Petra Spielberg
05.02.14 / 15:54
Gesellschaft

Deutsch-arabische Vernetzung

Deutschland und die arabischen Emirate arbeiten im Gesundheitssektor eng zusammen - eine Kooperation von der beide Länder gleichermaßen profitieren.



Bis in die 60er Jahre bestand die bis dahin kleine Inselstadt noch aus einfachen Bauten, teilweise ohne Elektrizität und Kanalisation. Mit Beginn der Erdölförderung wurde Abu Dhabi ab den 70er Jahren mit einem schachbrettartigen Masterplan zu einer Metropole ausgebaut. philipus-Fotolia.com

Seit über fünf Jahren gibt es eine enge gesundheitspolitische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Kern der Kooperation bilden neben dem Austausch von Ärzten der Aufbau eines Krankenversicherungssystems in der Hauptstadt Abu Dhabi, diverse Krankenhausbau- und -managementprojekte sowie die Fort- und Weiterbildung von medizinischem und pflegerischem Personal.

Das System leistungsfähiger machen

Das Gesundheitssystem der VAE befindet sich seit einigen Jahren in einem Umstrukturierungsprozess. Ziel der Regierung von Abu Dhabi ist, infrastrukturelle Defizite im Gesundheitssektor zu beseitigen und das System leistungsfähiger zu machen, auch um den Gesundheitstourismus ins Ausland einzudämmen.

Politische Unterstützung erhalten die VAE dabei von der deutschen Bundesregierung. Schon seit 2008 arbeiten Berlin und Abu Dhabi eng zusammen. „Beide Regierungen hatten den Wunsch, die enge gesundheitswirtschaftliche Verflechtung durch eine gesundheitspolitische Kooperation zu ergänzen“, sagt Ministerialrat Ortwin Schulte, Leiter Grundsatzfragen der europäischen und internationalen Gesundheitspolitik im Bundesgesundheitsministerium (BMG).

Neben dem BMG und dem Bundeswirtschaftsministerium als Hauptakteure auf der bundespolitischen Ebene beteiligen sich auch einige Bundesländer, wie Rheinland-Pfalz, Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen und Selbstverwaltungskörperschaften, darunter die Ärztekammern, an der Kooperation.

Verpflichtung für den Arbeitgeber

Die Zusammenarbeit  trägt inzwischen erste konkrete Früchte. So hat Abu Dhabi mit Hilfe der Bundesregierung den Aufbau eine Krankenversicherungssystems im Emirat angestoßen, mit der Folge, dass Arbeitgeber inzwischen verpflichtet sind, für ihre Angestellte eine Krankenversicherung abzuschließen, die die medizinische Grundversorgung abdecken soll.

Seit 2012 besteht zudem ein Grundlagenvertrag zwischen dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium und der Regierung des Emirats Dubai über den Aufbau eines Schlaganfallzentrums. Die Stroke Unit am Rashid Hospital wurde inzwischen nach den Anforderungen der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft fertiggestellt. Jährlich können dort etwa 600 Patienten behandeln werden. Die Einheit soll nun zu einem neurovaskulären Zentrum ausgebaut werden. Beide Seiten arbeiten zudem an der Zertifizierung des Zentrums.

Ärzte nutzen deutsche Fortbildung

Weitere gemeinsame deutsch-arabische Projekte betreffen den Bau von Krankenhäusern sowie das Krankenhausmanagement. Die Zusammenarbeit umfasst drüber hinaus die strukturierte Fortbildung von emiratischen Ärzten und Pflegekräften an deutschen Kliniken und die Klärung von Durchführungsfragen zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung.

Die Zusammenarbeit bringt jedoch nicht nur den VAE Vorteile. „Es gibt einen umfangreichen ärztlichen Austausch zwischen Deutschland und den Emiraten, der zur Qualitätssicherung beiträgt und Verständnis für die Systemnotwendigkeiten im anderen Land schafft“, berichtet Schulte. Deutsche Unternehmen profitierten zudem von Umsatzchancen in den Emiraten, von den Vorzügen der Emirate als Vertriebs- und Logistikzentrum und von der Vermarktungsförderung durch die Arab Health als zweitgrößte Gesundheitsmesse der Welt.

Gesundheitsberufe qualifizieren sich weiter

Die Dynamik, mit der der Gesundheitssektor in den Golfstaaten wächst, ist dabei unverkennbar. Der Markt der VAE soll Schätzungen zufolge in den nächsten Jahren um jeweils etwa 12 Prozent wachsen.  Der Schwerpunkt der künftigen Zusammenarbeit soll Schulte zufolge neben der Gesundheitssystementwicklung vor allem in der Aus- und Fortbildung von Gesundheitsberufen liegen.

„In diesem Bereich wollen wir einen entscheidenden Schritt weitergehen und die bewährten Programme zur Facharztweiterbildung auf das Pflegepersonal ausdehnen. Eine solide Ausbildung ist das Grundelement eines funktionierenden Gesundheitswesens", betonte damalige Parlamentarische Staatssekretärin im BMG, Annette Widmann-Mauz, auf der diesjährigen Arab Health Ende Januar in Dubai.


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