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12.04.14 / 08:11
Gesellschaft

Die ERO wird 50

Die Europäische Regionalorganisation im Weltzahnärzteverband FDI (ERO), feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Wir sprachen mit ihrem Präsidenten Dr. Philippe Rusca über Geschichte und Zukunft der Organisation.




zm-online: Herr Dr. Rusca, die ERO feiert am 11. und 12. April 2014 ihr 50-jähriges Jubiläum. Welche politische Bedeutung hat die Organisation heute?

Rusca: Zunächst: Es gibt kein fixes Datum für die Gründung der ERO. Der Weltzahnärzteverband FDI hatte im Herbst 1964 beschlossen, auch etwas für die europäischen Regionen zu tun und eine Vertretung zu gründen. 1965 nahm die ERO ihre Arbeit auf. Heute ist die Organisation eine Austauschplattform für nationale Zahnärzteverbände, um fachbezogene Themen zu diskutieren. Sie vertritt 35 Mitgliedsländer mit insgesamt etwa 350.000 Zahnärzten und damit eine große Anzahl von Kollegen europaweit.

Wie unterscheiden sich die Aufgaben der ERO im Vergleich zu den Aufgaben des Council of European Dentists (CED) in der EU?

Der CED ist eine Institution, die von der EU selbst ins Leben gerufen wurde. Die ERO deckt Europa im weitesten geografischen Sinne ab und hat als Non-Profit-Organisation nicht nur politische Funktionen. Sie umfasst weitere Länder wie etwa Israel sowie mittel- und osteuropäische Staaten. Im Vergleich zum CED, der eine politische Aufgabe wahrnimmt, ist der ERO vor allem an thematischem und fachlichem Austausch unter den Ländern gelegen, so zum Beispiel über das Thema „Praxisteam“.

Wenn Sie auf die 50-jährige Geschichte des Verbandes zurückblicken - was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ereignisse?

Das sind drei wesentliche Punkte: Als erstes ist der Zerfall der Sowjetunion zu nennen. Die ehemaligen kommunistischen Satellitenstaaten waren bis dahin nicht in der ERO vertreten. Die meisten danach neu entstandenen  mittel- und osteuropäischen Staaten sind seitdem hinzugekommen und machen heute einen wesentlichen Teil der Organisation aus.

Zweites wichtiges Ereignis ist die weitreichende Änderung der ERO-Verbandsstruktur hin zu mehr Effektivität. Seit dem Jahr 1998 haben wir neue Statuten. Statt drei Personen im Vorstand gibt es nun einen fünfköpfigen Vorstand mit Präsident, President elect, Generalsekretär und zwei Vorstandsmitgliedern, ähnlich den Strukturen in der FDI.

Das dritte wichtige Ereignis fand am 16. Dezember 2010 statt: Die ERO ist seitdem offiziell als Non-Profit-Organisation mit Sitz in Genf anerkannt. 

Bei rund 100 zahnärztlichen Delegierten aus 38 unterschiedlichen Ländern ist Konsensarbeit eine sicherlich nicht immer einfache Aufgabe. Wie finden Sie gemeinsame Themen und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Je nach Größe der Mitgliedsstaaten ist eine kleinere oder größere Anzahl von Delegierten pro Land vertreten. Deutschland als großer Repräsentant entsendet beispielsweise  fünf Delegierte. Die Ostländer haben ihre eigenen Belange, deshalb sind sie auch in einer eigenen Arbeitsgruppe zusammengefasst, die ihre spezifischen Probleme aufarbeiten.

Wir in der ERO bemühen uns, ihnen so weit wie möglich unter die Arme zu greifen. Das geschieht beispielsweise durch „integration by doing“, das heißt, Mitglieder alle Ostländer sind in allen Arbeitsgruppen vertreten und profitieren von den dortigen Diskussionen. Das hat sich sehr gut eingespielt, so etwa in der AG „Freie Berufsausübung“, in der zwar ein Thema von westlichem Interesse bearbeitet wird, von dem jedoch die Ostländer inhaltlich stark nutznießen können.

Welche Themen werden derzeit schwerpunktmäßig bearbeitet?

Ein großes Thema ist - wie gesagt - die freie Berufsausübung. Die Diskussion spielt auch in Westeuropa eine Rolle, wo das EU-Parlament versucht, die liberalen Berufe zu reglementieren und deren Tätigkeiten einzuschränken. Wir sind der Meinung, dass Freiberuflichkeit von großer Bedeutung ist, da wir an und mit Menschen arbeiten.

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir Partner der Humanmedizin sind und bleiben wollen. Es gibt Bestrebungen, die Ausbildung der Zahnärzte an eine Art Fachhochschule zu verlagern. Wir versuchen, hier gegenzusteuern, damit auch Zahnärzte als Mediziner betrachtet werden - in der Erkenntnis, dass Mundgesundheit einen wesentlichen Einfluss auf die Allgemeingesundheit hat. 

Welche Rolle spielt die deutsche Delegation in der ERO?

Die deutsche Delegation ist seit eh und je sehr stark vertreten. So war etwa bis 2004 das ERO-Sekretariat in den Händen der Bundeszahnärztekammer, seit 2004 ist es bei der Schweizer Zahnärztegesellschaft SSO angesiedelt. Die Deutschen sind in der ERO sehr engagiert und gelten als Opinion Leaders. Bei der Durchsetzung von Beschlüssen werden sie als wichtige Unterstützer betrachtet und deutsche Kollegen sind in den meisten Arbeitsgruppen aktiv. Derzeit ist Dr. Michael Frank, der hessische Kammerpräsident und Vorstandsmitglied der Bundeszahnärztekammer, Schatzmeister im ERO-Vorstand. 

Mehr über die ERO finden Sie hier.


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