Manuel Mirtakis
24.08.15 / 11:37
Gesellschaft

MKG lernen in Griechenland

Letztes Jahr im Juli, nach meinem 8. Fachsemester Zahnmedizin an der Universität Greifswald, wurde mir von meinem Vater kurzerhand eröffnet, dass ich in der MKG-Klinik im staatlichen Krankenhaus Heraklion auf Kreta ein Praktikum machen könnte.




Die vorhergehenden Semesterferien hatte ich meist in der gemeinsamen Praxis meiner Eltern in Heraklion verbracht, um mein neu gewonnenes Wissen dort auch praktisch einzubringen. Begeistert über die Möglichkeit, etwas anderes als den Praxisalltag zu erleben, begab ich mich dann am ersten Tag in die MKG-Klinik des Venizelios-Krankenhauses, eins der zwei großen Bezirkskrankenhäuser in der Präfektur Heraklion mit einem Einzugsgebiet von etwa 200.000 Menschen.

Kleiner Wissenstest in KFC

Das Krankenhaus besteht aus einem renovierungsbedürftigen Altbau und einem Neubau, der relativ gut ausgestattet ist. Oben in der Klinik wurde ich von zwei netten und sehr berufserfahrenen Krankenschwestern begrüßt, bekam meine Arbeitskleidung ausgehändigt (ganz in hellblau) und wurde mit Kaffee und Plätzchen versorgt bis die Kieferchirurgen eintrafen. Von ihnen wurde ich einem einstündigen Wissenstest - die Patientenschlange wurde immer länger - unterzogen, um mich sinnvoll einsetzen zu können. Jede helfende Hand wurde dringend benötigt.

Und dann gingen wir in den klinischen Alltag über. Das heißt, in diesem speziellen Fall arbeiteten auf drei Units (nicht mehr die neuesten Modelle, aber funktionstüchtig) zwei Kieferchirurgen und eine Zahnärztin. Letztere behandelte hauptsächlich stationär liegende beziehungsweise überwiesene Risikopatienten und war den ganzen Tag mit endodontischen Therapien und Extraktionen beschäftigt. Sie arbeitete mit einer solchen Geschwindigkeit und Präzision, dass sich die wartende Patientenzahl schnell verringerte.

Generell wurde unter ausgezeichneten Hygienevorschriften und immer mit Assistenz gearbeitet, dafür mit relativ wenigen Materialien - die Zahnärztin konnte die Wurzelkanäle nur von Hand aufbereiten und musste auf röntgenologische Diagnosen verzichten, da kein intraorales Röntgengerät vorhanden war.

Operieren und über Politik diskutieren

Ich durfte in den ersten Tagen meinem Mentor Dr. Giorgos Mastorakis über die Schulter schauen und assistieren. Während der Eingriffe wurde ständig weiterhin mein Wissen überprüft, es gab stundenlange Diskussionen über anatomische Anomalien, über kieferchirurgische Operationstechniken und natürlich über Politik.


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