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26.05.15 / 16:40
Gesellschaft

Frauen sind keine Männer. Punkt.

Die Gefahr an einem Schlaganfall zu sterben, ist für Diabetikerinnen um das Drei- bis Siebenfache höher als bei Männern mit Typ 2 Diabetes. Ärzte sollten daher Patientinnen anders beraten und therapieren als Patienten mit der gleichen Diagnose, fordern Gender-Experten. Mehr dazu in der Bilderstrecke.




Gesundheit und Versorgung müssen männlich und weiblich gedacht werden, lautet das Fazit des diesjährigen Bundeskongress Gender-Gesundheit in Berlin. Männer und Frauen mit Typ 2 Diabetes sollten zum Beispiel unterschiedlich therapiert werden.

Diabetikerinnen haben häufiger ein metabolisches Syndrom, Bluthochdruck und damit ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. "Zudem erfahren Diabetikerinnen ihre Diagnose häufig erst nach der Menopause, also deutlich später als Diabetiker", erläuterte Kongresspräsidentin Dr. Martina Kloepfer. Diabetikerinnen haben doppelt so häufig wie männliche Patienten Depressionen. 

Medizin wird weiblich - Gesundheitspolitik bleibt männlich

Neben den unmittelbar medizinischen Aspekten seien geschlechtsspezifische Ansätze auch für das Versorgungssystem von Bedeutung, erläuterte Ingrid Fischbach, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium.

Noch immer seien die Gremien der Ärzte und der Pflege nach wie vor männlich dominiert. Da zukünftig die medizinische Versorgung aber überwiegend in der Hand von Ärztinnen liegen werde, plädierten Fischbach und Kloepfer für strukturelle Veränderungen. Neben einer verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedürfe es auch veränderter Selbstbilder sowie einer aktiven Beteiligung von Ärztinnen in politischen Entscheidungsgremien und Fachgesellschaften, erläuterte Klopefer.

Kinderzahnheilkunde versus Implantologie: Wie die Klischees weiter bestehen

Zahnärztin Prof. Margrit-Ann Geibel betonte, dass die Zahnmedizin immer weiblicher wird. Im Wintersemester 2012/2013 studierten rund 14.800 Frauen und Männer Zahnmedizin - bei einem Frauenanteil von 63,5 Prozent.

"Nach dem Studium findet man die Frauen eher in der Kinderzahnheilkunde. Männer gehen überwiegend in den Bereich Implantologie und Oralchirurgie", erläuterte Geibel. Als Gründe führte die Leiterin der Abteilung Gender Dentistry an der Danube Private University das typische Rollenverhalten an: "Männer verfolgen eher wirtschaftliche Interessen, Frauen wollen dagegen ganzheitlich helfen und heilen."

Frauen verhielten sich auch in der medizinischen Ausbildung anders. Geibel plädiert für monoedukative Kurse in der Zahnchirurgie, in denen Frauen und Männer getrennt voneinander lernen. Zahnärztinnen würden diese gerne belegen, um "störungsfrei" und "ohne Rollenzwang" arbeiten zu können, so die Zahnärztin.


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