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06.01.17 / 10:57
Gesellschaft

Abseits der Praxis: Der Ironman

3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen - wer das schafft, darf sich zu Recht "Ironman" nennen. Wie auch Zahnarzt Demian Barrenstein aus Schwelm.




zm-online: Herr Barrenstein, Sie sind begeisterter Triathlet, ehemaliger Leistungsschwimmer, dürfen sich zu Recht "Ironman" nennen  - und Sie sind Zahnarzt. Wie vereinbaren Sie Hobby und Beruf?

Demian Barrenstein: Es ist alles eine Frage der Organisation und des Wollens. Ohne Sport fühle ich mich schlecht, bin oft mental überspannt. Nach einer Runde Laufen bin ich für alle Mitmenschen wieder total umgänglich. Meine Frau hat mich mit meinen vielen Hobbys kennengelernt und es für sich adaptiert. Durch den gemeinsamen Beruf können wir uns gegenseitig Freiräume schaffen, um unseren Aktivitäten nachzugehen. Außerdem sind wir Freunde einer guten Work-Life-Balance. Da wird die Praxis schon öfter mal zugemacht.

Im vergangenen Sommer haben Sie sich für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii im Oktober 2016 qualifiziert. Wie sah Ihr typischer Tagesablauf aus, als Sie für den Wettkampf trainiert haben?

06:30 Uhr Aufstehen, Kids fertig machen, zum Kindergarten bringen. Von 08:00 Uhr bis 13:00 Uhr arbeiten, Mittagspause, Kids vom Kindergarten abholen, 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr Arbeiten, Abendessen, 19:00 Uhr Kids ins Bett, ab zum Sport - je nach anstehender Disziplin 1 bis 3 Stunden, inklusive Stretching, Krafttraining etc.  Alle langen Einheiten konnte ich Mittwoch vormittags absolvieren, da habe ich frei, ansonsten natürlich viel am Wochenende. In intensiven Phasen waren das 20 Stunden die Woche.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus, wenn Sie sich gerade in einer Ruhephase befinden?

Vom Grundprinzip bleibt alles gleich, nur die zeitlichen Umfänge ändern sich. Da werden dann aber auch gerne mal ein paar Trainingseinheiten gegen ein Bier mit Freunden und Abende mit meiner Frau eingetauscht. In Summe bin ich kein Asket, ich mache das alles, weil es mir Spaß macht und ich mich wohl damit fühle.

Ein Ironman besteht aus drei Disziplinen: 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und dann noch 42 km Laufen. Man könnte alle Teilnehmer eines solchen Wettkampfs für verrückt halten. Was reizt Sie an diesem extremen Sport?

Als Triathlet hat man immer im Kopf, einmal über diese lange Distanz zu gehen. Das gehört sozusagen zum guten Ton. Dass es mir so liegen würde, um an der Weltspitze zu agieren, hatte ich nicht gedacht. Marathons bin ich schon einige gelaufen seit ich 18 Jahre alt bin, die einzelnen Disziplinen waren alle schon in den Umfängen locker machbar, es reizte die Summe aller Disziplinen. Das ist nicht mal eben gemacht.

Ich war schon immer sehr zielstrebig und kann mich gut quälen, das kommt einem bei einem 10-Stunden-Wettkampf sehr zugute. Ein solches Rennen läuft ganz viel im Kopf und über die Erfahrung, deshalb war jetzt der richtige Zeitpunkt. Mit 20 hätte ich das so nicht geschafft. Außerdem hätte mir damals das nötige Kleingeld gefehlt.

Wie reagieren Ihre Patienten auf Ihre sportlichen Erfolge? Ist das ein Thema in der Praxis?

Das ist ein riesiges Thema. Schwelm ist relativ klein, ich bin hier geboren und durch den vielen Sport ein bunter Hund. Alle finden das super. Es scheint eine sehr sympathische Art der Selbstvermarktung zu sein. Die Praxis profitiert sehr stark von den Berichten in der lokalen Presse, etc. Das ist ein klasse Nebeneffekt, außerdem hat man immer ein schönes Thema, um Smalltalk zu halten.


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