sf/ck
12.01.17 / 15:29
Studie

Weiß Dr. Z, was Zahnärzte wollen?

"Die Praxisgemeinschaft stellt durchaus eine Alternative zur Einzelpraxis dar." Das zahnärztliche Praxisnetz "Dr. Z" hat eine Studie zur Wahl der Praxis-Gründungsform von Zahnärzten in Auftrag gegeben. Wie sind die Ergebnisse zu bewerten?



Die Praxisgemeinschaft stellt durchaus eine Alternative zur Einzelpraxis dar, bilanziert die neue Studie. Auftraggeber "Dr. Z." ist ein zahnärztliches Praxisnetz. Zufall? T.Reimer_Fotolia.com

Ziel: In dieser wissenschaftlichen Primärdatenerhebung zu Grundmotiven und verschiedener Altersklassen wurden niederlassungsberechtigter Zahnärzte zu ihren Zukunftsvisionen, Grundmotiven hinsichtlich der Wahl der Gründungsform für eine Praxis befragt sowie mögliche Barrieren für den Zusammenschluss von Praxisgemeinschaften analysiert und die Bedeutung der Markenbildung für Zahnarztpraxen betrachtet.

Methodik: Im Jahr 2012 wurden bundesweit 4.138 niederlassungsberechtigte Zahnärzte angeschrieben, 480 (11,6 Prozent) antworteten. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 50,1 Jahren (min. 27; max. 76). 39,6 Prozent waren Frauen. Die Mehrzahl war verheiratet (68 Prozent) und arbeitet in Praxen in einer kleinen Ortschaft mit weniger als 10.000 Einwohnern.

Die Primärdaten wurden sowohl deskriptiv ausgewertet (zum Beispiel relative und absolute Häufigkeiten, Mittelwerte und Streuungsmaße) als auch im Rahmen von bivariaten und multivariaten Modellen analysiert.

Ergebnisse: Bei den Grundmotiven für die Berufswahl lag auf Platz Eins die "Selbstbestimmung", gefolgt von "Faszination der Zahnmedizin" und "Verantwortung gegenüber Mitarbeitern".

Die multivariaten Modelle zeigten teilweise signifikante Zusammenhänge zwischen den Einstellungen des Zahnarztes zu Chancen und Risiken von Praxisgemeinschaften, der persönlichen Haltung gegenüber Praxisverbünden und den präferierten Geschäftsmodellen sowie den Merkmalen des Zahnarztes.

Viele Einflussgrößen wirken den Autoren zufolge auf die Entscheidungen der Zahnärzte und ihre Einstellung gegenüber alternativen Geschäftsmodellen gegenüber einer Einzelpraxis ein.

Einzelpraxis versus Berufsausübungsgemeinschaft

Die geeignete Gründungsform sieht der überwiegende Teil der Befragten in der Einzelpraxis und in der Berufsausübungsgemeinschaft. Auch informelle Kooperationen waren für rund drei Viertel der Befragten eine denkbare Option. Die Hälfte der befragten Zahnärzte sieht nach Abwägung der Vor- und Nachteile Praxisgemeinschaften als eine mögliche Form der Niederlassung an. Die Chance, die Einzelpraxis als mögliches Geschäftsmodell zu sehen, sinke mit jeder höheren Altersklasse. Die deskriptiven Ergebnisse unterstreichen ebenso die aktuelle Entwicklung in der zahnärztlichen Versorgungsstruktur.

Einen Trend in Richtung Zusammenschluss zahnärztlicher Praxen erwarten 68,5 Prozent der Befragten, wobei dabei der "Verlust der Selbstständigkeit" als Gefahrenpotenzial Nummer eins genannt wird. Die Einzelpraxis nannten 71,5 Prozent der Befragten als Wunschpraxisform, gefolgt von der Berufsausübungsgemeinschaft (60,8 Prozent) und weit abgeschlagen die überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft (18,8 Prozent).

Dentalkaufmann oder selbstbewusster Könner?

Das Selbstbild spielt bei dieser Einschätzung eine entscheidende Rolle. Zahnärzte, die sich selbst als Dentalkaufmann oder als selbstbewusster Könner einstufen, glauben demzufolge, dass bei Praxisgemeinschaften die persönlichen Risiken überwiegen. Sie sehen sich laut Studie selbst in der Pflicht, die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen einer Praxisführung zu bewältigen.

Zahnärzte, die sich selbst ihrer "Passion als Handwerker" widmen, scheuen laut Studie eher die Einkommensrisiken. Sie stehen daher anderen Formen von Zusammenschlüssen (wie etwa Praxisverbünden, Praxisnetzwerk) aufgeschlossen gegenüber. Diese Zahnärzte scheinen den Autoren zufolge die betriebswirtschaftlichen Aufgaben eines Praxisinhabers tendenziell „abgeben“ zu wollen, indem die entsprechenden Vorteile innerhalb eines Verbundes genutzt werden.

Männer finden laut Studie tendenziell in der klassischen Einzelpraxis ihre Erfüllung, während Frauen andere Formen von Geschäftsmodellen vorziehen. Hinzu komme, dass immer mehr Frauen nach dem Zahnarztberuf streben, was für die Zukunft bedeute, dass neue Geschäftsmodelle zunehmend an Attraktivität gewinnen. Jedoch können sich demzufolge sowohl Männer als auch Frauen mittleren Alters im Vergleich zu jüngeren bzw. älteren (< 30 beziehungsweise > 60 Jahre) eher eine Einzelpraxis als Geschäftsmodell vorstellen.

Abschließend halten die Autoren fest, dass vermutlich noch einige Informationslücken innerhalb der Zahnärzteschaft gegenüber alternativen Geschäftsmodellen bestehen, die primär dazu führen, dass größere Anteile keine gefestigte Meinung zum Beispiel gegenüber Praxisverbünden besitzen. Insbesondere unter den Zahnärzten mittleren Alters (30 bis 40 Jahre) gab es  viele, die sich noch keine gefestigte Meinung gegenüber Praxisverbünden gebildet haben.

Schlussfolgerung: Die vorliegende Studie hat den Autoren um Jürgen Wasem zufolge gezeigt, dass die Praxisgemeinschaft durchaus eine Alternative zur Einzelpraxis darstellt. Die Verfasser weisen indes auch darauf hin, dass viele Zahnärzte zur Berufsausübungsform Praxisgemeinschaft noch keine gefestigte Meinung haben. Die Ergebnisse wiesen aber darauf hin, dass spezifische Typen von Zahnärzten ihre Profession innerhalb von kooperativen Zusammenschlüssen gefährdet sehen. Es bestehe weiterer Forschungsbedarf, um die Ergebnisse auf eine breitere Studienlage zu stellen.

David Matusiewicz, Gerald Lux, Jürgen Wasem und Helmut Dahl: Bundesweite Zahnärztestudie zu Grundmotiven und Zukunftsvisionen niederlassungsberechtigter Zahnärzte in Deutschland,
Sozialer Fortschritt, Jahrgang 65/2016/Heft 12, Dezember 2016.

Die Dr. Z Beteiligungs- und Verwaltungs GmbH, ein Praxisnetzwerk mit aktuell 28  Zahnarzt-Gemeinschaftspraxen mit Hauptsitz Düsseldorf, gab die Studie in Auftrag. 


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