit einem angenehmen, entspannten Ort beziehungsweise Zustand assoziieren. Jenny Sturm - Fotolia

Schmerz ist ein subjektives Gefühl. Es ist aber bekannt, dass sich die Intensität von Schmerz unter Hypnose reduziert. Ob Selbsthypnose beim Schmerzmanagement in der Zahnmedizin als Substitut für Lokalanästhetika oder zu deren Verstärkung angewandt werden kann, wollten Mainzer Wissenschaftler um Dr. Thomas Gerhard Wolf im Rahmen einer randomisierten, klinisch-kontrollierten Studie überprüfen.

Methode: 37 gesunde Probanden im Alter von 21 bis 54 Jahren wurden einbezogen. Der Zustand des Frontzahns wurde getestet: Er musste gesund, vital und unbehandelt sein. Zudem sollten die Probanden ein niedriges Stresslevel sowie eine gute Allgemeingesundheit aufweisen und keine Medikamente nehmen. Getestet wurde an Frontzähnen, mittleren und seitlichen Schneidezähnen sowie an Eckzähnen des ersten und zweiten Quadranten.

Die Schmerzschwelle und ein zielgerichteter, standardisierter Schmerzreiz wurden mit dem Vitality Scanner 2006 getestet. Der Reiz wurde von den Probanden als zunehmende Intensität von pulsierendem Druck, Wärme oder Kribbeln wahrgenommen. Insgesamt gab es zwölf Pulpatests - sechs mit und sechs ohne Selbsthypnose.

Die Probanden wurden zum Zwecke der akuten, experimentellen Zahnschmerzausschaltung in Selbsthypnose angeleitet. Sobald ein Proband mit den Elektroden ausgestattet war, wurde er aufgefordert, drei Wörter zu nennen, die er mit einem angenehmen, entspannten Ort beziehungsweise Zustand assoziiert. Allgemeine Suggestionen zur Entspannung beendeten die Untersuchung. Anschließend sollten die Teilnehmer eine visuelle Analogskala markieren.

Ergebnisse: Die Steigerung der Schmerzschwelle unter Selbsthypnose war statistisch signifikant. Der Wert der Schmerzschwelle, bei deren Erreichen die Probanden die ersten Schmerzempfindungen signalisierten, war unter Hypnose signifikant höher, was einer Minderung der Schmerzsensibilität entspricht. In einigen Tests lag die Schmerzschwelle des Probanden beim höchsten Wert des elektrischen Reizgeräts. Das entspricht einer kompletten Schmerzausschaltung. Auswirkungen auf die Herzfrequenz und den mittleren arteriellen Blutdruck hatte Selbsthypnose nicht.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der Studie erlauben aus Sicht der Autoren eine Einbeziehung in die klinische Praxis. Selbsthypnose ist eine Methode, um experimentellen akuten Zahnschmerz zu modulieren und zu reduzieren. Selbsthypnose kann aber routinemäßig nicht so sicher und wirkungsvoll angewandt werden wie Anästhetika. 

Thomas Gerhard Wolf, Dominik Wolf, Dagna Below, Bernd d’Hoedt, Brita Willershausen, Monika Daubländer: Die Wirksamkeit von Selbsthypnose auf die Ausschaltung experimentell ausgelösten Zahnschmerzes; DZzH 1 / 2017S. 24ff.


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