ck/dpa
29.10.13 / 09:30
Gesellschaft

Macho statt Softi

Wann ist ein Mann ein Mann? Und: Wie ist ein Mann? Die Antworten darauf blieb auch eine Fachtagung zur Männerkultur in Schwerin schuldig. Doch zeigte die Diskussion, dass traditionelle Rollenbilder bei jungen Männer fest verankert sind.



Jungen versuchen typisch männliche Rituale zu leben. Aber was heißt eigentlich "typisch männlich"? © Rudie - Fotolia.com

Männer im besten Alter fallen sich lautstark in die Arme und klatschen sich ab. Dann versuchen sie sich im Duell Mann gegen Mann aus dem Gleichgewicht zu schubsen. Ein ungewöhnlicher Auftakt für eine Fachtagung, aber er führt zum Thema.

Fixpunkt Gruppe

"Jungs suchen die Gruppe. Sie suchen Halt dort, aber auch die Auseinandersetzung", erklärt Sozialarbeiter Stieven Mewaldt vom Jugendhaus "Storchennest" in Niepars bei Stralsund. Er ist einer von rund 60 Teilnehmern der Fachtagung "Eine neue Männerkultur (er)leben - erfahren - gestalten", zu der die Landesarbeitsgemeinschaft Jungen-Männer-Väter am Mittwoch nach Schwerin eingeladen hatte. 

Doch wie schon zu Beginn deutlich wird: So leicht lässt sich eine neue Männerkultur offenbar nicht etablieren. "Rollenbilder sitzen fest", konstatiert der Schweriner Straßensozialarbeiter Matthias Glüer. "Es fällt auf, wie sehr sich junge Männer schon in der Verantwortung als Alleinverdiener sehen und wie wichtig ihnen als männlich erachtete Rituale sind", berichtet er weiter.

Konservative Vorstellungen

Die Hinwendung zu konservativen Vorstellungen im Rollenverständnis und in den Geschlechterbeziehung sei über alle Schichten hinweg zu registrieren, ergänzt der Rostocker Sozialarbeiter Knut Godenrath, der die Gründe dafür auch in den gesellschaftlichen Veränderungen seit 1990 sieht. 

Auch bundesweit überwiegen unter Jugendlichen traditionelle Rollenbilder, wie der Hamburger Sozialwissenschaftler Timm Kunstreich erklärt. In einer Studie hätten sich 53 Prozent der befragten 14- bis 21-Jährigen zu Wertvorstellungen bekannt, die auf ein eher pragmatisches Familienmodell mit einem Hauptverdiener hinausliefen.

Eine männliche Koalition

"Das Patriarchat ist tief verankert, und es gibt eine Art männlicher Koalition, die Vorteile für das gesamte Geschlecht sichert", erklärt Kunstreich. Dies könne längerfristig nur aufgebrochen werden, wenn zunächst spielerisch mit Rollenbildern umgegangen werde, Mädchen für Technik, Jungs für Handarbeit aufgeschlossen würden. Zudem forderte er mehr Geschlechtergerechtigkeit, etwa beim Einkommen oder bei Aufstiegschancen für Frauen. "Veränderungen im Männerbild geht nur im Verein mit Frauen", ist er überzeugt. 

Geschlechtergerechtigkeit - mit anderen Vorzeichen - war für den ehemaligen Ministeriumsmitarbeiter Bernd Schröder im Jahre 2005 auch der Beweggrund, die Landesarbeitsgemeinschaft Jungen-Männer-Väter ins Leben zu rufen. "Für die Arbeit mit Mädchen gab es eine solche AG schon. Doch gerade für die oft auch durch Gewaltneigungen erschwerte Arbeit mit Jungs ist eine solche Plattform für Sozialarbeiter sehr wichtig", betont er. Dass es aus Kostengründen keine feste Fachstelle für Jugendarbeit gebe, halte er für einen Fehler. 

Viele Schablonen passen nicht mehr

Wie viele der Sozialarbeiter konstatiert auch Schröder Verunsicherung unter jungen Männern. "Viele Schablonen passen heute einfach nicht mehr. Und manche Jungs reagieren darauf mit Aggressivität. Sie brauchen Hilfe, ihren eigenen Standpunkt zu finden", meint Schröder. 

Ein fester Standpunkt, so hatte Stieven Mewaldt beim "Kampfspiel" zum Auftakt der Veranstaltung betont, sei wichtig, um das Gleichgewicht zu halten. "Um in sich zu wachsen, Selbstbewusstsein zu entwickeln." Dass diese Positionen sehr unterschiedlich sein können, hebt der Organisator der Tagung, Dirk Sieberik, hervor. "Es gibt eine große Vielfalt, wie sich Männlichkeit zeigen kann. Wichtig ist, dass Jungs früh lernen, Verantwortung zu übernehmen, und dafür auch gute Vorbilder finden", sagt er. 


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