Arndt Striegler
28.01.13 / 11:14
Gesellschaft

Britische Ärzte pushen Telemedizin

In Großbritannien werden zehntausende Patienten regelmäßig von ihren Ärzten via Internet und Telefon betreut. Die Briten haben offenbar eine deutlich positivere Einstellung zur Telemedizin als die Deutschen.



Maquet

Bereits im Dezember 2011 startete das Londoner Gesundheitsministerium unter dem Titel "3 million lives“ eine Kampagne, um die Ferndiagnose im Rahmen der haus- und fachärztlichen Betreuung auf eine breitere Basis zu stellen. Zahlreiche lokale Gesundheitsverwaltungen des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) ermunterten Haus- und Fachärzte, insbesondere chronisch Kranke öfter als bislang mittels Telemedizin zu betreuen.

Ein Gewinn für drei Millionen Patienten

Die Indikationsstellung wird dabei meistens dem einzelnen Arzt überlassen. Der Titel "3 million lives“ bezieht sich auf die Hoffnung, dass drei Millionen Patienten in Großbritannien von einer verstärkten Einbindung der Telemedizin in den NHS profitieren könnten.

Im Vorfeld der "3 million lives“-Kampagne ließ das Gesundheitsministerium eine randomisiert-kontrollierte Studie durchführen. Gesundheitspolitische Beobachter im Königreich wiesen freilich darauf hin, dass die Ergebnisse der Studie offiziell bislang nicht vollständig veröffentlicht worden seien.

Nur ein paar Details sickern durch

Vielmehr sickerte hier und da lediglich das eine oder andere Details durch. Was wiederum vom Londoner Gesundheitsministerium zum Anlass genommen wurde, in Pressemitteilungen die Resultate als "erfolgreich“ und "vielversprechend“ zu loben.

Die lückenhafte Informationspolitik der Gesundheitsbeamten und Politiker dämpft jedoch nicht den Enthusiasmus vieler britischer Ärzte, die die Telemedizin noch mehr zum festen Bestandteil ihres Praxis- oder Klinikangebots machen wollen. "Wir sind ziemlich fortschrittlich und neuen Entwicklungen aufgeschlossen“, sagte der Londoner Klinikarzt Dr. Al Teague gegenüber den zm.

Hilfe für chronisch Kranke und Pflegebedürftige

Das Londoner Gesundheitsministerium verspricht sich vom Einsatz der Telemedizin nach eigenen Angaben eine qualitativ verbesserte Versorgung von chronisch Kranken und von Patienten, die von sozialen Diensten betreut werden. 

Als Folge eines verstärkten Einsatzes der Telekommunikation sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Klinikeinweisungen sowie die Länge von Krankenhausaufenthalten sinken werden. Des Weiteren geht das Gesundheitsministerium von weniger Besuchen in den Notfallaufnahmen des staatlichen Gesundheitswesens aus. All das werde auch die Kosten senken, hieß es.

Kein bloßes Instrument zur Kosteneinsparungen

Patientenverbände im Königreich stehen dem Einsatz der Telemedizin in Praxen und Kliniken positiv gegenüber, warnen aber davor, die neuen Kommunikationswege lediglich als Instrument zur Kosteneinsparung zu benutzen.

"Der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient ist nach wie vor sehr wichtig“, so eine Sprecherin der "Patient Association“ (PA) in London. "Besonders Patienten auf dem Land und Patienten, die weniger mobil sind, können mitunter von der Telemedizin profitieren.“ Allerdings hänge das jeweils von der Indikationsstellung und den persönlichen Umständen des Patienten ab.

Gesundheitssystem steht unter Spardruck

Der NHS steht spätestens seit Beginn der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 unter Spardruck. Zwar versicherten Gesundheitspolitiker der konservativ-liberalen Regierung unter Premierminister David Cameron wiederholt, die Gesundheitsetats würden von den Sparmaßnahmen des öffentlichen Sektors ausgeklammert. Das ist nach Aussage britischer Ärzte- und Patientenverbände aber nicht der Fall.

Immer wieder berichten die britischen Medien über gestrichene Operationen, geschlossene Arztpraxen und Krankenhausabteilungen sowie Einschränkungen bei den staatlichen Arzneimittelbudgets. Umso größer daher offenbar die Hoffnung bei den Politikern, dass mit einem verstärkten Einsatz der Telemedizin kosteneffizienter gearbeitet werden könnte.

"Ein enorm wichtiger Beitrag"

Bereits Ende 2010 hatte der damalige Gesundheitsminister Andrew Lansley gegenüber Journalisten in London gesagt, die Telemedizin werde einen  "enorm wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Patientenversorgung im NHS leisten“. Man habe mehr als 30 Millionen Pfund (36 Millionen Euro) in neue Telemedizinprojekte investiert und tausende Patienten profitierten inzwischen von diesen Ausgaben, da sie ärztlich besser versorgt würden.

Große internationale Unternehmen wie Pfizer, Vodafone und British Telecom unterstützen die Bemühungen der Londoner Regierung, die Telemedizin weiter zu pushen. Diese Anstrengungen werden im europäischen Ausland mit Interesse verfolgt.
 


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