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17.01.17 / 15:28
Studie

Was ist besser: Ultraschall- oder Handzahnbürste?

Dr. Shaya Saket, Uni Witten/Herdecke, hat in ihrer Promotion den Effekt einer Ultraschallzahnbürste im Vergleich zur Handzahnbürste bei kieferorthopädischen Patienten mit manifester Gingivitis untersucht. Wir haben sie interviewt.




zm-online:  Frau Dr. Saket, Sie haben den Effekt der Ultraschallzahnbürste Emmi dental Professional auf eine manifeste Gingivitis bei Patienten mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen untersucht. Warum gerade dieses Modell?

Dr. Shaya Saket: Vorausgehende Studien haben diese Ultraschallzahnbürste in ihrer Wirkung unter anderem auch bei Patienten mit parodontalen Vorerkrankungen untersucht und sowohl einen Rückgang der Plaque-Ausdehnung als auch eine Verbesserung der gingivalen Verhältnisse verzeichnet. Daher war es unser Ziel, im Rahmen dieser Studie zu untersuchen, welche Wirkung die Anwendung dieser Zahnbürste bei Patienten mit festsitzenden Apparaturen und manifester Gingivitis hat.

In der DMS V von 2016 zeigen die Daten, dass trotz verzeichnetem Rückgang der Kariesprävalenz in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen 3,4 Prozent bis 9,4 Prozent der 12-Jährigen immer noch einen DMFT-Wert über zwei haben. Das gibt Anlass, die Durchführung der Mundhygiene weiterhin interessanter zu gestalten, sie in ihrer Handhabung zu vereinfachen und zu optimieren und so Patienten zu motivieren.

Gerade in dieser Altersklasse befinden sich junge Patienten häufig in kieferorthopädischen Behandlungen mit festsitzenden Apparaturen, die durch mehrere Faktoren die Durchführung der Mundhygiene erheblich erschweren.

Welche Rolle spielte Chlorhexidin im Rahmen Ihrer Studie? 

Im Rahmen der Studie wurden die Probanden gebeten, die Anwendung von Mundspüllösungen einzustellen. Chlorhexidin wurde demnach nicht als Therapeutikum eingesetzt. Nach heutigem Wissensstand ist der orale Biofilm physiologisch und ihm wird eine Schutzfunktion zugeteilt, so dass im Verlauf der Studie die Mundflora nicht zusätzlich durch Chlorhexidin ins Ungleichgewicht geraten sollte.

Ferner dienen unsere Untersuchungen der Darstellung der Wirkung der Ultraschallzahnbürste sowie Handzahnbürste. Die Anwendung von Chlorhexidin hätte sicherlich Auswirkungen auf die gingivalen Verhältnisse und somit einen Einfluss und eine Verzerrung der Ergebnisse zu Folge.

In der Kontrollgruppe putzten 40 Probanden ihre Zähne mit der Denttabs Handzahnbürste. Welchen Unterschied stellten Sie fest?

Zu Beginn der Studie war die Plaque-Reduktion in der Probandengruppe der Handzahnbürste höher, während Probanden der Ultrazahnbürstengruppe zum ersten Termin eine deutlich geringere Plaque-Reduktion aufwiesen. Erfreulicherweise zeigten die Gesamtgruppe der Probanden im Verlauf der Studie einen signifikanten Rückgang der Plaque-Ausdehnung, der Werte des Gingivitis-Index und auch einen höchst signifikanten Rückgang der Anzahl der Zähne mit Gingivitis. 

Die Plaque-Reduktion war zum Anfang der Studie in der Probandengruppe der Handzahnbürste signifikant höher, zum Ende der Studie ließ dieser Unterschied nach – wie erklären Sie sich das? 

Während die Anwendung der Handzahnbürste und ihre Handhabung für die jungen Patienten gewohnt sind, reinigten alle Probanden in der Gruppe der Ultraschallzahnbürste zum ersten Mal ihre Zähne mit einer Ultraschallzahnbürste. Ihre Anwendung ist neu und ungewohnt, daher reinigten auch alle Probanden unter Supervision ihre Zähne. Zum Ende der Studie ist dann die Anwendung der Ultraschallzahnbürste für die Probanden ebenfalls routinierter, so dass dieser Unterschied nachließ. Ein weiterer möglicher Grund könnte aber auch ein Nachlassen der Motivation der Probandengruppe der Handzahnbürste sein.

Haben denn die Ultraschallzahnbürste und die Handzahnbürste für sich betrachtet jeweils Vorteile?

Die Ultraschallzahnbürste wird ohne Zahnputzbewegungen angewendet und ist somit eine abrasionsfreie und schonende Art der Durchführung der Mundhygiene. Die Handzahnbürste mit weichem Bürstenkopf und den zugehörigen Zahnputztabletten mit einem niedrigen RDA-Wert ist ebenfalls nahezu non-abrasiv. Die Zahnputztabletten weisen des Weiteren eine hohe Fluorid-Bioverfügbarkeit auf und ermöglichen eine prophylaktische Wirkung.

Was empfehlen Sie?

Es ist schwierig, eine für alle Patienten gültige Empfehlung auszusprechen. Eine individuelle Anamnese und die Vorliebe des Patienten für die Handzahnbürste beziehungsweise die elektrische Zahnbürste sind bei der Wahl einer solchen Empfehlung zu berücksichtigen. In meinem Beruf und noch mehr durch die Untersuchungen dieser Studie sehe ich, wie wichtig adäquates Zähneputzen ist.

Die Durchführung der Mundhygiene unter Supervision durch Fachpersonal hilft bei der Beurteilung und erleichtert somit das Aussprechen einer Empfehlung. Es ermöglicht die Einschätzung der manuellen Geschicklichkeit der Patienten, wie auch ihre Routine in der Durchführung ihrer täglichen häuslichen Mundhygiene. Im Rahmen dieser Studie wurde gezeigt, dass die Anwendung beider Zahnbürsten zu einer adäquaten Plaquekontrolle und damit zu einer gesunden Biofilmbesiedelung der Mundhöhle beitragen kann.

Das wichtige Mundhygiene-Training gerade in der hohen Risikophase während der kieferorthopädischen Behandlung ist, so zeigte ja unsere Studie, ausgesprochen erfolgreich in einer so lang aufrechterhaltenen Plaquekontrolle und Gingivitisreduktion. Dabei werden Jugendliche an eine nahezu abrasionsfreie Zahnputztechnik herangeführt.

Shaya Saket: Klinisch kontrollierte Studie zum Effekt einer Ultraschallzahnbürste im Vergleich zu einer Handzahnbürste bei kieferorthopädischen Patienten mit manifester Gingivitis.

Die Promotion wurde von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Gängler betreut, die Statistische Beratung erfolgte durch Dr. Karl Weich.
 


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