Otmar Müller
05.11.14 / 08:00
Gesellschaft

Letzter Liebesdienst

Als am Nachmittag des 31. Juli 2007 das Telefon klingelte und sich das Krankenhaus meldete, machte sich Helga Hense noch keine großen Sorgen um ihren Mann. Sie dachte an einen Schwächeanfall.



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„Doch als ich ankam, wurde ich mit den Worten empfangen: 'Ihr Mann lebt noch, aber Sie sollten sich keine Hoffnungen machen!' Das war natürlich ein Schock. Ich wurde dann mit meiner Mutter auf die Intensivstation geführt, wo mein Mann lag", erzählt sie rückblickend.

"Sie sollten sich keine Hoffnungen machen!"

Im Krankenhaus erfuhr sie, dass ihr Mann ein Gehirnaneurysma erlitten hatte: Er ging gerade seinem Hobby als Dokumentarfotograf nach und fotografierte die Baustelle einer Brücke, als er plötzlich zusammenbrach. Ein Arbeiter eilte zu ihm und rief den Krankenwagen. Zu diesem Zeitpunkt war Helga Henses Mann schon nicht mehr ansprechbar. Auf der Intensivstation wurde sie sehr bald auf die Möglichkeit angesprochen, die Organe ihres Mannes für eine Organspende freizugeben. Für sie war es eine Entscheidung, die sie nicht so einfach treffen wollte und vor allem noch gar nicht konnte.

„Ich wollte mich erst mit meiner Tochter beraten. Sie war nicht abgeneigt und auch ein Pastor kam und teilte uns die Position der Kirche zur Organspende mit: 'Die Kirche sieht es als letzten Liebesdienst an, den ein Mensch für die Nachwelt leisten kann.'”

Dann musste eine Entscheidung getroffen werden.

Ihrem Mann ging es in den folgenden Stunden immer schlechter. Die Ärzte konnten schließlich nichts mehr für ihn tun. Nachdem der Hirntod eindeutig festgestellt wurde, musste nun eine Entscheidung getroffen werden. Da im Freundeskreis von Helga Hense und ihrem Mann, jemand dringend auf eine Spenderniere wartet, lag es für sie und ihre Tochter nahe, die Entscheidung zur Organspende mit Ja zu beantworten.

Jetzt trägt Helga Hense selbst einen Organspendeausweis bei sich und ist von der Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit einer Organspende überzeugt. „Heute weiß ich, dass ich mich auf jeden Fall wieder so entscheiden würde.” Und mit einem zuversichtlichen Lächeln fügt sie hinzu: „Zu wissen, dass die Organe meines Mannes das Leben anderer Menschen retteten oder ihre Lebensqualität deutlich verbesserte, gibt meiner Seele Kraft und Freude.”

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