Kay Lutze
25.06.15 / 16:55
Gesellschaft

Der Arzt im römischen Köln

Chirurgen, Urologen und Gynäkologen, Zahnärzte, Augen-, Ohren- und Hautärzte, Schönheitschirurgen, aber auch Diagnostiker und Pharmazeuten: Diese Dichte der medizinischen Versorgung in den Städten des Römischen Imperiums erreichte Deutschland erst wieder im 20. Jahrhundert. Eine Kölner Ausstellung mit Grabinventaren wie ärztlichen Instrumenten, Arzneikästchen und Arztstempeln zeigt die Arbeit der Medici.




Eine Ausstellung im Römisch-Germanischen Museum in Köln beleuchtet den hohen Entwicklungsstand der Medizin in den urbanen Regionen des Römischen Reichs zur Kaiserzeit. In keiner anderen ehemals römischen Stadt wurden so viele Ärzte-Gräber gefunden wie in Köln. Die ersten Ärzte kamen mit dem Militär in der Ära von Kaiser Augustus nach Köln. Jedes römische Lager hatte eine gute Ausstattung mit Medizinern und besaß zudem ein Hospital an einer ruhig gelegenen Stelle.

Das Vertrauen in die ärztliche Kunst ging stets einher mit dem Vertrauen auf die Hilfe der Götter. So ging die römische Berufsmedizin zurück auf Aeskulap, den göttlichen Arzt aus Griechenland. Der Legende nach hatte der Heilgott im Jahr 291 vor Christus in Gestalt einer Schlange sein neues Heiligtum auf der Tiberinsel in Rom in Besitz genommen. Kultpartnerin des Aeskulap war oft Salus, die Göttin des öffentlichen Wohlergehens von Staat und Kaiser.

10 Prozent der Mediziner in der Antike waren weiblich

In den vergangenen Jahrhunderten wurden in Köln 16 Gräber von Ärzten entdeckt. Ärztegräber sind dem Museum zufolge in römischer Zeit ein besonderes Phänomen. Keine andere Berufsgruppe sei so gut an ihren Grabbeigaben erkennbar wie Ärzte.

Warum man Medizinern ihre Instrumente mit ins Grab gab, ist nicht überliefert. Unter den nachgewiesenen Gräbern in Köln befinden sich die von Allgemeinmedizinern, Chirurgen, Augenärzten und Pharmazeuten. Daneben gab es ganz sicher auch noch andere Fachärzte wie zum Beispiel Zahnärzte. Zwei der Gräber konnten übrigens eindeutig Frauen zugeordnet werden. Etwa 10 Prozent der Mediziner in der Antike waren weiblich.

Betritt der Besucher die Ausstellung, fällt sein Blick zuerst auf die Statue des Asklepios. Gleich daneben steht das berühmte Relief aus den 1. Jahrhundert nach Christus, das nahe der Kölner Philharmonie ausgegraben wurde und die einzige erhaltene Darstellung eines Arztes bei der Behandlung eines Patienten zeigt: Der am Oberkörper verletzte Krieger ist nackt und hat an seiner Seite Waffen und Schild, die ihn als Griechen ausweisen. Die Szene verweist auf eine heute unbekannte Geschichte aus der römisch-griechen Mythologie. Das Relief gehörte ursprünglich zu einem großen Grabmal. Vielleicht zu einem Grabmonument eines Arztes. Dann wäre es das 17. in Köln gefundene Grab eines Medicus.

Arzt - damals kein feiner Beruf

Einer der ältesten Funde ist das Grabmonument des Medicus Marcus Rubrius Leonta, der nur 30 Jahre alt wurde und zu den ersten zivilen Ärzten in Köln gehörte. Seine Abstammung ist typisch für Mediziner der damaligen Zeit. Sie waren meist keine Römer. Leonta war Grieche und ein Freigelassener. Lange Zeit galt es im Römischen Reich als unfein, sein Geld als Arzt zu verdienen.

Erst der Leibarzt von Kaiser Augustus, Antonius Musa, wertete durch sein Können das Ansehen der Ärzteschaft deutlich auf (Kaiser Augustus und der Kneip der Antike). Leider ist der Grabstein des Leonta heute verschollen.

In die Zeit des 17. Jahrhunderts gehört der Fund des Grabmals eines Tierarztes. Das gut erhaltene Grabmal mit dem Konterfei des Arztes und Inschrift ist hier durch eine Abbildung vertreten, weil es sich seit den napoleonischen Raubzügen im Musée Gallo-Romain in St. Germain-en-Laye befindet.


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