Hans-Joachim Dubau
23.05.17 / 15:10
Gesellschaft

Ein Zahnarzt in Indien (4)

Ein Elefantenritt, waghalsige Autofahrten, gutes Essen und ein scheußliches Hotelzimmer - meine Zeit in Indien ist ein Abenteuer. Auch die Zahnheilkunde wird hier gänzlich anders praktiziert als bei uns in Deutschland.




Noch ganz benommen - und eingenommen - von den Eindrücken der vergangenen Stunden in der kleinen Zahnarztpraxis drängeln wir uns in dem kleinen Pkw des indischen Producers durch die belebte Stadt, um die Mittagspause in einem kleinen Restaurant zu verbringen.

Es geht nur sehr langsam voran - trotzdem kommen meine Gedanken nicht hinterher. Da sehen wir auf der anderen Straßenseite eine lange Menschenschlange: bunt, laut, musizierend. Silberne Pferdekutschen, Kamele und Elefanten sind dabei, hunderte geschmückte Frauen und trommelnde, trompetende Männer, die Rhythmen produzieren, denen selbst ich folgen kann, die mich mitnehmen wollen.

Aus sicherer Entfernung im Auto sitzend, versuche ich das bunte Treiben zu beobachten, während ich mich frage, ob und welchen Anlass es wohl für diese beeindruckende "Aufführung" geben könnte. "Raus! Raus! Raus!" ruft auf einmal jemand laut im Auto, "Hannes! Los, raus!" Mir wird ein Mikro angesteckt - ich weiß überhaupt nicht, was los ist.

Die Autotür fliegt auf, das Kamerateam schwirrt aus, ich werde einigermaßen sanft, aber bestimmt Richtung Umzug gestupst und soll mich unter die Menge mischen. Das Kamerateam scheint raketenschnell einen gemeinsamen Plan entwickelt zu haben, jeder ist beschäftigt, und ich lasse notgedrungen alles auf mich zukommen.

Der Elefantenritt: Das Glück der Erde liegt nicht auf dem Rücken der Dickhäuter

Stolze Frauen in tollen Gewändern ziehen an mir vorbei. Eine Gruppe älterer Männer marschiert Trompete spielend hinterher. Es folgt eine Gruppe mit einem Elefanten. Das mächtige Tier erreicht meine Höhe, der "Dompteur" bedeutet, ich solle zu ihm kommen - wahrscheinlich weil ich aussehe, als hätte ich noch nie einen geschminkten, geschmückten Elefanten aus der Nähe gesehen, geschweige denn, angefasst. Womit er nicht Unrecht hat ...

Er zeigt mir, wie ich den Elefanten streicheln kann, das Tier scheint mir wohlgesonnen zu sein. Ich muss an die Zeig-bloß-keine-Furcht- und an die Tiere-können-Angst-riechen-Regel denken und fange an zu schwitzen.

Als ich dann hinauf klettern soll, um auf seinem Rücken Platz zu nehmen, ziere ich mich ein wenig, finde es aber dann doch unhöflich, abzulehnen. Für die Kamera ein willkommenes Motiv, wobei mich schon beim Aufstieg ein ungutes Gefühl beschleicht.

Der traurige Blick des großen Tiers verfolgt mich und ich fühle mich nicht gut dabei. Nach ein paar Schritten zusammen mit einer eine Elefantenmaske tragenden Person darf ich wieder hinunter klettern. Ich bedanke mich brav mit zitternden Knien bei dem traurigen Dickhäuter und seinem "Herrchen" und schaue ihnen noch eine Zeit nach.

In der Menschenmenge mit den tanzenden Frauen, den Trommeln und Trompeten fühle ich mich wieder etwas wohler, kann langsam meine Gedanken abwenden und mich dem Farben- und Klangrausch hingeben. Gänsehaut überkommt mich, während ich versuche, diese ganzen Eindrücke zu verarbeiten und einzuordnen. Erst später sollte ich mehr über die Bedeutung der Elefantenmaske erfahren ...

Noch lange nach der Begegnung mit dem Elefanten mache ich mir Gedanken über die Tierhaltung, die in Indien eine ganz andere ist als bei uns. Sicher werden die Tiere gut behandelt, jedoch wünsche ich ihnen ein Leben in Freiheit statt geschminkt in einer lärmenden Menschenmenge mitzutrotten und sich von Touristen anfassen zu lassen und als Reittier zur Verfügung zu stehen.

Zudem ist das Zähmen der Elefanten langwierig und grausam, wobei der Ausspruch "Zuckerbrot und Peitsche" gut zutrifft, denn der Dressierende muss den gefesselten Elefanten über Wochen hinweg zum "Einbrechen" bringen, aber gleichzeitig mithilfe von Musik, Nahrung und beruhigenden Worten sein Vertrauen gewinnen.


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