ck/pm
10.11.14 / 12:01
Gesellschaft

Gesundheit leidet unter Hartz-IV

Vier von zehn Hartz-IV-Empfängern gaben in einer Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) an, gesundheitlich stark eingeschränkt zu sein.



Insgesamt 45 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen auf Hartz-IV gaben schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen an, hatten eine amtlich anerkannte Behinderung oder haben einen Antrag auf Anerkennung einer Behinderung gestellt. peno_Fotolia.com

Aufstockern geht es nach eigenen Worten gesundheitlich etwas besser als arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern, beide halten ihre gesundheitliche Verfassung aber für deutlich schlechter als Erwerbstätige ohne Grundsicherungsbezug. Von den Erwerbstätigen berichtet jeder Fünfte von starken gesundheitlichen Einschränkungen.

Die Gesundheit ehemaliger Hartz-IV-Empfänger, die erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt integriert wurden, ist Im Vergleich dazu deutlich besser als die der weiterhin Bedürftigen und unterscheidet sich nicht von der anderer Arbeitnehmer.

45 Prozent haben schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen

Insgesamt 45 Prozent der männlichen und 38 Prozent der weiblichen Hartz-IV-Empfänger nannten bei der Befragung schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen, wiesen eine amtlich anerkannte Behinderung auf oder haben einen Antrag auf Anerkennung einer Behinderung gestellt. Bei erwerbstätigen Männern und Frauen ohne Grundsicherungsbezug waren es dagegen 19 Prozent. Gesundheitliche Einschränkungen müssen also nicht generell einer Beschäftigung entgegenstehen, erklären die Arbeitsmarktforscher.

Die Unterschiede fallen bei subjektiven Indikatoren wie der Gesundheitszufriedenheit noch stärker aus als bei objektiven wie etwa dem Vorliegen einer Behinderung. Körperliche Einschränkungen wurden sehr viel häufiger genannt als psychische. 42 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen mit Hartz-IV-Bezug berichteten von körperlichen Einschränkungen. Psychische Erkrankungen nannten acht Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen.

Arbeitslosigkeit macht krank, umgekehrt macht Krankheit bedürftig

Die Ergebnisse könnten den Forschern zufolge sowohl daraus resultieren, dass Arbeitslosigkeit krank macht, als auch daraus, dass Krankheit bedürftig macht. Aber auch weitere Faktoren, die sowohl mit Arbeitslosigkeit als auch mit Gesundheit zusammenhängen, sind möglicherweise im Spiel.

In dem Zusammenhang untersuchten die Forscher das Gesundheitsverhalten als möglichen Erklärungsansatz. Die Ergebnisse fielen allerdings uneinheitlich aus. Bei einigen Indikatoren wie Alkoholkonsum oder täglichem Sport berichteten Hartz-IV-Empfänger gesundheitsbewussteres Verhalten als Erwerbstätige gleichen Alters ohne Grundsicherungsbezug.

Gesundheitsverhalten ist kein ausschlaggebender Faktor

Andererseits gaben sie häufiger an, zu rauchen oder nie Sport zu treiben. Die Unterschiede im Gesundheitsverhalten erklärten daher nur einen sehr geringen Anteil des schlechteren Gesundheitszustandes der Hartz-IV-Empfänger, unterstreichen die Wissenschaftler.

„In der Praxis der Arbeitsvermittlung kann sich der im Durchschnitt schlechtere Gesundheitszustand von Leistungsbeziehern als Vermittlungshemmnis darstellen“, schreiben die Arbeitsmarktforscher. Daher empfiehlt das IAB eine möglichst gute Vernetzung von Akteuren der Gesundheits- und Arbeitsförderung.

Die IAB-Studie beruht auf einer Befragung von 11.748 Frauen und Männern im Alter von 20 bis 64 Jahren.


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