sf
24.05.13 / 11:36
Gesellschaft

Deutsche Zahnärzte in Namibia überfallen

Mitglieder der Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen (Dentists Without Limits Foundation, DWLF) sind bei einem Hilfseinsatz in Namibia von bewaffneten Männern brutal überfallen und ausgeraubt worden.



Gefährliches Pflaster: Das Auswärtige Amt warnt vor kriminellen Übergriffen in Namibia (im Bild die Hauptstadt Windhoek). Nun wurden zwei Helfer von Zahnärzte ohne Grenzen überfallen. picture_alliance

Die von der Polizei als Touristen bezeichneten deutschen Staatsbürger sind Mitglieder des DWLF. Es handelt sich um Dr. Marcus Schifferdecker aus Emmendingen bei Freiburg und seine Assistentin Stefanie Locher. Der Überfall ereignete sich auf einem Campingplatz in Okahandja im Herzen des Landes

"Mich schlugen sie in den Magen"

Schifferdecker, der den Angaben zufolge seit 20 Jahren das Land bereist, erklärte der in Namibia erscheinenden "Allgemeinen Zeitung". "Ich bin gegen 1.30 Uhr mit einem Gewehrkolben im Mund und einer Pistole am Kopf aufgewacht. Daraufhin wurden meine Gehilfin und ich von drei bewaffneten Männern aus dem Zelt gezerrt. Mich schlugen sie in den Magen.“

Gefesselt und geknebelt

Die Polizei hätte berichtet, dass der zuständige Wachmann von den Tätern zuvor gefesselt und geknebelt wurde. "Sie haben uns alles geklaut: Kameras, Laptops, iPad, Reisepässe, 4.000 Euro Bargeld, einfach alles“, so Schifferdecker gegenüber dem Blatt. Insgesamt belaufe sich der Wert des gesamten Diebesguts auf 22.800 Euro.

Die Ehefrau des überfallenen Zahnarztes, Katharina Schifferdecker, erklärte gegenüber zm-online: "Mein Mann ist noch in Namibia und setzt seinen zahnärztlichen Hilfseinsatz für DWLF wie geplant fort. Die Nachfrage für die zahnärztliche Behandlung ist sowohl in Grootfontein, als auch in den von dort aus angefahrenen Orten enorm." 

Im  Juni werde eine DWLF-Gruppe auf Bitten des namibischen Gesundheitsministeriums vor Ort die Möglichkeiten erkunden, in der Karas-Region tätig zu werden. Laut Schifferdecker werde es sicherlich Konsequenzen für die Arbeit geben. "Nach derzeitiger Einschätzung werden diese aber eher die Verhaltensempfehlungen an die DWLF-Mitglieder, die vor Ort helfen angehen", berichtet sie.

Sicherheitslage hat sich verschlechtert

Die Lage in Namibia habe sich in den letzten vier bis sieben Jahren verändert. Schifferdecker: "Überfälle wie derjenige auf meinen Mann und Frau Locher sind keine Seltenheit mehr. Daher muss in Zukunft das Campen - insbesondere auf wenig genutzten Zeltplätzen - vermieden werden. Auch sonst sind die Vorsichtsmaßnahmen zu verbessern."

Die Gründe für die Zuspitzung lägen auf der Hand. Von den unsicher gewordenen Nachbarländern strömten sozial nicht abgesicherte Menschen nach Namibia und auch innerhalb des Landes gehe die soziale Schere immer weiter auf. Im Human Development Index falle Namibia ab. Dies seien ganz typische Zeichen eines Entwicklungslands mit erneut großen strukturellen Problemen. Gerade hier sei Entwicklungshilfe angebracht und bringe hoffentlich neben der medizinischen Hilfe eine menschliche Stärkung für benachteiligte Menschen.

Auswärtiges Amt mahnt zu erhöhter Vorsicht

Das Auswärtige Amt meldet mit Blick auf die Sicherheitshinweise für Namibia, dass "eine Zunahme von Diebstahlsdelikten (Handtaschen, Rucksäcke) zu verzeichnen" sei. Es werde daher zu erhöhter Vorsicht geraten. In Namibia gehöre Kriminalität in stärkerem Maß zum Alltag.


Mehr zum Thema


Werblicher Inhalt